Ernährungsreport Labels & Co: Was die Kaufentscheidung bei Lebensmitteln beeinflusst

Für die meisten Menschen geht es bei Lebensmitteln zwar um den guten Geschmack. Doch auch Informationen zum Tierwohl oder Labels wie das Nährwert-Logo Nutri-Score werden als Orientierungshilfe für Verbaucher immer wichtiger. Das haben jetzt verschiedene Umfragen ergeben.

Pizzaschachteln mit einer mittleren Nutri-Score: Der Nutri-Score ist ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln. - © picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Die Mehrheit der Verbraucher orientiert sich beim Einfkauf von Lebensmitteln an der Nährwert-Kennzeichnung Nutri-Score, die seit November 2020 vermehrt auf Lebensmittelverpackungen zu finden ist. Das hat eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens Yougov für die Lebensmittelzeitung ergeben. Wie die Wirtschaftszeitung der Konsumgüterbranche berichtet, ist die Farbskala bei 59 Prozent der Befragten bekannt. 53 Prozent der Verbraucher ließen sich beim Einkauf bereits davon beeinflussen. Zudem sollen sich 42 Prozent der Befragten für bestimmte Lebensmittel an dem Label orientieren.

Das in Frankreich entwickelte System Nutri-Score bezieht neben Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Elemente wie Ballaststoffe ein. Heraus kommt ein einziger Gesamtwert, der in einer fünfstufigen Skala abgebildet wird: von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zum roten "E" für die ungünstigste. Doch nicht nur die Angabe zum Nährwert ist für Verbraucher beim Kauf von Lebensmitteln entscheidend: Zu Ess- und Einkaufsgewohnheiten liefert auch ein jährlicher "Ernährungsreport" frische Daten. Dafür wurden vom Institut Forsa im Januar und Februar rund 1.000 Menschen ab 14 Jahren befragt. Laut der Umfrage legen Verbraucher auch besonderen Wert auf regionale Produkte und Angaben zur Tierhaltung auf der Packung.

Ernährungsreport: Geschmack der Produkte am wichtigsten

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner sagte bei der Vorstellung des Ernährungsreports Mitte Mai, Essen sei "natürlich auch Genuss". Den Bürgern sei es aber immer wichtiger, wo Lebensmittel herkämen und welche Auswirkungen ihr tagtäglicher Konsum habe. Es gebe sehr hohe gesellschaftliche Erwartungen an die Landwirtschaft. Wichtig sei dabei aber auch Augenmaß, damit Ökonomie, Ökologie und soziale Belange in einer Balance seien. "Wir brauche die Bauern um die Ecke", so Klöckner.

Diese Dinge sind Verbrauchern beim Kauf von Lebensmitteln wichtig:

Kaufkriterien: Wenn es um die Auswahl von Lebensmitteln geht, sagten 96 Prozent von sich: "Ich kaufe, was schmeckt." Dass Produkte aus der Region kommen, ist 82 Prozent wichtig. Dies zählt vor allem bei frischem Gemüse, Obst und Eiern – weniger etwa bei Teigwaren. Wert legen die Bundesbürger demnach auch darauf, dass Gemüse oder Obst gerade Saison haben (78 Prozent). Den Preis nannten 48 Prozent als wichtiges Kriterium, wobei dieser Aspekt unter Jüngeren zwischen 14 und 29 Jahren mit 60 Prozent eine größere Rolle spielt.

Kennzeichnungen: Neben vorgeschriebenen Angaben zu Zutaten oder dem Mindesthaltbarkeitsdatum halten viele Bürger weitere freiwillige Packungsinfos für wichtig. Im Rahmen des Ernährungsreports sagten 44 Prozent der Befragten, dass sie den Nutri-Score schon einmal auf einer Packung gesehen haben. 88 Prozent (Vorjahr: 84 Prozent) wünschen sich mehr Angaben zur Tierhaltung. Gewünscht sind laut Umfrage auch Angaben zu umweltverträglichen und fairen Produktionsbedingungen mit je 84 Prozent. Zur Tierhaltung führten große Supermarktketten bereits 2019 eine einheitliche Kennzeichnung für Fleisch ein. Das Logo mit der Aufschrift "Haltungsform" hat vier Stufen, beginnend mit Stufe 1 für den gesetzlichen Mindeststandard. Bei Schwein kamen zuletzt 80 Prozent aus Stufe 1, bei Rind 90 Prozent. Bei Geflügel dominiert Stufe 2 – mit 98 Prozent bei Puten und 85 Prozent bei Hähnchen.

Tierwohllogo: Für ein staatliches Tierwohlkennzeichen, das eine bessere Haltung oberhalb des gesetzlichen Standards anzeigen soll, hatte das Kabinett im Herbst 2019 einen Entwurf von Klöckner auf den Weg gebracht. Wann es kommt? "Wenn es nach mir ginge: sofort", sagte die CDU-Politikerin. Seitdem steckt der Plan für ein freiwilliges Logo aber in der Koalition fest. Und bis zur Bundestagswahl im September wird die Zeit knapp. Die Umweltorganisation Greenpeace richtet den Blick schon auf die neue Regierung. Fleisch aus "tierschutzwidriger Haltung" dominiere weiter das Angebot, oft ohne erkennbar zu sein. Ein weiteres freiwilliges staatliches Kennzeichen schaffe da keine Abhilfe.

159 Unternehmen beteiligen sich bereits am Logo Nutri-Score

Mit der Zwischenbilanz der Nähwert-Ampel Nutri-Score zeigt sich Klöckner hingegen zufrieden. "Vier Monate nach der Einführung beteiligen sich bereits 159 Unternehmen mit 308 Marken", sagte sie den Zeitungen der Funke- Mediengruppe. "Das ist eine starke Dynamik, ein großer Erfolg." Die Kennzeichnung für Lebensmittelprodukte ist für Unternehmen nicht verpflichtend.

In der Vergangenheit kritisierten viele Lebensmittelhersteller das Logo. Der Lebensmittelverband, dem Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette aus Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel und Gastronomie angehören, forderte etwa Nachbesserungen. Pflanzenöle, Kräutertee und Vollkornprodukte gehörten zu einer ausgewogenen Ernährung, seien aber im System nicht ausreichend berücksichtigt. Auch die Bäcker übten Kritik am Farblogo: "Eine gesunde Ernährung ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Lebensmittel und kann aus unserer Sicht nicht durch dieses stark vereinfachte Bewertungsverfahren abgebildet werden", sagte Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks.

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Eine Forderung der Grünen, die Kennzeichnung auf den Verpackungen von Lebensmitteln verpflichtend zu machen, wies Klöckner mit Verweis auf das Europarecht zurück. ew/dpa