Ausbildungsserie Neustart im Ruhestand: Wie Fachleute ihr Wissen weitergeben

Junge Menschen brauchen Praxiswissen, erfahrene Ruheständler haben es im Überfluss. Wie beides zusammenkommt, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Ausbildungsserie: Er stellt den Senior Expert Service (SES) vor, der Fachleute als wertvolle Mentoren an die nächste Generation vermittelt.

Wissen in den Händen: Über Organisationen wie den Senior Expert Service bringen Ruheständler ihre praktische Erfahrung in Schulen und Ausbildungsbetriebe ein. - © Peruphotoart - stock.adobe.com

Der Ruhestand bedeutet nicht das Ende des Berufslebens. Für erfahrene Fach- und Führungskräfte eröffnet der Senior Expert Service (SES) neue Wege, ihr Wissen ehrenamtlich weiterzugeben. Die Organisation vermittelt Experten an Projekte im In- und Ausland, wo sie Unternehmen und den beruflichen Nachwuchs unterstützen.

Ein typisches Szenario: Ein Handwerksmeister übergibt seinen Betrieb an die nächste Generation und sucht im Ruhestand nach einer neuen, sinnvollen Aufgabe. Ein Tipp von einem Kollegen führt ihn zum SES. Die einzige Voraussetzung für ein Engagement ist praxiserprobtes Fachwissen, um die eigene Berufserfahrung weitergeben zu können.

Hilfe zur Selbsthilfe als Prinzip

Das zentrale Prinzip des SES lautet Hilfe zur Selbsthilfe. Die Organisation wird dabei nur auf konkrete Anfrage hin aktiv und entsendet ihre Fachleute gezielt dorthin, wo sie gebraucht werden. Die Einsätze konzentrieren sich auf zwei Schwerpunkte: die Förderung des Nachwuchses in Schulen und Ausbildung sowie die Unterstützung von Projekten weltweit.

Getragen von Wirtschaft und Politik

Hinter der Organisation steht ein breites Bündnis aus den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, darunter der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). Öffentliche Förderung erhält der SES vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie vom Bildungsministerium, ergänzt durch Mittel aus der Wirtschaft und von Stiftungen.

Einsätze im In- und Ausland

Weltweit vermittelt der SES Fachleute an kleine und mittlere Unternehmen, öffentliche Verwaltungen und Bildungseinrichtungen. Die Experten helfen dort ganz praktisch, etwa bei der Installation von Maschinen, der Ausbildung von Fachkräften oder bei Fragen zu Vertrieb, Personalwesen oder Zertifizierung. Für den beispielhaften Handwerksmeister kommt ein solcher Auslandseinsatz aus privaten Gründen nicht infrage. Sein Interesse gilt stattdessen den Inlandsprojekten, die sich auf die Berufsausbildung konzentrieren.

Junge Menschen in Schule und Ausbildung unterstützen

Diese Inlandseinsätze, die oft über längere Zeiträume stundenweise oder an Projekttagen stattfinden, fokussieren sich auf die Berufsorientierung. Die Experten geben ihre Praxiserfahrung in Vorträgen und Workshops weiter, helfen Schülern bei der Berufswahl und bereiten sie auf Bewerbungen vor. Ein zentrales Anliegen ist es, den Übergang von der Schule in den Beruf zu begleiten.

Darüber hinaus fördern die Senioren gezielt die Lernfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen. Zum Angebot gehören auch praxisnahe Übungen in MINT-Fächern, Sprach- und Leseförderung sowie die Unterstützung bei der beruflichen Nachqualifizierung oder dem Nachholen von Schulabschlüssen. Diese Aktivitäten werden häufig fest im Schulprogramm verankert, um eine nachhaltige Wirkung zu sichern.

Für den Handwerksmeister ist die Entscheidung damit gefallen. Er meldet sich beim SES an und findet schon bald seinen ersten Einsatz an einer Schule in seiner Heimatregion.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.