Checkliste Kündigung: Was jetzt zu tun ist

Als plötzlicher Rauswurf oder lange angekündigt: Wer eine Firma unfreiwillig verlassen muss, hat trotz Kündigung erst einmal viel zu tun. Fristen müssen eingehalten, Ämtergänge erledigt und ein neuer Arbeitsplatz gefunden werden. Die ersten Schritte nach der Kündigung.

Checkliste: Wer seinen Job verliert, hat erst einmal viel zu tun. - © sepy/Fotolia.com

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt mit voller Wucht getroffen. Millionen von Arbeitnehmern sind in Kurzarbeit, andere haben ihren Job bereits verloren: Im Juli stieg die Arbeitslosenquote in Deutschland auf 6,3 Prozent, die Zahl der als arbeitslos gemeldeten Personen stieg im Vorjahresvergleich um 635.000 an. Und weitere Stellenstreichungen werden folgen, davon sind die Experten überzeugt.

Wer seinen Job verliert, hat kaum Zeit für langen Ärger oder gar eine Auszeit. Einiges muss erledigt werden, damit kein Stress mit Behörden droht und der Suche nach einem möglichen neuen Arbeitsplatz  nichts im Weg steht. Eine Checkliste zeigt, was jetzt zu tun ist .

  • Arbeitssuchend und arbeitslos melden: Der erste Gang nach dem Erhalt des Kündigungsschreibens sollte zur Arbeitsagentur führen. Ein Arbeitnehmer muss sich drei Monate vor Beginn der Arbeitslosigkeit arbeitssuchend melden. Sonst drohen Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld. Spätestens am ersten Tag ohne Beschäftigung müssen Betroffene sich zusätzlich arbeitslos melden. Hierbei ist es sinnvoll, sich das von der Arbeitsagentur bestätigen zu lassen, um im Zweifelsfall den darüber Nachweis erbringen zu können.
  • Prüfen, ob sich eine Kündigungsschutzklage lohnt: Wer die Entlassung vor Gericht anfechten will, muss das schnell tun: Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung eingereicht werden. Experten raten dazu, in jedem Fall die Klage in jedem Fall erstmal einzureichen – denn wenn die Drei-Wochen-Frist verstrichen ist, verfällt die Möglichkeit, sich vor Gericht gegen die Kündigung zu wehren oder für bessere Konditionen zu streiten. Und zurückziehen kann man die Klage immer noch, wenn die sorgfältige Prüfung aller Umstände rund um die Kündigung ergeben sollte, dass alles korrekt abgelaufen ist oder eine einvernehmliche Lösung mittels Aufhebungsvertrag oder einer Abfindungszahlung gefunden wird. Ob sich ein Prozess letztendlich lohnt, sollte man mithilfe einer qualifizierten Rechtsberatung ausloten. Dabei sollte man bedenken, dass vor dem Arbeitsgericht jede Partei ihre Kosten selbst tragen muss.
  • Einen Aufhebungsvertrag ins Spiel bringen: Möglicherweise besteht auch Interesse an einer einvernehmlichen Regelung: Die Vorteile eines Aufhebungsvertrags liegen in der schnellen Regelung von Differenzen. Um Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld zu vermeiden, sollten Betroffene den Aufhebungsvertrag jedoch sorgfältig prüfen. Und vor der Unterzeichnung sollte man unbedingt rechtliche Beratung einzuholen – entweder von einem Rechtsanwalt oder auch von der Rechtsberatung einer Gewerkschaft. Denn es kommt auf die Details an. So sollte etwa im Vertrag stehen, dass er geschlossen wurde, um eine Kündigung durch den Arbeitgeber zu vermeiden, und dass Kündigungsfristen beachtet wurden.
  • Abfindung aushandeln: Einen Rechtsanspruch auf Abfindung gibt es nicht. Meist einigen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber darauf, um juristischen Streit über die Kündigung zu vermeiden. Dabei sollten Erwerbstätige auf unliebsame Folgen achten: Es besteht die große Gefahr, bei der Agentur für Arbeit eine Sperrzeit zu bekommen. Abstriche drohen etwa, wenn die Abfindung ein halbes Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit überschreitet. Und mitunter bleibt von der Abfindung wenig übrig. Denn auch das Finanzamt hält tüchtig die Hand auf – die Zahlungen müssen voll mit dem Einkommen versteuert werden, Freibeträge gibt es nicht. Hier kann es sich auszahlen, vorab Kontakt zu einem Steuerberater aufzunehmen, um eine möglichst steuersparende Regelung zu finden.
  • Das Arbeitsverhältnis ohne Gesichtsverlust beenden: Wenn man sich im Guten trennt, kann sich das auch auf das Arbeitszeugnis auswirken. Das fällt möglicherweise freundlicher aus, als wenn Beschäftigte im Streit gehen. Zu einer geordneten Übergabe gehört auch, sich nicht unbedingt in den letzten Tagen vor Ende des Beschäftigungsverhältnisses krankschreiben zu lassen – nur in Extremfällen, zum Beispiel bei Mobbing. Mitunter bieten Unternehmen aber an, den betroffenen Mitarbeiter bis zu seinem Ausscheiden freizustellen – auch um Unruhe in der Belegschaft zu vermeiden.
  • Resturlaub nehmen: Hat der gekündigte Mitarbeiter noch Urlaubstage übrig, kann er diese vor seinem Ausscheiden abfeiern. Wird die Kündigung zum nächsten Monatsersten wirksam und es sind noch fünf Urlaubstage übrig, kann der Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz entsprechend eine Woche früher räumen. Alternativ muss der Arbeitgeber seinem Angestellten die nicht genommenen Urlaubstage vergüten.
  • Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis einfordern: Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein qualifiziertes und berufsförderndes Arbeitszeugnis. Das bedeutet, dass das Zeugnis neben Dauer und Art der Tätigkeit auch eine wohlwollende Bewertung der erbrachten Leistungen beinhalten muss. Das qualifizierte Zeugnis wird mit Ende der Kündigungsfrist fällig: Der Arbeitgeber muss es am letzten regulären Arbeitstag des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz bereithalten. Zuschicken muss der Chef das Zeugnis seinem scheidenden Mitarbeiter aber nicht – Juristen sprechen hier von der "Holschuld des Arbeitnehmers". Ausnahmen: Der Arbeitnehmer hat Hausverbot, ist länger krank – oder hat zuvor schon erfolglos versucht, sein Zeugnis abzuholen. Versäumt es der Arbeitnehmer, rechtzeitig nach einem Arbeitszeugnis zu verlangen oder das Zeugnis abzuholen, kann er sein Recht darauf verwirken. Manche Arbeits- und Tarifverträge enthalten nämlich Klauseln, wonach Ansprüche aus dem Anstellungsverhältnis innerhalb eines Monats nach Fälligkeit schriftlich geltend gemacht werden müssen. Ansonsten gilt die gesetzliche Frist von drei Jahren. Wichtig zu wissen: Das Zeugnis ist auch einklagbar.
  • Bewerbungsunterlagen aktualisieren: Bevor man sich bewirbt, muss man sich erst einmal startklar machen. Das bedeutet vor allem, die Bewerbungsunterlagen auf den aktuellen Stand zu bringen. Das Anschreiben sollte aktualisiert werden, genauso wie der Lebenslauf. Das neue Arbeitszeugnis gehört ebenso in die Bewerbungsmappe. Und in jedem Fall sollte man Zeit und Geld in neue Bewerbungsfotos investieren.
  • Sich über berufliche Ziele klar werden: In den ersten Monaten der Arbeitslosigkeit sollte alle Energie in die Jobsuche gesteckt werden. Von kreativen Pausen oder langen Reisen raten Experten ab, da man durch ein monatelanges Aussteigen aus dem Job, seine Kontakte verliert. Arbeitnehmer könnten die Kündigung aber sehr wohl zur Neuorientierung nutzen und sich fragen, ob sie wieder im selben Beruf arbeiten wollen oder ob eine Weiterqualifizierung sinnvoll wäre. In vielen Berufen ist eine Fortbildung auch mit Blick auf die Digitalisierung sinnvoll, um bei potenziellen neuen Arbeitgebern direkt mit neu erworbenen Fähigkeiten punkten zu können. czy/dhz

Wenn der Streit vor Gericht endet

Streitigkeiten zwischen Chefs und ihren Angestellten hat es wohl schon immer gegeben. Dafür eine eigene Gerichtsbarkeit zu schaffen, ist eine Idee aus der Zeit der mittelalterlichen Zünfte, die im 19. Jahrhundert von Napoleon aufgegriffen wurde: Französische Seidenfabrikanten, die sich über Betrügereien ihrer Arbeiter ärgerten, hatten 1805 den Wunsch nach einem Gewerbegericht an Napoleon herangetragen. Dieser rief daraufhin in Lyon den " Rat der Gewerbesachverständigen" ins Leben – ein allein von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragenes Gericht. Der Grundgedanke: Nur Unternehmer und ihre Mitarbeiter hätten das nötige Wissen, um Streitfälle im gewerblichen Bereich zu lösen. Das prägt die Arbeitsgerichtsbarkeit bis heute: Neben einem Berufsrichter gehören der jeweiligen Kammer zwei ehrenamtliche Richter an – je ein Vertreter der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite.

Rund 120 Arbeitsgerichte der ersten Instanz gibt es heute in Deutschland, sie verhandeln jedes Jahr zwischen 400.000 und 500.000 Klagen. Wie viele genau, ist konjunkturabhängig: Je besser die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist, desto weniger haben die Arbeitsrichter zu tun. Denn in rund der Hälfte der Klagen geht es um Kündigungen. Etwa 90 Prozent aller Klagen enden mit einem Vergleich. Von den restlichen zehn Prozent, die das Gericht durch Urteil oder Beschluss entscheidet, geht wiederum die Hälfte in Berufung zum zuständigen Landesarbeitsgericht. Dieses kann den Gang zum Bundesarbeitsgericht zulassen – dort landen jährlich rund 2000 Klagen. czy

Sie nutzen ein kostenloses Angebot der Deutschen Handwerks Zeitung. Die hier bereitgestellten Informationen wurden mit größter Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt. Sie ersetzen jedoch keine fachliche Beratung. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei auch um Informationen aus unserem Archiv handeln kann, die sich im Laufe der Zeit überholt haben. Die Aktualität eines Artikels wird auf unserer Internetseite stets über der Überschrift angezeigt.

Individuelle Fragen kann und wird die Redaktion nicht beantworten.