Das Projekt "Ich entlaste Städte" soll zeigen, ob das Lastenrad, oft auch Cargobike genannt, eine Alternative zum Transporter sein kann. Ein Jahr lang können Gewerbetreibende verschiedene Lastenräder testen. Eine Schlosserei aus dem Raum Frankfurt am Main ist seit August auf Probefahrt.

In großen Städten wird es immer enger. Auf dem Weg zum Kunden bremsen Staus und die Suche nach einem Parkplatz viele Handwerker aus. Dabei konkurrieren ihre Transporter mit den Lieferdiensten, denen der Internethandel hohe Wachstumsraten beschert. Einen Ausweg könnte der Umstieg aufs Fahrrad bieten.
Lastenräder mit Elektroantrieb, sogenannte Cargobikes, bieten sich als Alternative an, wenn es um relativ geringe Nutzlasten geht. Aber was taugen sie im betrieblichen Alltag wirklich? Welche Bauform erweist sich als praktikabel? Und wo besteht noch Verbesserungsbedarf?
Ein Jahr lang Lastenrad einbinden
Um das herauszufinden, finanziert die Klimaschutzinitiative des Bundeswirtschaftsministeriums das Projekt "Ich entlaste Städte". Wissenschaftlich begleitet vom Verkehrsinstitut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), können Gewerbetreibende gegen eine geringe monatliche Gebühr ein Jahr lang verschiedene Lastenräder testen. Ihre Erfahrungen sollen als Blaupause für die jeweiligen Branchen dienen und möglichst viele Unternehmen zum Nachahmen motivieren.
Aktuell läuft die zweite Auflage von "Ich entlaste Städte". Projektleiter Johannes Gruber vom DLR erhofft sich von dem Langzeittest bis Ende 2024 wichtige Erkenntnisse über Hemmnisse und Potenziale der Radlogistik vor allem in randstädtischen Gebieten. Dabei will auch die Schlosserei Spohner mithelfen.
Das Handwerksunternehmen mit 15 Mitarbeitern und Sitz in Bergen Enkheim, einem Außenbezirk von Frankfurt am Main, testet seit August im Rahmen des Projekts drei Fahrzeuge: ein sogenanntes Long John (einspuriges Lastenrad mit Transportbox vor dem Lenker), ein Dreirad mit Kofferaufbau im Heck sowie Dach und Windschutzscheibe als Wetterschutz für den Fahrer und einen leichten Elektro-Transporter mit mehr als einer Tonne Nutzlast.
Ein Lohn John schon im Fuhrpark
"Es wird ja gerade viel über alternative Fahrzeuge geredet. Wir wollten einfach mal ausprobieren, ob sie wirklich alltagstauglich sind oder ob es bei einem reinen Gedankenspiel bleibt", erklärt Juniorchef Patrick Spohner die Beweggründe für die Teilnahme am Test. Der 34-Jährige ist bereits überzeugter Lastenradfahrer.
Nachdem er in der ersten Runde von "Ich entlaste Städte" ein Long John getestet hatte, gehört ein solches Modell inzwischen zum Fuhrpark der Bauschlosserei, zu dem acht Transporter bis zum 3,5-Tonner und zwei Anhänger gehören. "Ich nutze das Rad zum Beispiel, wenn ich für ein Aufmaß zum Kunden muss. Ob auch unsere Mitarbeiter Lastenräder oder lieber Leichttransporter akzeptieren und gewinnbringend einsetzen, das soll jetzt der Langzeittest zeigen", sagt Spohner.
Dreirad selten im Einsatz
Eines hat er in den ersten Monaten bereits bemerkt: Das Dreirad stehe fast nur rum. Es sei schwer zu fahren und vom Regen bleibe der Fahrer auch nicht gänzlich verschont. Das einspurige Fahrrad und der elektrische Kleintransporter würden hingegen besser genutzt. Das Lastenrad möchte Spohner gerne einsetzen, um Lehrlinge ohne Führerschein auch allein auf die Baustelle zu schicken. "Wenn sie selbstständig arbeiten können, stärkt das ihr Selbstbewusstsein und beweist ihnen unser Vertrauen", ist Spohner überzeugt.
Laut Branchenreport des Radlogistikverbandes wurden im vergangenen Jahr rund 2,4 Millionen Kilometer mit gewerblichen Lastenrädern zurückgelegt. Dadurch sei der Einsatz von rund 155 Transportern ersetzt worden, was eine Einsparung von 619 Tonnen CO₂ entspreche. Trotzdem bleibt noch ein weiter Weg bis zum selbst gesteckten Ziel von einem 30-prozentigen Anteil der Radlogistik am städtischen Wirtschaftsverkehr bis zum Jahr 2030.
Der Geschäftsführer der Lobby-Organisation "Cargobike jetzt" rechnet zwar nicht damit, dass konventionelle Transporter dadurch weniger werden. "Aber wir können dafür sorgen, dass das Wachstum im Verkehrsaufkommen vom Lastenrad übernommen wird", sagt Martin Seißler. Dafür müssen Lastenräder allerdings noch stärker auf die Bedürfnisse der gewerblichen Nutzer zugeschnitten werden, glaubt Johannes Rasche, Chef-Designer beim Konstanzer Lastenradhersteller Ca Go. "Wir müssen uns bei der Entwicklung am Sprinter orientieren. Neben dem Basisträger braucht das Cargobike vor allem einen variablen Laderaum für die vielen verschiedenen Anwendungen im Handwerk."

