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Verlorene Urlaubstage Krank im Urlaub: Was Arbeitnehmer und Arbeitgeber wissen müssen

Eine Erkrankung im Urlaub ist ärgerlich – und zwar für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gleichermaßen. Denn die Arbeitnehmer können ihre verlorenen Urlaubstage nachholen. Was es dabei zu beachten gilt.

Endlich beginnt der Urlaub, und dann das: Kopfschmerzen, Halsweh, eine laufende Nase. Krankheiten kommen selten zu einem günstigen Zeitpunkt, doch wenn die lang ersehnten freien Tage im Bett verbracht werden müssen, ist die Enttäuschung besonders groß. Rund fünf Prozent der Menschen erkranken ausgerechnet während ihres Urlaubs, zeigt eine Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit.

Phänomen "Freizeitkrankheit"

Dabei trifft dieses Schicksal manche Menschen immer wieder – Entspannung scheint sie stets krank werden zu lassen. Experten haben dem Phänomen einen Namen gegeben: Leisure Sickness, was übersetzt so viel wie "Freizeitkrankheit" bedeutet. "Die Leute machen sich, wenn sie entspannen, gewissermaßen frei für Krankheiten", erklärt Roland Raible, Psychologe aus dem baden-württembergischen Wangen, das Phänomen. Anfällig sind vor allem Menschen, die auf der Arbeit unter großer Anspannung stehen: Sie versuchen, durchzuhalten und diese Belastung auszuhalten. "Das bringt den Organismus dazu, dass er seine Reserven bereitstellt", erklärt Raible. Fällt die Belastung weg, müsse sich der Organismus nicht mehr anstrengen. Der Körper ist dann anfälliger, die Widerstandskraft schwächer. Das kann sich mental, aber auch körperlich auswirken.

Wenn Arbeitnehmer im Urlaub erkranken, können sie die dadurch verlorenen Urlaubstage unter bestimmten Umständen nachholen. Diese Regelung ist im Bundesurlaubsgesetz verankert. "Wichtigste Voraussetzung dafür ist, sich umgehend beim Arbeitgeber krankzumelden – egal, wo sich der Urlauber gerade befindet", erklärt Wolfgang Müller, Leiter Recht bei der IDEAL Versicherung. Das gilt auch für den Fall, dass der Urlaub wegen einer Erkrankung gar nicht erst angetreten werden kann. "Einen Kollegen über die Erkrankung zu informieren reicht nicht", betont Müller. "Der richtige Ansprechpartner ist die Personalabteilung oder der disziplinarische Vorgesetzte."

Ärztliches Attest vom ersten Tag an

Um die krankheitsbedingt verfallenen Urlaubstage nachholen zu können, ist ein ärztliches Attest zwingende Voraussetzung. Dieses muss vom ersten Tag der Krankheit an gelten – unabhängig von den sonst im Unternehmen geltenden Regelungen. Dafür sei "auch im Urlaubsland ist ein Arztbesuch unerlässlich", erklärt Müller. In dem Attest muss dabei nicht nur eine Erkrankung schriftlich bestätigt werden, sondern es müssen auch die Symptome genau beschrieben werden. Außerdem wichtig ist, dass aus dem Attest auch hervorgeht, "dass der Erkrankte arbeitsunfähig ist", so Müller. Ist dies nicht der Fall, muss der Arbeitgeber das Attest nicht akzeptieren und kann ein Nachholen der krankheitsbedingt verpasste Urlaubstage verweigern.

Zudem muss der erkrankte Arbeitnehmer dafür Sorge tragen, dass das Attest seinen Arbeitgeber umgehend erreicht. Denn unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer Urlaub auf Balkonien oder einen Trekking-Trip in Nepal macht: "Die gesetzliche Frist für die Abgabe eines Attestes sind drei Kalendertage", erklärt der Jurist. Sinnvoll ist es daher, das Attest per Fax oder E-Mail an den Arbeitgeber zu schicken und sich den Empfang bestätigen zu lassen. Die genauen Modalitäten sollten besprochen werden, wenn der Arbeitnehmer seinen Chef über die Erkrankung während des Urlaubs informiert.

Nachhol-Recht gilt nicht bei Freizeitausgleich

Damit auch der Lohn während dieser Urlaubstage weitergezahlt wird, hat der Arbeitnehmer darüber hinaus die Pflicht, seinem Vorgesetzten eine Adresse zu hinterlassen, unter der er im Urlaubsland erreichbar ist – beispielsweise ein Krankenhaus oder ein Hotel. Das ergibt sich aus § 5 Abs. 2 des Gesetzes über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall. "Wer gesetzlich krankenversichert ist, braucht für seine Krankenkasse ebenfalls eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit und voraussichtliche Dauer der Erkrankung", so Rechtsexperte Müller. "Dies ist Voraussetzung, damit die Kasse die Behandlungskosten zumindest in Höhe der in Deutschland üblichen Kostenhöhe übernimmt."

Wer offiziell keinen Urlaub genommen hat, sondern seine Überstunden mit Freizeit ausgleicht, hat dagegen keinen Anspruch auf die entgangenen freien Stunden. "Da hilft auch kein ärztliches Attest", sagt Rechtsexperte Müller. Juristischer Hintergrund ist, dass in diesem Fall das Bundesurlaubsgesetz nicht greift. Diese Rechtsauffassung haben mehrere Gerichte bestätigt. Dasselbe gilt, wenn der Nachwuchs während des Urlaubs der Eltern krank wird und man die Zeit am Krankenbett des Kindes statt auf der Sonnenliege am Strand verbringen muss. "Die berufstätigen Eltern haben keinen Anspruch darauf, die mit der Krankenpflege verbrachten Urlaubstage wieder zurückzubekommen", so Müller.

Auslandsreisekrankenversicherung ist ratsam

Ob die gesetzliche Krankenkasse, bei der man in Deutschland versichert ist, für im Ausland entstehende Krankheitskosten aufkommt, hängt davon ab, wo der Aufenthalt stattfindet: Innerhalb der Europäischen Union sowie in der Schweiz, Liechtenstein, Island und Norwegen greift die gesetzliche Krankenkasse normalerweise, denn hier gilt ein Sozialversicherungsabkommen. Die Kosten werden allerdings nur bis zur Höhe des deutschen Regelsatzes übernommen – und nur zum gesetzlichen Standard des jeweiligen Gastlandes. In Ländern wie den USA oder Australien, die kein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland haben, müssen die Behandlungskosten komplett selbst gezahlt werden.

Verbraucherschützer raten daher bei Auslandsaufenthalten grundsätzlich zu einer Auslandsreisekrankenversicherung. "Ist eine Auslandsreise angedacht, ist der Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung sehr wichtig", bringt es Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) auf den Punkt. Denn nur dann ist wirklich sichergestellt, dass man nicht zumindest auf einem Teil der Behandlungskosten sitzen bleibt. Die Auslandsreisekrankenversicherung kommt grundsätzlich für sämtliche Kosten von Heilbehandlungen im Ausland auf, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht gedeckt sind. Darüber hinaus werden auch die Kosten für einen Kranken-Rücktransport in die Heimat übernommen. Dabei ist allerdings der Blick ins Kleingedruckte wichtig, betont Verbraucherschützerin Boss: "Einige Versicherer zahlen nur den ärztlich angeordneten, medizinisch notwendigen Rücktransport. Eine gute Police versichert hingegen auch den medizinisch sinnvollen und vertretbaren Rücktransport."

Auslandsurlaub während Krankschreibung ist möglich

Wenn ein Arbeitnehmer langfristig krankgeschrieben ist, kann er prinzipiell in dieser Zeit trotzdem Urlaub machen. Zunächst sollte er Rücksprache mit seinem Arzt halten. Bezieht jemand Krankengeld und verbringt den Urlaub innerhalb Deutschlands, wird die Leistung grundsätzlich weitergezahlt, heißt es beim Verband der Ersatzkassen (vdek). Bei Auslandsreisen muss dagegen die Krankenkasse dem Urlaub vorher ausdrücklich zustimmen. Diese Zustimmung wird in der Regel nur dann erteilt, wenn die Reise den Heilungsprozess nicht gefährdet. Dies muss durch ein ärztliches Attest, das der Kasse vorliegt, bestätigt werden. Zudem hat eine von der Krankenkasse vorgeschlagene Heilbehandlung immer Vorrang vor der Urlaubsreise. czy

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