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Was von Bitcoins & Co. als Geldanlage zu halten ist Kryptowährung: Hype oder Horror?

Die Investition in Bitcoins als Geldanlage wird derzeit heiß diskutiert. Doch private Investoren sollten auf der Hut sein.

Die Antwort von Thomas Neumann ist eindeutig. Gefragt, ob Privatleute derzeit in Bitcoins investieren sollten, antwortet der Geschäftsführer der Münchner Vermögensberatung bestadvice eindeutig mit "Nein!". "Warum nicht?", fragt dagegen Philipp Sandner. Für Sandner, der das Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management leitet, ist hier eine Entwicklung im Gange, die sich nicht aufhalten lässt und an der es sich lohnt teilzuhaben.

Zwei Experten, zwei Meinungen, die zugleich die derzeitige Zerrissenheit einer ganzen Branche widerspiegeln. Die einen sehen in den neuen Digitalwährungen die Zukunft, die anderen hochgefährliche Spekulationen, eine Blase am Finanzmarkt, die in nicht allzu ferner Zukunft platzen und viele Menschen um ihr Geld bringen wird.

Die wenigsten verstehen, ­worum es geht

Widersprüche und Unsicherheiten, die es privaten Anlegern nicht einfach machen, in Sachen Investment eine Entscheidung zu treffen. Und die noch dadurch verstärkt werden, dass die wenigsten Menschen überhaupt verstehen, worum es genau geht und wie Bitcoins funktionieren. Denn im Unterschied zu herkömmlichen Währungen gibt es hier weder Münzen noch Scheine. Bitcoins existieren nur digital, sind letztlich nichts anderes als Zahlencodes.

Wobei das erste Missverständnis oft schon beim Namen beginnt. Der Begriff Bitcoins wird nicht selten als Synonym für Digitalwährungen insgesamt verwendet. Tatsächlich jedoch ist der Bitcoin nur eine Kryptowährung von vielen. Experten schätzen, dass es mittlerweile rund 14.000 unterschiedliche digitale Währungen gibt. Sie heißen Litecoin, Ripple, ­DokeCoin oder Ethereum und gelten unter Insidern oft sogar als noch vielversprechender als der Bitcoin.

Insbesondere Ethereum wird unter Experten derzeit hoch gelobt. Der Grund: Ethereum ist derzeit noch deutlich günstiger zu haben als Bitcoins, verzeichnete in den letzten Monaten auch deutlich mehr Gewinn – und basiert auf einer noch ausgefeilteren Technik.

Und genau darum geht’s: Grundlage von Bitcoin, Ethereum und anderen Digitalwährungen ist die sogenannte Blockchain-Technik, letztlich ein webbasiertes, dezentralisiertes, öffentliches Buchhaltungssystem. Entstanden ist diese Technik tatsächlich für den Bitcoin, inzwischen aber wurde sie vielfach weiterentwickelt und gilt auch zukunftsweisend für andere Industriezweige.

Unabhängig von der bisherigen Finanzwelt

Für Besitzer von Digitalwährungen hat sie vor allem den Vorteil, dass sie damit vollkommen unabhängig von der bisherigen Finanzwelt werden. Sprich: Kyptowährungen werden nicht von einzelnen Staaten noch von Banken kontrolliert, sondern regeln sich alleine durch Angebot und Nachfrage.

Für Finanzprofi Sandner ist es denn auch eben diese Technik, wegen der es sich auch für Privatanleger lohnt, sich mit dem Thema zu befassen. "Eine völlig neue Technologie mit großem Potenzial, die auch weiterhin Impulse setzen wird." Eine Einschätzung, der auch Vermögensberater Neumann grundsätzlich nicht widerspricht. "Das wird kommen", ist auch er sich sicher.

Allerdings erst in fünf bis zehn Jahren. Die derzeitigen Kryptowährungen sieht der Vermögensberater eher als Versuch. Sie seien ein deutliches "und auch berechtigtes" Misstrauensvotum gegen das bestehende Finanzsystem. Doch noch, so der Experte weiter, sei die Technik nicht wirklich ausgereift, so benötigt sie derzeit beispielsweise noch Unmengen an Energie, was auch von Umweltschützern massiv kritisiert wird. Zudem sei der Markt derzeit überschwemmt mit unseriösen Angeboten. Und mit zunehmenden Betrügereien würden schnell auch die staatlichen Eingriffe zunehmen – und den Kurs weiter nach unten drücken.

Wie massiv derzeit Betrüger am Werk sind, zeigten Anfang Februar gleich mehrere Ereignisse: Die US-Börsenaufsicht entlarvte einen großen Betrugsfall, in Berlin wurde eine Plattform geschlossen. Und sogar ­Facebook reagierte und verbannte fast alle Werbung für digitale Währungen von seinen Seiten. Trotzdem geht die Betrugsflut weiter.

"Finanztip" warnt davor, sich verführen zu lassen

"Immer mehr Firmen rufen per Mail oder über die sozialen Medien zu verheißungsvollen Investitionen auf", kritisiert auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Webseite "Finanztip", in seinem aktuellen Vorwort. Das Finanzportal befasst sich seit Monaten mit dem Thema, fragte die Leser nach ihren Erfahrungen – und warnt ebenso deutlich wie Neumann davor, sich verführen zu lassen.

Vorsicht ist angebracht. Das sieht auch Bitcoin-Fan Sandner so. Grundsätzlich, betont er, gelte dies aber für alle Anlegeformen. "Investieren sollte man immer nur in Produkte, die man versteht." Einsteigern rät er, auch mit Digitalwährungen klein anzufangen. "Zehn Euro einsetzen und dann: Learning by Doing."

Rund um den Bitcoin

Seit wann gibt es Bitcoins?
Seit 2009. Als Erfinder gilt „Satoshi Nakatomo“, wobei niemand weiß, wer das eigentlich ist. Man ist sich nicht einmal sicher, ob es sich um eine Person oder eine Gruppe handelt.

Wie entwickelte sich der Wert?
Die ersten Bitcoins kosteten 20 Cent. Dann stieg der Wert rasant, allein 2017 von 1.000 auf 20.000 Dollar, wie im Dezember notiert. Anfang 2018 musste er dann wie viele Kryptowährungen drastische Kurzstürze hinnehmen. Inzwischen hat er wieder mehr als die Hälfte an Wert verloren.

Wie bekomme ich Bitcoins?
Es gibt zwei Möglichkeiten. Die erste: Ich kann sie kaufen. Hierzu kann ich mich verschiedener Online-Marktplätze bedienen. Anleger müssen sich anmelden und ihre Kontodaten hinterlegen. Es ist auch möglich, nur Bruchteile von Bitcoins zu erwerben. Die zweite Möglichkeit nennt sich "mining", also auf Deutsch "schürfen". Dabei werden alle Transaktionen dieser Währung im Blockchain archiviert.

Wo verwahre ich meine Bitcoins?
Digitale Währungen werden in sogenannten Wallets verwaltet. Das sind virtuelle Brieftaschen, also Softwareprogramme, mit denen Bitcoins versandt und empfangen werden können.

Wie wandle ich Bitcoins in echtes Geld um?
Der Verkauf geht über dieselben Börsen, wo Bitcoins erworben werden. Theoretisch kann man mit Bitcoins auch bezahlen, wovon jedoch abgeraten wird. Im Übrigen gibt es nur wenige Läden, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren.

Ist die Währung begrenzt?
Mitte Januar waren laut Stiftung Warentest knapp 16,8 Millionen Bitcoins im Umlauf, mehr als 21 Millionen sollen es nicht werden. Dieser Umstand spricht nach Meinung von Fans dafür, dass der Wert auch weiterhin steigen wird.

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