Viele Handwerksbetriebe kennen das Problem: Der Auftrag ist erledigt, doch das Geld vom Kunden lässt auf sich warten. Wie reagieren Unternehmer auf Kunden mit schlechter Zahlungsmoral? Das haben wir die DHZ-Community auf Facebook und Instagram gefragt. Die Antworten.

14 Prozent der Kundinnen und Kunden in Deutschland haben im Jahr 2022 Rechnungen zu spät oder gar nicht beglichen. Damit ist die Zahlungsmoral in Deutschland zwar die beste im europäischen Vergleich, zeigt eine repräsentative Studie von EOS, Investor in Forderungsportfolios. Das schließt aber nicht aus, dass Handwerkerinnen und Handwerker es nicht schon einmal mit säumigen Kunden zu tun hatten. Vor allem im B2B-Geschäft war die Zahlungsmoral im zweiten Halbjahr 2022 so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Eine Analyse von mehr als vier Millionen Rechnungsbelegen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeigt, dass sich das Zahlungsverhalten in Deutschland im zweiten Halbjahr 2022 spürbar verschlechtert hat. Kunden befanden sich demnach durchschnittlich rund elf Tage (2. Halbjahr 2021 rund zehn Tage) im Zahlungsverzug.
"Wie stellst Du sicher, dass Deine Kunden pünktlich zahlen? Und was machst Du, wenn das Zahlungsziel bereits überschritten ist?" Die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ) hat das ihre Follower auf Facebook und Instagram gefragt. Hier die Antworten:
So stellen Handwerker sicher, dass säumige Kunden zahlen
Die gute Nachricht: Die meisten Handwerker geben an, dass sie nur wenige Probleme mit säumigen Kunden haben. Die Instagram-Nutzerin iris_schallmo von der Unfallinstandsetzung & Lackierung Schallmo schreibt etwa: "Kunden, die ich nicht kenne, generell nur per Sofortzahlung bei Abholung. Andere dürfen überweisen. Hatte nur sehr selten Probleme."
Pucher Haustechnik aus Nabburg, Spezialist für Sanitärinstallationen, Heizungen, Solaranlagen, Wärmepumpen und Lüftungssysteme, setzt bei größeren Aufträgen auf Anzahlungen. Der Betrieb habe kaum Schwierigkeiten mit nicht-zahlenden Kunden: "Und wenn es wirklich mal nicht klappt und keine Einigung erfolgt, gibt's eben einen Mahnbescheid. Wir fackeln da nicht mehr lang, sind schließlich auch nicht die Bank unsere Kunden."
Vorkasse und Factoring
Auch Schreinermeister Sven Weber setzt auf Mahnungen als letzten Schritt: "Zum Glück keine Probleme damit. Sollte einer nach mehreren Aufforderungen nicht zahlen, wird ein Mahnverfahren eingeleitet." Für Elektromeister Tobistooltime ist Vorkasse das Mittel der Wahl, damit die Rechnung auch wirklich bezahlt wird. "Vorkasse, seither keine Probleme mehr", schreibt der Instagram-Nutzer. Ähnlich macht es der selbstständige Fliesenlegermeister Stefan Bohlken und berichtet ebenfalls über einen Erfolg: "Vorkasse, ein definierter Zahlungsplan und dann natürlich Qualität in allen Bereichen: Leistung, Kommunikation und Zuverlässigkeit. Wir hatten 2022 und 2023 keine Zahlungsausfälle."
Marc Schütt, Sachverständiger im Tischlerhandwerk, setzt neben Vorkasse noch auf eine andere Finanzierungsform: "Factoring oder Vorkasse mit Zahlungsplan, sodass 90 Prozent bei Lieferung eingenommen sind." Beim sogenannten Factoring verkaufen Unternehmen ihre Forderungen an professionelle Factoring-Dienstleister, die das Geld dann auf eigene Rechnung eintreiben. Auf diese Weise sind Handwerksbetriebe das Zahlungsrisiko los. Allerdings müssen Betriebe von vornherein Ausfälle einkalkulieren, da auch die Dienstleister an dem Service verdienen wollen.
Fest definierte Zahlungsziele, anschließend Mahnung
Viele der Handwerker, die auf unsere Frage geantwortet haben, erklären, dass sie zunächst Zahlungsziele setzen. Werden diese überschritten, werden meist Mahnungen herausgeschickt. "Mahnung nach gesetzlichen Zahlungsfristen und wenn das nicht reicht, Einleitung des Mahnverfahrens per Gericht. Gerichte reagieren auf nicht gezahlte Handwerksrechnung in Hamburg sehr schnell und konsequent. Aufträge über 1.000 Euro sind mit 50 Prozent anzuzahlen, ohne Ausnahmen", antwortet auf Facebook Thomas Vörckel von der Heizungstechnik Vörckel.
Nutzer Vctr Pwlwski schreibt: "Zahlungsziel ausschließlich fünf Tage. Kein Skonto, denn das muss auch erstmal wieder reingeholt werden. Nach sieben bis zehn Tagen Zahlungserinnerung bzw. je nach Kontakt persönlich kurz darüber sprechen. Wenn dann weiterhin nicht gezahlt wird oder Absprachen nicht eingehalten werden, dann ab ans Gericht damit, bis ein Titel vorliegt und dann Gerichtsvollzieher hinschicken." Facebook-Nutzer Alexander Erdl kommentiert: "Einmal nett 'nachfragen' mit zweiwöchiger Nachfrist. Wird nicht gezahlt, einmal offensiv 'nachfragen' mit einwöchiger weiterer Frist. Dann gerichtlichen Mahnbescheid beantragen. Klappt gut, habe kaum Ausfälle."
Manchmal aber kann man den Gang vor Gericht nicht vermeiden. Fliesenlegermeister Ralf Gehrig schreibt auf Facebook: "Hatte in meiner jahrzehntelangen Berufserfahrung immer Glück". Dreimal sei es allerdings vor das Amtsgericht gegangen – jedoch mit gutem Ausgang. "Alle drei Prozesse gewonnen. Die Kundschaft musste innerhalb von zehn Tagen das Geld an mich überweisen. Hat dann auch geklappt", so Gehrig.
Kunden reklamieren lieber
Das Institut Perspektive Handwerk ist Bildungsträger und Berater für Handwerksbetriebe und Industrie. Ihr Rat bei säumigen Kunden: "Aus unserer Sicht und Erfahrung sollten bei größeren Baustellen rechtzeitig die Abschlagszahlungen geschrieben werden, damit bei Nicht-Zahlung die Baustelle eingestellt werden kann", schreiben sie auf Facebook.
Auch die Handwerker-Kooperation kmb2, die laut eigener Aussage auch als Abrechnungszentrum zwischen Handwerkern und Kunden dient, hat einen etwas umfassenderen Blick auf das Thema. Ihrer Erfahrung nach schieben viele Kunden eine Reklamation vor. "Es ist ja oft so, dass nicht einfach die Zahlung verweigert wird, sondern die Kunden eine Reklamation behaupten. Andere Inkasso-Probleme haben wir eher selten, aber wir arbeiten auch mit einer Auskunftei, sodass wir den einen oder anderen Kunden vorher schon aussondern. Ferner nehmen wir Geld für Angebote, welches erstattet wird, wenn der Kunde den Auftrag erteilt. So haben wir aber eine vom Kunden bereits bezahlte Rechnung, und das wiederum ist eine wichtige Sache im Zusammenhang mit der Forderungsausfallversicherung. Das ist eine relativ komfortable Regelung für alle Beteiligten, die allerdings ein bisschen was kostet."
Menschlich bleiben und herausfinden, was dahintersteckt
Steinmetzmeister Fabian Felix empfiehlt, bei säumigen Kunden ruhig zu bleiben und zunächst herauszufinden, warum nicht gezahlt wurde: "Wurde immer bezahlt und meist kann man mit den Leuten reden, wenn bei der Bezahlung was dazwischen gekommen ist. Immer Mensch bleiben und herausfinden, was der Hintergrund ist. Dann ist das meistens leichter als zu streiten." Genauso macht es Christian Haas, Chef einer Bauflaschnerei: "Wenn es mal überschritten wird, auf jeden Fall erstmal locker bleiben und freundlich nachfragen."
Auch der Facebook-Nutzer Handwerk Kaiser fragt zunächst freundlich bei seinen Kunden nach: "Ich bin zu 99 Prozent mit meiner Kundschaft (Privatbereich) fein, habe/hatte immer ein gutes Verhältnis. Ich frage halt, ob die Rechnung eingegangen ist und ob es Schwierigkeiten gibt. Da es sehr selten vorkommt, sind es meist banale Gründe: kurzfristig etwas passiert in der Familie (Sterbefall, Geburt), in den Urlaub gefahren, einfach im Alltag untergegangen. Wenn ich merke, dass herumgedruckst wird, dann schicke ich nach zwei bis drei Tagen die erste Mahnung." Fruchtet auch das nicht, gehe er nach zwei Wochen den Amtsweg. Spätestens dann sei die "Freundlichkeits-Grenze" nämlich überschritten. "Aber – toi toi toi – war bis jetzt NUR einmal der Fall, da für vorherige Projekte die Kosten immens gestiegen sind und es eine totale Fehlkalkulation vom Bauherren war."
Bernhard Schilling vom Meisterbetrieb Schilling macht es ganz anders – er setzt auf das gute, alte Bargeld, um sicherzugehen, dass er auch bezahlt wird. "Ich arbeite nur gegen Cash. Hier mein Geld, da dein Auto."
Anm. d. Red.: Einige Kommentare wurden von der Redaktion in Rechtschreibung und Grammatik leicht angepasst, ohne den Sinn zu verändern.
Das können Sie tun, wenn der Kunde nicht zahlt
Säumige Kunden sind für Betriebe nicht nur ein Ärgernis – sie bedeuten auch eine akute Gefahr für die Liquidität. Ein vorausschauendes Handeln kann Betrieben dabei helfen, diese Hürde zu umschiffen. Dazu gehört auch ein professionelles Forderungsmanagement. Wie das aussehen kann, erfahren Interessierte hier:
>>> Lesetipp: Das können Sie tun, wenn der Kunde nicht zahlt
