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Backwaren kaum mit Keimen besiedelt Lebensmittelverkauf: Kein Hygienevorteil durch Handschuhe

Eine aktuelle Untersuchung bestätigt: Backwaren aus Handwerksbäckereien sind kaum mit Keimen besiedelt. Beim Verkauf von Brot und Brötchen macht es keinen Unterschied, ob Handschuhe getragen werden oder nicht. Im Gegenteil: Die Handschuhe bergen sogar Gesundheitsgefahren.

Das schwierige ist der beinahe gleichzeitige Kontakt zu den Backwaren und zum Bargeld. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Bäckereien, die Brot, Brötchen, belegte Snacks und Kuchen verkaufen, müssen auf eine strikte Trennung achten, entweder sehr oft die Hände waschen oder sie tragen Handschuhe aus Kunststoff. Letzteres bringt jedoch keinen Vorteil für die Lebensmittelhygiene. Das ergab eine bundesweite Untersuchung in Handwerksbäckereien der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN).

Bargeld weniger keimbelastet als gedacht

Sie hat Proben aus 44 Handwerksbäckereien untersucht und kommt einerseits zu dem Ergebnis, dass sich die Kunden der Bäckereien grundsätzlich keine Sorgen machen müssen, dass Backwaren mit Keimen belastet sind. Andererseits wird klar: Es macht keinen Unterschied, ob im Verkauf Handschuhe getragen werden oder nicht.

Das liegt vor allem daran, dass Bargeld in Deutschland weitaus weniger mit Keimen belastet ist als bisher angenommen. So zeigte die Untersuchung, dass Münzen und die meisten Scheine kaum mit Keimen besiedelt sind. Einzig der 5-Euro-Schein wies im Vergleich eine etwas höhere Anzahl von Keimen auf – aber dennoch weit unter einem Wert, der zu einer Gesundheitsgefahr werden kann.

Lebensmittelhygiene: Hände waschen besser als Handschuhe

Zu einer Gefahr für die Gesundheit können allerdings die Handschuhe werden, wenn die Mitarbeiter der Bäckereien sie zu häufig tragen – zu einer Gefahr für sie selbst und nicht für die Kunden. So war der Anlass der Untersuchung eine auffällig hohe Fallzahl an Hauterkrankungen unter dem Verkaufspersonal im Bäckerhandwerk. Denn das Tragen der meist wasserundurchlässigen Handschuhe schadet der Haut weit mehr als ein regelmäßiges Händewaschen. Auch das zeigen die BGN-Analysen.

Konkret weisen diese die folgenden Werte auf: Die Oberfläche von Backwaren aus Bäckereien, die Handschuhe verwenden, liegt durchschnittlich bei 15,1 Bakterien/cm2. Wird auf Handschuhe verzichtet, beträgt der Wert 14,8 Bakterien/cm2. Beide Werte liegen im unbedenklichen Bereich.

Hauterkrankungen sind ein wichtiges Thema im Handwerk, aber sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber können viel tun, um präventiv und in akuten Fällen tätig zu werden. Tipps dazu gibt es hier.>>>

Im Lebensmittelverkauf setzen Bäckereien und auch Metzgereien statt auf das Tragen von Handschuhen mittlerweile auch immer mehr auf Bezahlautomaten, die es ermöglichen, den Kontakt der Mitarbeiter zum Bargeld komplett zu vermeiden. Beispiele aus der Praxis können Sie hier nachlesen.>>>

jtw

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