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Drohende Steuernachzahlungen Kurzarbeitergeld und Steuernachzahlung: 7 Fragen und Antworten

Seit der Corona-Krise und den damit verbundenen Betriebsschließungen und Umsatzeinbrüchen ist das Thema Kurzarbeit in vielen Branchen allgegenwärtig. Dabei drehen sich viele Fragen um steuerliche Aspekte. Hier die sieben wichtigsten Antworten auf Fragen zum Kurzarbeitergeld.

#Frage 1: Muss ein Arbeitnehmer das Kurzarbeitergeld versteuern?

Antwort: Die Antwort auf diese Frage lautet "ja und nein". Das Kurzarbeitergeld, das der Arbeitgeber an den Mitarbeiter überweist und sich von der Agentur für Arbeit wieder erstatten lässt, ist grundsätzlich nach § 3 Nr. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) steuerfrei. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn das Finanzamt besteuert das Kurzarbeitergeld nämlich über ein Hintertürchen, über den so genannten Progressionsvorbehalt nach § 32a Abs. 1 Nr. 1a EStG.

Das führt in der Praxis dazu, dass sich der Steuersatz auf das übrige zu versteuernde Einkommen des Kurzarbeiters erhöht. Dadurch kommt es häufig zu ü berraschenden und unerfreulichen Steuernachzahlungen.

Beispiel: Eine verheiratete Arbeitnehmerin hat im Jahr 2020 mit ihrem Ehemann ein zu versteuerndes Einkommen von 50.000 Euro. Aufgrund der Corona-Krise bezogen die beide 2020 ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 17.000 Euro.

Folge: Das Kurzarbeitergeld führt zu folgender Erhöhung der Steuerbelastung.

Steuerbelastung 2020 (Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) ohne Kurzarbeitergeld 8.430,78 Euro (Einkommensteuersatz 14,86 Prozent)
Steuerbelastung 2020 (Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) mit Kurzarbeitergeld 10.640,63 Euro (Einkommensteuersatz 18,75 Prozent)
Höhere Steuerbelastung 2020 wegen Bezug von Kurzarbeitergeld 2.209,85 Euro

Fazit: Obwohl das Kurzarbeitergeld steuerfrei ist, erhöht sich die Einkommensteuer 2020 um 2.209,85 Euro.

Praxis-Tipp: Steuerzahler, die 2020 Kurzarbeitergeld erzielen, sollten also unbedingt finanzielle Rücklagen für mögliche Steuernachzahlungen bilden. Nur so lässt es sich vermeiden, dass das Finanzamt im Steuerbescheid 2020 Steuernachzahlungen festsetzt und dafür kein Geld vorhanden ist.

#Frage 2: Ich habe noch nie eine Steuererklärung abgegeben. Das möchte ich für 2020 trotz Bezug von Kurzarbeitergeld so beibehalten. Sind Steuernachzahlungen damit für mich vom Tisch?

Antwort: Leider nein. Denn Sie müssen wissen, dass das Finanzamt durch Ihren Arbeitgeber über die Auszahlung von Kurzarbeitergeld im Jahr 2020 informiert wird. Denn Ihr Arbeitgeber muss das ausbezahlte Kurzarbeitergeld in der Lohnsteuerbescheinigung für Sie extra ausweisen. Und diese Lohnsteuerbescheinigung erhalten nicht nur Sie. Der Arbeitgeber muss diese auch elektronisch ans Finanzamt übermitteln.

Beträgt das bescheinigte Kurzarbeitergeld im Jahr 2020 mehr als 410 Euro, sind Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung 2020 verpflichtet (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Das Finanzamt wird Sie also zur Abgabe einer Erklärung auffordern. Sie können sich also der Steuernachzahlung aufgrund des Kurzarbeitergeldes nicht entziehen, indem Sie beschließen, für 2020 keine Steuererklärung abzugeben.

#Frage 3: Ich habe gelesen, dass es sich beim Bezug von Kurzarbeitergeld lohnen kann, dass Ehegatten statt der Zusammenveranlagung jeweils die Einzelveranlagung beantragen sollten. Stimmt das?

Antwort: Ob sich beim Bezug von Kurzarbeitergeld bei Ehegatten statt der steuerlich günstigen Zusammenveranlagung die Einzelveranlagung für jeden Ehegatten steuerlich lohnt, hängt von individuellen steuerlichen Verhältnissen der Ehegatten ab. Erzielen beide Ehegatten in etwa das gleich hohe zu versteuernde Einkommen, kann die Einzelveranlagung tatsächlich zu einer geringeren Steuerlast führen als die Zusammenveranlagung. Bei der Einzelveranlagung gibt jeder Ehegatte eine eigene Einkommensteuererklärung beim Finanzamt ab und das Finanzamt besteuert jeden Ehegatten wie einen Ledigen nach der Grundtabelle.

Praxis-Tipp: Ob sich die Einzelveranlagung bei Bezug von Kurzarbeitergeld für das Steuerjahr 2020 tatsächlich lohnt, kann nur eine Vergleichsberechnung zeigen. Diese Vergleichsberechnung führt entweder der Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein durch oder Sie nutzen eine professionelle Steuersoftware wie Taxman oder QuickSteuer, bei der Ihnen die Ergebnisse der Zusammenveranlagung und der Einzelveranlagung automatisch angezeigt werden.

#Frage 4: Ich soll wohl innerhalb der nächsten Wochen in Kurzarbeit. Hat die Lohnsteuerklasse Auswirkung auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes?

Antwort: Die Lohnsteuerklasse ist für die Höhe des Kurzarbeitergeldes von entscheidender Bedeutung. Je höher das Nettogehalt des Kurzarbeiters ist, desto höher fällt das Kurzarbeitergeld aus. Droht der Ehefrau Kurzarbeit und sie halt als Geringverdienerin die Lohnsteuerklasse V mit hohen Steuerabzügen, würde das Kurzarbeitergeld wegen des niedrigen Nettogehalts niedrig ausfallen.

Hier empfiehlt es sich, steueroptimiert vorzugehen. Das bedeutet im Klartext: Droht dem Arbeitnehmer mit Steuerklasse V Kurzarbeit, könnte sich ein "unlogischer" Steuerklassenwechsel lohnen. Der Geringverdiener bekommt hier die Lohnsteuerklasse III mit geringen Steuerabzügen. Dadurch steigen sein Nettogehalt und im Folgenden dann auch sein Kurzarbeitergeld.

#Frage 5: Macht es Sinn, wegen des Kurzarbeitergeldes, dass Kinder in den ELStAM (= elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) des Kurzarbeiters eingetragen werden?

Antwort: Die Eintragung eines Kinderfreibetrags von mindestens 0,5 bedeutet ein Kurzarbeitergeld mit dem deutlich höheren Leistungssatz 1. Sofern also noch nicht geschehen, sollten die Eintragungen eines Kindes in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) unbedingt nachgeholt werden.

Praxis-Tipp: Den höheren Leistungssatz 1 beim Kurzarbeitergeld gibt es allerdings nicht rückwirkend, sondern erst am dem Monat, ab dem erstmals ein Kinderfreibetrag von 0,5 in den ELStAM berücksichtigt ist. Deshalb gilt es: Erhalten Sie Kurzarbeitergeld und Ihnen steht ein Kinderfreibetrag ganz oder zu Hälfte zu, sollten Sie diesen unbedingt sofort in den ELStAM eintragen lassen.

#Frage 6: Wie behandelt das Finanzamt Arbeitgeber-Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld lohnsteuerlich?

Antwort: Arbeitnehmer erhalten einen Großteil des bisherigen Gehalts als Kurzarbeitergeld. Um Arbeitnehmern die finanziellen Nachteile durch die Kurzarbeit auszugleichen, leisten Arbeitgeber in häufig Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld. In der Praxis stellt sich die Frage, ob und in welcher Höhe diese Arbeitgeber-Zuschüsse lohnsteuerpflichtig oder lohnsteuerfrei sind?

Nach dem ersten Corona-Steuerhilfegesetz bleiben Zuschüsse des Arbeitgebers bis zu 80 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt nach § 3 Nr. 28a EStG steuerfrei.

Praxis-Tipp: Damit Arbeitgeber bei Ermittlung des steuerfreien Teils des Arbeitgeber-Zuschusses zum Kurzarbeitergeld keine Fehler machen, empfiehlt sich entweder das Gespräch mit dem Steuerberater oder der Arbeitgeber berechnet den steuerfreien Teils des Zuschusses und bitten das Finanzamt im Rahmen einer Anrufungsauskunft nach § 42e EStG um Kontrolle und Bestätigung. Dieser Service des Finanzamts ist übrigens kostenlos.

#Frage 7: Kann anstatt des Arbeitgeber-Zuschusses zum Kurzarbeitergeld die steuerfreie Corona-Prämie nach § 3 Nr. 11a EStG ausbezahlt werden?

Antwort: Arbeitgeber haben die Wahl, ob sie im Jahr 2020 Arbeitgeber-Zuschüsse zur Kurzarbeit leisten möchten, die nach § 3 Nr. 28a EStG bis zu einer bestimmten Höhe steuerfrei sind oder ob sie die nach § 3 Nr. 11a EStG steuerfreie Corona-Prämie bezahlen möchten.

Entscheidend für die steuerliche Behandlung ist die Bezeichnung der Zahlung in arbeitsrechtlichen Vereinbarungen und die Bezeichnung im Lohnkonto. Sagt der Arbeitgeber zunächst einen Arbeitgeber-Zuschuss zum Kurzarbeitergeld zu und entscheidet sich anschließend doch für eine steuerfreie Corona-Prämie nach § 3 Nr. 11a EStG, weil sich diese lohnsteuerlich als günstiger erweist, scheidet die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 11a EStG aus. Denn die Corona-Prämie ist nur dann steuerfrei, wenn diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gleistet wird. Das ist nicht der Fall, wenn der Arbeitnehmer bereits einen Anspruch auf Arbeitgeber-Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld hatte und diese in eine Corona-Prämie umgewandelt werden.

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