Umfrage unter Handwerksbetrieben Kunden erhöhen Druck auf Betriebe, sich zu digitalisieren

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung im Handwerk einen Schub verliehen. Die Betriebe stehen aber auch mehr denn je unter Zugzwang schneller und moderner zu kommunizieren, wie eine neue Studie von Bitkom und ZDH zeigt.

Für den Austausch mit Kollegen und Kunden greift auch das Handwerk zunehmend auf Videochats zurück. - © REDPIXEL - stock.adobe.com

Immer mehr Betriebe begreifen die Digitalisierung als Chance für ihr Geschäft und sehen in digitalen Services sogar ein Fundament für die eigene Zukunft. Das sind wesentliche Erkenntnisse der neuen Digitalisierungsstudie vom Branchenverband Bitkom und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

So geben 68 Prozent der 503 befragten Handwerksbetriebe an, digitale Technologien und Anwendungen zu nutzen. Gegenüber der vergangenen Erhebung von vor zwei Jahren ist das ein Zuwachs von 15 Prozent und verdeutlicht, dass die Corona-Pandemie durchaus zu einem Digitalisierungsschub in den Unternehmen geführt hat. 55 Prozent stimmen zudem der Aussage zu, dass die Digitalisierung die eigene Existenz sichert.

"Die zu beobachtende Entwicklung stimmt uns positiv. Bereits gut zwei Drittel der Handwerksbetriebe nutzen digitale Technologien. Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass der Einsatz in den vergangenen zwei Jahren enorm gestiegen ist“, sagt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte.

83 Prozent sehen Zeitersparnis als größten Vorteil der Digitalisierung, 78 Prozent eine optimierte Lagerung und Logistik und 73 Prozent eine flexiblere Arbeitsorganisation. Eine höhere Sichtbarkeit bei der Kundschaft (71 Prozent) sowie körperliche Entlastung (60 Prozent) spielen ebenfalls eine große Rolle.

Website heute Standard im Handwerk

Über eine eigene Website verfügen inzwischen fast alle der befragten Handwerkerinnen und Handwerker (97 Prozent). Immerhin 40 Prozent machen in den sozialen Medien auf sich aufmerksam (+10 Prozent), wobei kleine Betriebe mit weniger als 5 Mitarbeitenden für Facebook, Instagram, LinkedIn und Co. offenbar deutlich weniger Ressourcen aufbringen können (29 Prozent) als größere Betriebe ab 5 Mitarbeitenden (57 Prozent). Auftragsplattformen wie My Hammer werden von 22 Prozent der Betriebe genutzt (+8 Prozent).

Besonders stark hat in der Pandemie die Bedeutung von Videokonferenzen für die interne (+24 Prozent) und externe Kommunikation (+31 Prozent) gewonnen. Auch Messenger-Dienste wie WhatsApp gehören für viele Unternehmer heute schon zum Standard, um sich mit Kollegen (91 Prozent) oder Kunden und Dienstleistern (63 Prozent) auszutauschen.

Künstliche Intelligenz und Robotik noch kaum genutzt

Auf sehr niedrigem Niveau bewegt sich indes noch die Nutzung von anspruchsvollen Technologien wie Robotik (6 Prozent), Virtual/Augmented Reality (3 Prozent) oder Künstlicher Intelligenz (1 Prozent). Dabei zeigen sich die Betriebe auch selbstkritisch und geben sich auf einer Schulnoten-Skala für den Stand der eigenen Digitalisierung ein "befriedigend" (3,1).

Beliebter sind hingegen schon Cloud Services, die aktuell 45 Prozent der Handwerksunternehmen nutzen. Jedes Siebte (15 Prozent) hat Trackingsysteme im Einsatz, mit denen sich Maschinen und Betriebsmittel nachverfolgen lassen. Ebenso viele (14 Prozent) verwenden vorausschauende Wartung, bei der mit Sensoren und Datenanalyse drohende Ausfälle von Anlagen frühzeitig erkannt werden und 11 Prozent smarte Software, die zum Beispiel Arbeitszeiten automatisch nach Projektstatus einteilt.

3D-Technologie ist bei jedem zehnten Handwerksunternehmen im Einsatz (10 Prozent) und Drohnen bei 8 Prozent – die unbemannten kleinen Fluggeräte sind insbesondere für das Bauhauptgewerbe interessant. 7 Prozent vernetzen Geräte oder Anlagen über das Internet der Dinge, das so genannte Internet of Things (IoT).

Hohe Kosten und Sorgen um Datensicherheit bremsen Digitalisierung

Die größten Hürden beim Einsatz neuer Technologien sind nach Ansicht der Betriebe hohe Investitionskosten (71 Prozent), die Sorge um IT- Sicherheit (65 Prozent) sowie hohe Anforderungen an den Datenschutz (62 Prozent). Dahinter folgen eine unzureichende Internetversorgung (61 Prozent) und die Sorge um den Verlust von Datenhoheit (59 Prozent). Gleichwohl betonen 67 Prozent, das Thema IT-Sicherheit habe in ihrem Betrieb einen großen Stellenwert. Lediglich 15 Prozent sorgen sich vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor Hackerangriffen auf ihren Betrieb

Auch wenn 77 Prozent der Betriebe die Digitalisierung insgesamt als Chance betrachten, spüren sie auch eine zunehmende Belastung auf sich zukommen. So bejahen 97 Prozent der Befragten, dass Kunden sich durch die digitalen Kanäle eine schnellere Rückmeldung erwarten als früher. Auch sagen über 80 Prozent der Betriebe, dass immer mehr Kunden eine schnelle Lieferung erwarten und zugleich individuellere Angebote haben möchten.

Fachkräftemangel und Energiepreise belasten Betriebe stärker

Insgesamt sagen fast zwei Drittel der Handwerkerinnen und Handwerker (64 Prozent): Die Digitalisierung ist eine Herausforderung für unseren Betrieb. Damit liegt die Digitalisierung jedoch hinter anderen aktuellen Herausforderungen für die Branche, so etwa die hohen Energiepreise (68 Prozent), die Suche nach qualifizierten Fachkräften (77 Prozent) oder unterbrochene Lieferketten aufgrund der weltpolitischen Lage (77 Prozent).

Allerdings hat auch jeder dritte Handwerksbetrieb (37 Prozent) konkrete Probleme, die Digitalisierung insgesamt zu bewältigen. 81 Prozent halten viele digitale Anwendungen auf dem Markt für überdimensioniert für den eigenen Betrieb, die Hälfte (54 Prozent) kann sich viele Anwendungen nicht leisten. Die dafür vorhandenen Förderprogramme von Bund und Ländern schneiden in diesem Zusammenhang bei den Handwerksbetrieben in Deutschland eher schlecht ab:

"Wer digitalisieren will, muss loslegen. Jetzt gilt es, den Digitalisierungs-Boost durch die Corona-Pandemie fortzuführen und zu verstetigen. Unternehmen, die digital aufgestellt sind, sind nicht nur wettbewerbsfähiger, sie kommen auch besser durch die Krise", fasst Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp zusammen.