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Steuertipp Kontoleihe: Keine Haftung für Steuerrückstände von Minderjährigen

Eröffnen Eltern für ihr minderjähriges Kind ein Konto und lassen von Geschäftspartnern Geld auf dieses Konto überweisen, kann es passieren, dass bei Insolvenz der Eltern, das Finanzamt die Bezahlung der rückständigen Steuern fordert. Doch dagegen lohnt sich nach einem Urteil des Finanzgerichts Münster Gegenwehr.

In dem Streitfall beim Finanzgericht Münster ging es um ein 11jähriges Mädchen, das durch seine Eltern vertreten ein eigenes Girokonto auf seinen Namen eröffnete. Der Vater, der in Baubranche tätig war, veranlasste seine Kunden, Rechnungsbeträge auf das Konto seiner Tochter zu überweisen. Insgesamt wurden auf das Konto der Tochter rund 90.000 Euro einbezahlt. Nachdem die Tochter volljährig geworden war, bekam Sie Post vom Finanzamt. Das Finanzamt nahm sie im Wege eines Duldungsbescheids in Anspruch und forderte sie dazu auf, wegen der Kontenleihe die rückständigen Steuern des Vaters in Höhe von 23.000 Euro zu bezahlen. Das Finanzamt berief sich hierbei auf das Anfechtungsgesetz.

Es ist zwar offensichtlich davon auszugehen, dass der Vater durch die Kontoleihe in Gläubigerbenachteiligungsabsicht gehandelt hat, in dem er seinen Kunden dazu aufgefordert hat, die Rechnungsbeträge auf das Konto seiner Tochter zu überweisen. Es kann allerdings nicht davon ausgegangen werden, dass die damals minderjährige Tochter die Absicht ihres Vaters kannte. Deshalb lehnten die Richter des Finanzgerichts Münster es ab, die Tochter per Duldungsbescheid für die rückständigen Steuern des Vaters in Anspruch zu nehmen (FG Münster, Urteil v. 20.3.2019, Az. 7 K 2071/18 AO).

Steuertipp: Damit Eltern bei einer solchen Kontenleihe nicht auch noch der Steuerhinterziehung bezichtigt werden können, ist es wichtig, jeden Cent von Kundeneinzahlungen auf dem betriebsfremden Konto als Betriebseinnahme zu versteuern. Das Finanzamt nimmt bei Betriebsprüfen vor allem Ausgangsrechnungen ins Visier, auf den entweder eine betriebsfremde Kontonummer auftaucht oder gar keine Kontoverbindung vermerkt ist.

Weitere Steuertipp finden Sie im DHZ-Steuerarchiv.

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