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Gründungskosten vor Betriebseröffnung Kosten in der Gründungsphase geltend machen: Das sollten Sie beachten

Wer den Weg in die Selbstständigkeit plant, kann dem Finanzamt bereits vor Betriebseröffnung Kosten im Zusammenhang mit der geplanten Gründung als steuersparende Betriebsausgaben präsentieren. Doch Achtung: Werden zu viele Ausgaben in die Zeit vor der Gründung verlagert, kann das aus gewerbesteuerlicher Sicht problematisch werden.

Typische Kosten in der Vorgründungsphase

Sind Sie derzeit noch als Handwerker angestellt, möchten aber nach bestandener Meisterprüfung ab 2020 den Weg in die Selbständigkeit wagen, dann dürften Sie schon heute erste Planungen durchführen. Und diese kosten meist Geld. Bestes Beispiel: Sie lassen sich von einem Unternehmensberater zur optimalen Rechtsform beraten, klären mit einem Steuerberater die steuerlichen Folgen einer Betriebsübernahme oder besuchen Gründerseminare und Gründermessen. Die dabei entstehenden Ausgaben können Sie dem Finanzamt bereits als sogenannte "vorweggenommene" Betriebsausgaben präsentieren. Auch pauschale Betriebsausgaben für Porto, Telefon oder Fahrten muss das Finanzamt steuersparend berücksichtigen.

Das funktioniert folgendermaßen: Halten Sie zu jeder Ausgabe schriftlich fest, warum diese im Zusammenhang mit der geplanten Betriebsgründung zusammenhängt. Heften Sie diese Notizen an die jeweilige Rechnung. Summieren Sie die Ausgaben, tragen diese in die Anlage EÜR zur Einkommensteuererklärung ein und übertragen die Summe (= Verlust) mit einem Minuszeichen in die Anlage G zur Einkommensteuererklärung. Das Finanzamt verrechnet die Verluste mit anderen positiven Einkünften des selben Jahres, des Vorjahres (Verlustrücktrag) oder mit Einkünften späterer Jahre.

Praxis-Tipp: Ausführliche Notizen zum Zusammenhang von Ausgaben mit der geplanten Gründung sind deshalb so wichtig, weil das Finanzamt bei vorweggenommenen Betriebsausgaben meist ganz genau hinschaut und die Belege dazu anfordert. Ohne plausible Erläuterungen kippt der vorweggenommene Betriebsausgabenabzug.

Problemfall Gewerbesteuer

Vorweggenommene Betriebsausgaben wirken sich nur auf Ebene der Einkommensteuer und des Solidaritätszuschlag steuersparend aus. Bei der Gewerbesteuer fallen vorweggenommene Betriebsausgaben unter den Tisch. Denn erst wenn ein stehender Gewerbebetrieb vorhanden ist (= Beginn der sachlichen Steuerpflicht = in der Regel Betriebseröffnung), werden Betriebsausgaben bei Ermittlung des Gewerbeertrags berücksichtigt (BFH, Urteil vom 19. August 1977, BStBl 1978 II S. 23). Aufwendungen für reine Vorbereitungshandlungen sind bei der Gewerbesteuer deshalb tabu.

Beispiel: Ein Gründer in spe hat 2019 Aufwendungen für seine im Jahr 2020 geplante Betriebsgründung (5.300 Euro). In 2019 erzielt er noch einen Arbeitslohn von 40.000 Euro. Er überlegt, ob er 2019 auch noch einen Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG für geplante Investitionen 2020 bis 2022 in Höhe von 30.000 Euro geltend machen soll.

Folge: Der Gründer könnte 2019 tatsächlich 35.300 Euro vorweggenommene Betriebsausgaben geltend machen und müsste von seinem Arbeitslohn somit nur noch 3.700 Euro versteuern (Arbeitslohn 40.000 Euro abzgl. Werbungskostenpauschale 1.000 Euro abzgl. Verluste 35.300 Euro). Doch ob es sinnvoll ist, den Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 30.000 Euro vorzuziehen, wenn diese 30.000 Euro vorweggenommene Ausgaben bei Ermittlung der Gewerbesteuer 2020 fehlen, ist fraglich und sollte am besten mit einem Steuerberater geklärt werden.

Finanzämter sind sensibilisiert

Aufgrund einer Verfügung des Landesamts für Steuern Niedersachsen vom 12. August 2019, das diese gewerbesteuerliche Problematik thematisiert, dürften die Sachbearbeiter in den Finanzämtern und Prüfer ganz genau darauf achten, dass in der Gewerbesteuererklärung keine Aufwendungen für Vorbereitungshandlungen vor der eigentlichen Betriebsgründung landen.

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