Kommentar Konjunkturherbst

Nachdem die deutsche Wirtschaft und allen voran das Handwerk bisher gut durch die Euro-Krise gekommen sind, sehen neue Prognosen eine Abschwächung der Konjunktur vor. Die Politik muss deshalb ihr Augenmerk wieder auf die Binnenkonjunktur legen.

Lothar Semper

Dr. Lothar Semper, stellvertretender Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Kasia Sander
Dr. Lothar Semper

Allmählich kommt die Zeit der Prognosen über die Wirtschaftsentwicklung im laufenden und die Erwartungen für das kommende Jahr. Gerade hat die OECD mit der Schlagzeile aufgewartet, dass Deutschland eine leichte Rezession drohen könnte. Auch andere Meldungen lauten dahingehend. Der ifo-Geschäftsklimaindex fällt seit einigen Monaten – wenn auch zuletzt nur moderat. Das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer hatte die Schlagzeile: „Krisenangst erfasst zunehmend auch die Binnenwirtschaft.“

Es gibt aber auch gute Botschaften. So zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, dass im Juli dieses Jahres die Entwicklung des produzierenden Gewerbes nach wie vor nach oben gerichtet war und dass der Export weiterhin überdurchschnittlich zunimmt. Einig sind sich aber alle Experten darin, dass die Konjunktur auf wackligen Beinen steht und viel davon abhängt, ob es gelingt, die anhaltende Krise in der Euro-Zone in Griff zu bekommen.

Dazu stehen aktuell wichtige Weichenstellungen an. Das Grundproblem ist, dass es zu jedem Lösungsansatz mindestens zwei divergierende Meinungen gibt. Typisches Beispiel dafür ist die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Schuldenstaaten aufzukaufen. Bundesbankpräsident Weidmann hat hiergegen zu Recht sein Veto erhoben. Allerdings steht er damit in der europäischen Politik wie der einsame Rufer in der Wüste da. Man hat den Eindruck, dass im Moment weitgehend darauf gehofft wird, dass die Schecks, die gezeichnet werden, nie zur Einlösung kommen.

Der ifo-Präsident Sinn hat die schöne Formulierung geprägt, dass die Krise weitergehe, weil ein Fass ohne Boden nicht gut zu füllen sei. Er weist richtigerweise darauf hin, dass sich die Probleme der Eurozone mit immer mehr Schulden nicht lösen lassen. Wir brauchen stattdessen radikale Umschuldungen innerhalb der betroffenen Länder, die zulasten der Gläubiger statt der Steuerzahler gehen. Auch Sinn allerdings droht ein einsamer Rufer zu bleiben. Die Devise scheint zu sein, dass es so schlimm schon nicht kommen werde – Prinzip Hoffnung also.

Für das Handwerk wird bedenklich, dass die Binnenkonjunktur ins Wanken zu kommen droht. Erste Daten des Statistischen Bundesamtes über die Entwicklung des Handwerks im zweiten Quartal lassen aufhorchen: Danach wäre der Umsatz gegenüber dem Vorjahr – das allerdings ein Rekordjahr war – mit minus 3,3 Prozent bereits wieder deutlich rückläufig. Es wäre fatal, wenn das nicht nur Momentaufnahme, sondern auch Prognose wäre. Die Politik ist gefordert, der Binnenkonjunktur wieder ihre Aufmerksamkeit zu widmen.