Die anhaltende Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone trübt die Stimmung im deutschen Mittelstand weiter ein. Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen sank zum sechsten Mal in Folge, wie das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt. Noch stützt jedoch der private Konsum die Konjunktur.
Die Krisenangst erfasst zunehmend laut dem KfW-ifo-Mittelstandsbarometer auch die deutsche Binnenwirtschaft, wie ein Blick auf die Entwicklung der einzelnen Branchen signalisiert. So verzeichnete der lange überaus positiv gestimmte Einzelhandel im August die stärkste Klimaeintrübung aller Branchen.
Im August gingen beide Komponenten des mittelständischen Geschäftsklimas zurück. Die Urteile zur Geschäftslage verschlechterten sich und erreichten damit ein Zweijahrestief. Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sanken ebenfalls. Niedriger notierte der Erwartungsindikator zuletzt vor gut drei Jahren – im Juli des schweren Rezessionsjahres 2009.
Das Vertrauen in die Zukunft schwindet und Unternehmer erwarten, dass die Geschäftsdynamik nachlässt. Vor allem beim Einzelhandel haben sich die subjektiven Erwartungen stark eingetrübt. Richtig nachvollziehbar ist dies laut den Experten des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers jedoch nicht. Vielmehr sei dies eine diffuse Krisenangst, die nun auch in der Binnenwirtschaft um sich greife.
Im Juli hatten sich die Umsätze im Einzelhandel überraschend stark eingetrübt. Von Januar bis Juli setzte der Einzelhandel hierzulande real 0,6 Prozent jedoch mehr um als in den ersten sieben Monaten des Vorjahres.
KfW erwartet weiter Quartalszuwächse
Damit bauen sich aber am Konjunkturhorizont erhebliche Abwärtsrisiken auf. In ihrer aktuellen Konjunkturprognose setzt die KfW darauf, dass der private Konsum die Wirtschaftsentwicklung zumindest soweit stabilisieren kann, dass auch im zweiten Halbjahr 2012 moderat positive Quartalszuwächse beim BIP und damit ein kalenderbereinigtes Realwachstum von ein Prozent im Gesamtjahr erreichbar sind.
Dies ist weiterhin das Hauptszenario der KfW. Denn angesichts des relativ schwankungsanfälligen Antwortverhaltens im Einzelhandel könnte es sich bei dem heftigen Einbruch um einen Ausreißer handeln, der bald korrigiert wird. Würde sich in den kommenden Monaten aber ein Abwärtstrend bei wichtigen Konsumindikatoren erhärten, dürfte die deutsche Konjunktur stärker abkühlen als erwartet. rh