Viele Ausbilder kennen ihn: den Lehrling, der langsam, unaufmerksam oder unmotiviert wirkt – oft als "Schlafmütze" bezeichnet. Ausbildungsberater Peter Braune zeigt praxisnahe Strategien, um diesen Typ Azubi gezielt zu fördern.

Viele kennen sicher das bekannte Bild des "armen Poeten" vom deutschen Maler Carl Spitzweg. Der Mann liegt in seinem Bett, mit einer Schlafmütze auf dem Kopf. Früher wurde diese Kopfbedeckung getragen, weil Schlafräume schlecht beheizt waren. Die Mütze hielt den Kopf warm und schützte die Frisur. Heute wird der Begriff meist umgangssprachlich, spöttisch verwendet.
Die "Schlafmütze" im Ausbildungsalltag
Auch manchem Auszubildenden wird diese Beschreibung zuteil. Wenn Lehrlinge unaufmerksam, langsam oder unmotiviert wirken, stellt das Betriebe vor Herausforderungen. Es gibt jedoch Strategien, um diese jungen Menschen zu unterstützen und ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Entscheidend ist ein strukturierter und wertschätzender Umgang.
Anzeichen frühzeitig erkennen
Typische Anzeichen für Schwierigkeiten sind Unpünktlichkeit, eine hohe Fehlerquote und mangelnde Motivation. Manche Auszubildende zeigen sich schwerfällig, unaufmerksam und lehnen Hektik oder Druck ab.
Strategien im Umgang mit langsamen oder unaufmerksamen Lehrlingen
Auf den Auszubildenden in einem Handwerksbetrieb trafen die meisten dieser Anzeichen zu. Nach Recherche entschied sich der Ausbilder, verschiedene Ansätze auszuprobieren:
1. Struktur und Klarheit schaffen
- Sicherheit durch klare Strukturen und Anweisungen
- Schriftliche Verteilung von Aufgaben mit Schwerpunkten
- Planung von Pufferzeiten für Pünktlichkeit
- Vermeidung von Überforderung durch zu anspruchsvolle Aufgaben
2. Aktive Lernmethoden einsetzen
- Mehr aktivierende Ausbildungsmethoden einsetzen
- Möglichkeiten zur Wiederholung von Arbeitsschritten
- Schritte wiederholen lassen, um aktive Beteiligung zu fördern
3. Kommunikation und Feedback
- Direkte Kommunikation und Zuhören, um Gründe zu verstehen
- Thematisierung von Fehlern, anstatt sie zu verurteilen
- Regelmäßige Gespräche über Stärken und Schwächen
- Hilfreiche und lösungsorientierte Rückmeldungen
- Unaufmerksamkeit nicht sofort als böse Absicht interpretieren
4. Unterstützung und Förderung
- Angebote zur Unterstützung durch Erklärungen oder Nachhilfe
- Wertschätzender Umgang und Offenheit für andere Denkweisen
- Gründe im privaten Umfeld ermitteln
- Gesundheitliche Ursachen abklären lassen
- Keine ausbildungsfremden Tätigkeiten
Auch Lehrlinge, die anfangs als "Schlafmütze" wirken, können mit der richtigen Unterstützung und einem strukturierten, wertschätzenden Ansatz ihr Potenzial entfalten. Geduld, klare Kommunikation und individuelle Förderung sind der Schlüssel zu erfolgreicher Ausbildung.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.