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Einkommensteuererklärung 2017 Last-Minute-Steuertipps für Ihren Betrieb

Sind Sie als Handwerker selbständig tätig, erwartet das Finanzamt von Ihnen grundsätzlich, dass Sie Ihre Steuererklärungen 2017 spätestens am 31. Mai 2018 übermitteln. Doch zu diesem Grundsatz gibt es einige Ausnahmen. Erfahren Sie in den folgenden Passagen außerdem, wann es sich trotz Fristverlängerung lohnt, noch bis 31. Mai aktiv zu werden und auf welche betrieblichen Steuersparurteile Sie unbedingt pochen sollten.

Automatische Fristverlängerung bis 30. September meist kein Problem

Kümmern Sie sich ohne Steuerberater um das Ausfüllen der Steuerformulare 2017, ist für sie normalerweise der 31. Mai 2017 der Abgabetermin beim Finanzamt. Mit der richtigen Begründung gewährt Ihnen das Finanzamt aber auf jeden Fall eine Fristverlängerung bis Ende September. Insbesondere bei folgenden Gründen ist die Fristverlängerung in der Regel kein Problem:

  • Es herrscht Hochkonjunktur in Ihrem Handwerksbetrieb und Sie haben derzeit keine Minute Zeit, sich um die Steuererklärung zu kümmern.
  • Es fehlen noch Steuerbelege, die für die Erstellung der Steuererklärung notwendig sind.
  • Ihr Buchhalter ist krank oder wegen einer längeren Fortbildung nicht im Betrieb.

Praxis-Tipp: Den Antrag auf Fristverlängerung sollten Sie stets schriftlich stellen. Lassen Sie sich zudem die Gewährung der Fristverlängerung durch das Finanzamt schriftlich bestätigen. So vermeiden Sie später, dass das Finanzamt Verspätungszuschläge festsetzt.

Wer trotz Fristverlängerung unbedingt noch bis 31. Mai 2018 tätig werden muss

Haben Sie eine Fristverlängerung in der Tasche oder haben Sie mit der Abgabe Ihrer Steuererklärung bis zum Ende des Jahres Zeit, weil die Steuererklärungen 2017 ein Steuerberater erstellt, gibt es trotzdem eine Situation, bei der Sie unbedingt noch bis Ende Mai aktiv werden müssen. Die Rede ist vom Vorsteuerabzug für Privatgegenstände, die 2017 zu mindestens zu zehn Prozent für Ihren Handwerksbetrieb genutzt wurde.

Haben Sie für den Kauf dieser Gegenstände oder für die laufenden Kosten im Jahr 2017 noch keine Vorsteuer geltend gemacht, muss die Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zwingend bis zum 31. Mai 2018 erfolgen. Passiert die Zuordnung bis zu diesem Stichtag nicht, ist der Vorsteuerabzug verloren.

Beispiel: Sie haben sich 2017 privat einen Pkw gekauft (Kaufpreis 30.000 Euro zzgl. 5.700 Euro Umsatzsteuer) und haben diesen aus für Ihren Handwerksbetrieb genutzt. Aufgrund Ihrer Aufzeichnungen betrug die unternehmerische Nutzung 2017 rund 16 Prozent.

Folge: Ihnen steht aus dem Kaufpreis und den laufenden Kosten ein Vorsteuerabzug zu. Im Gegenzug müssen Sie umsatzsteuerlich die nichtunternehmerische Nutzung versteuern. Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist jedoch die Zuordnung des Pkws zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen. Dazu müssen Sie bis zum 31. Mai 2018 entweder die Umsatzsteuererklärung 2017 ans Finanzamt übermitteln oder Sie schicken bis zu diesem Tag ein Scheiben ans Finanzamt, in dem Sie expliziert auf die Zuordnung Ihres Privat-Pkws zum Unternehmensvermögen hinweisen.

Umsatzsteuererklärung und Anlage EÜR: Authentifizierung notwendig

Die meisten von uns neigen bei steuerlichen Fristen dazu, diese bis zum letzten Tag auszuschöpfen und die Steuererklärung am letzten Tag der gesetzten Frist ans Finanzamt zu übermitteln. Doch dieses Jahr kann diese Taktik ins Auge gehen. Denn seit 1. Januar 2018 ist bei der Umsatzsteuer- und Gewerbesteuererklärung sowie beim Formular EÜR mit der komprimierten Steuererklärung Schluss. Diese Steuerformulare 2017 können nur noch authentifiziert übermittelt werden.

Warten Sie also bis zum letzten Tag der Abgabefrist mit der Übermittlung Ihrer Steuererklärungen, müssen Sie mindestens zwei Wochen davor, die Authentifizierung beantragen, damit Sie bei Fristende tatsächlich alle Steuererklärungen übermitteln können.

Praxis-Tipp: Merken Sie sich unbedingt, wo auf Ihrem PC die für die Authentifizierung notwendige Zertifikatsdatei gespeichert wird. Denn oftmals scheitert die authentifizierte Übermittlung von Steuererklärungen, weil die Zertifikatsdatei nicht gefunden wird.

Fristverlängerung für die Abgabe der Körperschaftsteuererklärung 2017

Wer seine Körperschaftsteuererklärung 2017 nicht von einem Steuerberater erstellen lässt, muss diese Erklärung normalerweise bis spätestens 31. Mai 2018 ans Finanzamt übermitteln. Doch dieses Jahr hakt es. Die Finanzverwaltung kann die elektronischen Formulare zur Körperschaftsteuererklärung 2018 nämlich frühestens bis Ende Juli bereitstellen. Deshalb winkt für die Körperschaftsteuererklärung 2017 eine großzügige automatische Fristverlängerung.

Wird die Körperschaftsteuererklärung 2017 nicht von einem Steuerberater erstellt, haben Sie für die Abgabe Zeit bis zum 31. August 2018. Das Bundesfinanzministerium erlaubt die Abgabe der Körperschaftsteuererklärung 2017 auch in Papierform.

Die Mitteilung zur automatischen Fristverlängerung finden Sie hier.

Anlage EÜR für alle selbständigen Handwerker ein Muss

Für nebenberufsselbständige Handwerker oder für Handwerker im Gründungsjahr, deren Umsätze 2017 nicht mehr als 17.500 Euro betragen haben, ist eine Änderung zu beachten. In der Vergangenheit war bei solchen Fällen eine formlose Gewinnermittlung erlaubt, bei der lediglich die Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen abgezogen wurden. Seit 2017 gilt diese Vereinfachungsregelung nicht mehr.

Das Finanzamt erwartet unabhängig von der Höhe der Umsätze die elektronische Übermittlung des Steuerformulars EÜR 2017. Formlose Papier-Gewinnermittlungen sind für 2017 also tabu (siehe dazu auch ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 9.10.2017, abrufbar hier).

Steuertrends, Steuersparurteile und Steuerspar-Verwaltungsweisungen, die Unternehmer kennen sollten

Sie sitzen gerade an der Erstellung der Steuererklärungen für 2017 und sind auf der Suche nach effektiven Steuerspartipps für die betriebliche Gewinnermittlung? Dann ist vielleicht in den folgenden Steuertipps etwas Interessantes für Sie dabei.

1. Gewerbesteuerliche Hinzurechnung bei Franchiseverträgen

Betreiben Sie Ihren Handwerksbetrieb als Franchisenehmer, ist das Finanzamt schnell bei der Sache und rechtet die Franchisegebühren bei Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags anteilig dem Gewerbeertrag hinzu. Denn es behandelt die Franchisegebühren als Zahlungen für Lizenzen und Rechte.

Doch hiergehen lohnt sich Gegenwehr. Denn der Teil der Franchisegebühren, die sich auf ungeschütztes Erfahrungswissen beschränkt (Weitergabe von Know-how) darf nicht zugerechnet werden. Nur wenn in den Franchisegebühren eine Zahlung für überlassen Schutzrechte steckt, ist dafür eine anteilige Zurechnung erlaubt (Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen, Kurzinfo vom 25.10.2017).

2. Entscheidung: Fahrtenbuch oder 1-Prozent-Regelung für Firmenwagen?

Haben Sie 2017 den privaten Nutzungsanteil für Ihren Firmenwagen nach der Bruttolistenpreismethode (auch als 1-Prozent-Regelung) ermittelt und gleichzeitig ein Fahrtenbuch geführt, sollten Sie den zu versteuernden Privatnutzungsanteil dieser beiden Methoden gegenüberstellen.

Sie dürfen sich im Rahmen der Gewinnermittlung 2017 für die steuerlich günstigste Variante entscheiden. Dazu müssen Sie jedoch wissen, dass die Anwendung der Fahrtenbuchmethode häufig das Finanzamt auf den Plan ruft. Das Fahrtbuch ist immer dann steuerlich unwirksam, wenn es nachträglich erstellt wurde, wenn nicht alle Fahrten aufgezeichnet wurden und wenn Fahrten aufgezeichnet wurden, obwohl sich der Pkw in der Werkstatt befand (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 13.11.2017, Az. 5 K 1391/15).

3. Argumente für die steuerliche Anerkennung von Dauerverlusten

Sind Sie nebenberuflich als Handwerker selbständig und erzielen seit Jahren Verluste, wird das Finanzamt irgendwann die Reißleine ziehen und die Verluste rückwirkend kippen. Das Argument für die rückwirkende Verluststreichung: Fehlende Gewinnerzielungsabsicht (aus als Liebhaberei bezeichnet).

Das Fatale daran: Wurden die Verluste in den vergangenen Jahren zur steuersparenden Verrechnung mit anderen Einkünften eingesetzt, drohen bei Verlustkürzungen Steuernachzahlungen und hohe Nachzahlungszinsen.

Die Verlustkürzung lässt sich nur verhindern, wenn Sie dem Finanzamt glaubhaft erläutern können, dass trotz Verlusten sehr wohl eine Einkunftserzielungsabsicht bestand. Das funktioniert mit folgenden Argumenten (Finanzgericht Berlin-Brandenburg, Urteil v. 24.1.2018, Az. 7 K 7100/16):

  • Es wurde ein Internetportal erstellt, um mehr zahlungswillige Kunden zu erreichen und so die Umsätze zu erhöhen.
  • Es wurden in verschiedenen Zeitungen und Online-Portalen Anzeigen geschalten.
  • Die Ausgaben wurden auf ein Minimum reduziert (keine Anstellung des Ehegatten als Minijobkraft, kein Firmenwagen).
  • Es gab immer mal wieder Jahre, in denen kleine Gewinne erzielt wurden, mit denen Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten.
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