Meisterstücke Kürschnerei Hofstetter: Die Natur produziert mehr, als genutzt wird

Hofstetter Pelz und Design ist der letzte Großhändler für Rohfelle in Deutschland und damit Lieferant von Echtpelz sowohl für die eigene Werkstatt als auch für andere Kürschner. Immer wieder muss das Familienunternehmen jedoch für den Beruf und die Produkte kämpfen.

Hofstetter Pelz und Design sind Tochter Christina, Vater Leonhard, Mutter Eva-Maria und Tochter Anna Hofstetter (von links). Gemeinsam betreiben sie im oberpfälzischen Rötz den einzigen Großhandel für Rohfelle in Deutschland. - © Alex Dietrich

Seit November läuft die Hochsaison bei Hofstetter Pelz und Design im oberpfälzischen Rötz. Nahe der tschechischen Grenze treffen nun täglich dutzende Pakete ein. "Während der Jagdsaison kommt bei uns massig Wildware herein", sagt Leonhard Hofstetter. "Das geht bis in den Mai, dann sind unsere Lager voll bis unters Dach."

Hofstetter Pelz und Design ist nicht nur eine Kürschnerei, der Familienbetrieb kauft und handelt auch Rohfelle. "Der gesamte Markt konzen­triert sich hier auf uns in Rötz", sagt der Kürschnermeister. "Wir sind die Einzigen, die noch übrig sind und diesen Job machen."

Denn im Gegensatz zu Leder ist Echtpelz umstritten. Viele lehnen ihn ab. "In Deutschland haben wir praktisch keinen Pelzmarkt mehr." Mit sinkender Nachfrage nahm die Zahl der Kürschnerbetriebe ab, hinzu kommen die wirtschaftliche Entwicklung und mangelnder Nachwuchs, für den es nur noch in Fürth eine Berufsschule gibt.

Und wer mit Pelz handelt, muss selbst ein dickes Fell haben. Die Handwerksfamilie ist oft gezwungen, ihre Arbeit zu rechtfertigen, zu erklären und auch aufzuklären. "Das ist unser ewiger Kampf", sagt Christina Hofstetter, Tochter und Nachfolgerin. Sie hofft, "dass die Menschen zu Ende denken, denn etwas Nachhaltigeres als unser Handwerk gibt es nicht".

Fokus auf deutsche Wildware

Hofstetter Pelz und Design verarbeitet Wildware aus der Jagd und Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie. "Wir haben uns auf deutsche Wildware konzentriert, das war unsere Überlebensstrategie", sagt Leonhard Hofstetter. Das bedeutet, der Großhändler kauft entweder die Bälge von Jägern an oder fungiert als Dienstleister, indem er die Felle gerben lässt und auf Wunsch in der Kürschnerei daraus beispielsweise eine Mütze oder eine Decke fertigt.

Auch Pelz aus kontrollierter Zucht innerhalb der EU wird gehandelt, "aus Skandinavien, wo die Tierschutzgesetze strenger sind als in Deutschland". Hofstetter Pelz und Design durchläuft derzeit das Zertifizierungsverfahren für "Furmark". "Das Siegel gilt für gezüchtete Ware. Diese Felle können vom Endkunden bis zum Züchter zurückverfolgt werden", erläutert Christina Hofstetter. Ebenso besitzt das Unternehmen die Öko-Lizenz "WePreFur", die der Zentralverband des Kürschnerhandwerks vor knapp zehn Jahren ins Leben gerufen hat. "Wir verarbeiten diese Felle selbst und sind gleichzeitig auch der Hauptlieferant für andere Kürschnereien", sagt Leonhard Hofstetter.

© Alex Dietrich

"WePreFur" steht für Felle aus der Wildhege. Das schließt die gesetzlich angeordnete Bekämpfung invasiver Arten wie Nutria, Bisam, Waschbär und Marderhund ein. Nach Angaben des Zentralverbands würden jedoch nur zehn Prozent der anfallenden Felle verarbeitet werden. Für Leonhard Hofstetter nicht nachvollziehbar: "Jedes Jahr produziert die Natur mehr, als wir nutzen können. Warum wollen wir dann Kunstmaterial einsetzen?" Über die Bezeichnung "vegane Daunen" kann er nur den Kopf schütteln. "Das sind Polyesterflocken, das ist Mikroplastik", sagt der 73-Jährige. Natürliche Materialien hingegen sind biologisch abbaubar. "Wenn Sie ein Fell vergraben, finden Sie in einem Jahr nichts mehr davon."

Immer weniger Kürschner

Warum aber trotzdem nur noch wenige in Deutschland den Beruf des Kürschners lernen wollen, liegt nach Meinung von Leonhard Hofstetter an "unseriösen Kampagnen von sogenannten Tierschutzorganisationen". Sie hätten ein schlechtes Licht auf den Beruf und die Ausbildung geworfen. Dabei habe Hofstetter als Ausbildungsbetrieb mit mehreren Bundessiegern beim Praktischen Leistungswettbewerb im Handwerk (heute Deutsche Meisterschaft im Handwerk) – darunter Anna Hofstetter – die Qualität der Ausbildung unter Beweis gestellt. Zum 16-köpfigen Team gehören heute zwei Kürschnermeister. Und auch Christina Hofstetter hat nach ihrem BWL-Studium ihre Ausbildung zur Kürschnerin im elterlichen Betrieb absolviert.

© Alex Dietrich

Marderfelle sind mit 5.000 bis 7.000 Stück pro Saison in der Mehrzahl. Dennoch fallen die Bälge im riesigen Lager kaum auf. Viel mehr ins Auge fallen Rotfuchs, Marderhund, Dachs und Waschbär. Gegerbt wird bei Hofstetter nicht, dafür werden die Felle an externe Dienstleister – meist im Ausland – gegeben. Kommt das nun gegerbte Fell zu Hofstetter zurück, beginnt die Arbeit der Kürschner. Im Fell-Lager wird aussortiert und nach Eignung und Bedarf eingeteilt.

Maschinelles Luftgallonieren

Die Kunst des Kürschners besteht nun darin, die Felle so zusammenzustellen, dass daraus beispielsweise ein Mantel oder eine Decke entstehen kann, auch Maßanfertigungen sind möglich. Darüber hinaus werden Westen, Innenfutter, Accessoires und Kopfbedeckungen in der Werkstatt angefertigt und im Laden sowie über den Online-Shop verkauft. Für seine Kreationen erhielt das Unternehmen bereits mehrere nationale und internationale Auszeichnungen.

Im Jahr 2021 wurde Hofstetter Pelz und Design auch als "Top Innovator" ausgezeichnet. Unter anderem dafür, dass das Handwerksunternehmen in eine Maschine investierte, die ein altes Verfahren neu belebte. Luftgallonieren ist eine Schnitttechnik, bei der das Fell auf der Lederseite gitterartig eingeschnitten wird. "Dann ziehen wir es ein bisschen auf wie eine Ziehharmonika und fixieren es", sagt Christina Hofstetter. Die Fellfläche vergrößert sich so um knapp ein Drittel. "Wir bieten das Luftgallonieren als Serviceleistung für andere Kürschner an", sagt die 41-Jährige, denn für diese lohne sich die Investition nicht. Und die Technik per Hand anzuwenden, sei enorm aufwendig.

Übergabe an dritte Generation

Nach wirtschaftlich herausfordernden Zeiten durch die Pandemie und den Verlust des starken russischen Marktes blickt die Familie wieder zuversichtlich in die Zukunft. "Ich hoffe, dass im nächsten Jahr meine Tochter Christina die Geschäftsführung übernimmt", sagt Leonhard Hofstetter, der sich aus der Geschäftsleitung zurückziehen, aber weiter im Betrieb mitarbeiten will. Bereits vor sechs Jahren haben sie die Übergabe an die dritte Generation eingeleitet – damals noch an beide Töchter. Anna Hofstetter hat sich mittlerweile für ein zweites Studium entschieden, bleibt dem Familienunternehmen als Kürschnermeisterin in Teilzeit aber erhalten. Nun "liegt die Zukunft in Christinas Händen", sagt der Vater. Deren Wunsch für die Zukunft ist, "dass das Material Echtpelz in der Gesellschaft wieder mehr akzeptiert wird".