Experten erwarten im nächsten Jahr mehr Unternehmensinsolvenzen. Vor allem für Branchen, die trotz einer guten konjunkturellen Lage keine Rücklagen bilden konnten – wie beispielsweise die Autozulieferer – könnte es finanziell enger werden. Zugleich überschulden sich immer mehr Privathaushalte. Wie Sie sich als Unternehmer vor schlechten Zeiten rüsten können, haben wir für Sie zusammengestellt.
In diesem Jahr sind die Anzahl der Firmenpleiten zwar zurückgegangen. Für Insolvenzexperten ist das aber kein Grund zur Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung. Im Gegenteil: Die derzeitige Konjunkturlage dürfte erst der Anfang vom Ende vieler Firmen sein.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young unter 126 Restrukturierungsberatern, Bankmanagern, Insolvenzverwaltern und Investoren. Demnach ist davon auszugehen, dass in den kommenden zwölf Monaten "das wirtschaftliche Umfeld, in dem sich die Unternehmen behaupten müssen, schwieriger werden" dürfte.
Mit 77 Prozent erwartet demnach eine überwältigende Mehrheit der von Ernst & Young Befragten, dass die Zahl der Sanierungsfälle in den kommenden zwölf Monaten leicht zunehmen wird. Zehn Prozent rechnen sogar mit einer starken Zunahme. Damit sind sie wesentlich pessimistischer als noch im Vorjahr.
Automobilzulieferer besonders gefährdet
"Bislang waren die Folgen der Eurokrise und die Abkühlung der Konjunktur in Asien in Deutschland noch kaum spürbar, deshalb schien die Krise vielen Unternehmen weit weg", erklärte Ernst & Young- Restrukturierungsexperte Bernd Richter.
Zwar gehe es vielen deutschen Unternehmen noch immer besser als ihren europäischen Wettbewerbern. Doch es sei "klar", dass "sich die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen früher oder später auch in den Auftragsbüchern der hiesigen Unternehmen bemerkbar machen werden".
"In besonders wettbewerbsintensiven Branchen wie der Automobilindustrie hatten zum Beispiel die Zulieferer kaum eine Chance, im Aufschwung finanzielle Rücklagen zu bilden. Dafür ist der Preisdruck viel zu hoch", sagte Richter.
Die befragten Insolvenzexperten vermuten in der Automobilbranche deshalb auch besonders viele Pleitekandidaten. 25 Prozent gehen davon aus, dass Automobilzulieferer in den kommenden zwölf Monaten besonders häufig in eine finanzielle Schieflage geraten werden.
Viele Privathaushalte sind bereits in einer finanziellen Schieflage: Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist 2012 nach einem leichten Rückgang im Vorjahr wieder merklich angestiegen.
Private Haushalte verschulden sich immer mehr
Aktuell sind 6,6 Millionen Bürger überschuldet, im Vorjahr waren es 6,4 Millionen. Das sind die Ergebnisse des SchuldnerAtlas Deutschland 2012 von der Creditreform.
Der SchuldnerAtlas zeigt eine bedenkliche Entwicklung: Die Überschuldung ist weniger armutsgetrieben als durch Konsum verursacht. Dabei werden die Schuldner immer jünger und immer mehr Frauen sind überschuldet.
Bedenklich ist für die Creditreform auch der Anstieg der Überschuldung bei den Älteren. Sowohl in der Altersgruppe von 50 bis 59 Jahre, aber auch in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen lasse sich ein Zuwachs um vier Prozent verzeichnen.
Selbst bei den über 70-Jährigen ist die Zahl der Schuldner um ein Prozent gestiegen. Ein Rückgang der Überschuldung wird vor allem bei den 40- bis 49-Jährigen verbucht.
Wie Sie sich als Unternehmer vor neuen Krisenzeiten rüsten können, erfahren Sie in unserem Beitrag "Aus Krisen lernen: Sich in guten Zeiten für schlechte rüsten". dapd/rh