Konjunktur -

IHM 2018: Creditreform zur Wirtschaftslage und Finanzierung Konjunktur im Handwerk: So gut war's selten

Die Konjunktur brummt. Das lässt sich an allen Daten, die die Wirtschaftsforschung der Creditreform erhoben hat, ablesen. Umsatz, Geschäftslage, Eigenkapital stimmen und sind zum Teil so gut wie nie zuvor. Probleme zeigen sich erst bei der Personal- und Nachwuchsfrage.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Internationale Handwerksmesse

77,3 Prozent der Handwerksunternehmen in Deutschland schätzen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut ein. Einen solch hohen Wert hatten die Wirtschaftsforscher der Unternehmensberatung Creditreform seit Beginn ihrer Erhebungen in den 1980er Jahren noch nie gemessen. Kaum ein Handwerksbetrieb habe sich negativ zur Geschäftslage geäußert. Die Befragung verzeichnet einen Steigerung von 8,9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Damit war 2017 das wachstumsstärkste Jahr seit 2011 und das achte Wachstumsjahr in Folge.

Dementsprechend bildet der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen mit 76,1 Punkten für 2018 (2017: 67) ebenfalls ein neues Rekordhoch. Im Vergleich dazu muten der Saldo von 17,5 Punkten im Krisenjahr 2009 geradezu deprimierend an.

Beste Stimmung herrscht im Baugewerbe

Spitzenreiter in Stimmungsfragen ist das Bauhauptgewerbe, dessen Betriebe ihre Geschäftslage mit 82,7 Prozent (69,4) als sehr gut und gut einschätzten. In allen Branchen hat sich noch einmal die Stimmung verbessert. Allein im Kfz-Gewerbe, bei den Nahrungsmittelhandwerken und den personenbezogenen Dienstleistungen stieg die Zahl der Betriebe, die ihre Geschäftslage als mangelhaft oder ungenügend beurteilen.

Einen Rekordwert gab es auch beim Umsatz. 40 Prozent der Befragten verzeichneten ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr. Ähnlich hoch war das Ergebnis zuletzt 2007 (35,3 Prozent) und 2012 (35,7 Prozent). Auch hier sticht das Bauhauptgewerbe hervor, gefolgt von den Ausbauhandwerken. Verantwortlich dafür sind aber nicht nur die Auftragszuwächse. Das Handwerk kann auch zusätzlich höhere Preise verlangen. Die Kunden werden mit weiter steigenden Preisen rechnen müssen. 60,3 Prozent (Vorjahr: 51 Prozent) der Befragten will Preiserhöhungen vornehmen. Die Erhöhungen liegen über der allgemeinen Inflationsrate.

Den Auftragsboom könnte das Handwerk noch intensiver nutzen, wenn den Betrieben zusätzliche Fachkräfte zur Verfügung stünden. 30,7 Prozent der Befragten haben ihr Personal aufgestockt im vergangenen Jahr (Vorjahr: 27,8 Prozent). Rund jeder dritte Betrieb (31,3 Prozent, Vorjahr: 22,5 Prozent) will weitere Mitarbeiter einstellen. Dementsprechend ist der Personalbedarf das beherrschende Thema. Noch nie wollten so viele Betriebe zusätzliches Personal einstellen wie in diesem Frühjahr. Die Kundenwünsche können teilweise kaum noch erfüllt werden.

Ertragslage verbessert sich mit wachsenden Umsätzen und höheren Preisen

Mit Umsatzwachstum und Preiserhöhung rechnen 37,2 Prozent der Unternehmen mit steigenden Erträgen (Vorjahr: 31,2 Prozent). Das gilt jedoch nicht für alle Branchen. Kfz- und Nahrungsmittelhandwerke rechnen mehrheitlich maximal mit stabilen Erträgen (66,4 Prozent). Lediglich 26,1 Prozent (Vorjahr: 26,4 Prozent) beim Kfz-Handwerk und 35,4 Prozent (Vorjahr: 50 Prozent) des Lebensmittelhandwerks erwarten höhere Erträge. Die Diskussion um Dieselfahrverbote sowie die Konkurrenz aus dem Lebensmitteinzelhandel und der Discounter machen diesen beiden Handwerksbranchen das Lebens schwer.

Unabhängig davon wächst mit den Erträgen die Bereitschaft zu investieren. 59,1 Prozent der Unternehmen wollen Investitionen tätigen. Auch dieser Wert war in den letzten 20 Jahren noch nie so hoch. Einen größeren Bedarf haben die Betriebe, ihre Kosten zu senken. 17,8 Prozent (Vorjahr: 14,8 Prozent) gaben an, Rationalisierungen und Maßnahmen zur Kostenduzierung vornehmen zu wollen. Hauptanliegen sind aber nach wie vor Ersatz- mit 59,9 Prozent (60) und Erweiterungsinvestititionen mit 49,3 Prozent (51,3).

Handwerk nutzt bei der Finanzierung seine Eigenkapitalstärke

Finanziert wird das Ganze zu einem großen Teil über Eigenkapital. Noch mal mehr Betriebe 37,5 Prozent (Vorjahr: 31,8 Prozent) verlassen sich ganz auf Eigenmittel. 48,9 Prozent der Befragten setzt sowohl Eigen- als auch Fremdkapital ein (Vorjahr: 55 Prozent). "Damit reizen auch die günstigen Finanzierungsbedingungen das Handwerk nicht zur Ausweitung der Fremdfinanzierung", heißt es in der Studie. Zwar habe es die Revision der EU-Eigenkapitalregeln den Banken erleichtert, kleine und mittlere Unternehmen mit Fremdkapital zu versorgen, doch ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen zeichne sich bereits ab und werde die Finanzierungssituation wieder verschärfen.

Glücklicherweise konnte das Handwerk seine Eigenkapitalquote (EK-Quote) in den letzten neuen Jahren deutlich stärken. Der Anteil der Betriebe mit einen EK-Quote von mehr als 30 Prozent habe um vier Prozentpunkte deutlich zugenommen. 22,5 Prozent (Vorjahr: 21,2 Prozent) der Betriebe erreichten im vergangenen Jahr diese Quote. Knapp ein Drittel der Betriebe bleibt bei unter 10 Prozent Eigenkapital. Stärkste Eigenkapitaldecken (über 30 Prozent) weisen das Nahrungsmittelhandwerk (40,5 Prozent), das Metallhandwerk (25,6 Prozent) und die personengezogenen Dienstleistungen (25,6 Prozent) auf.

Konsequenterweise ergibt sich aus all den positiven Daten ein geringer Insolvenzanteil im Handwerk. Im Jahr 2017 wrude 4.250 Insolvenzen registriert – ein Minus von 7 Prozent. Der Rückgang war stärker als in der Gesamtwirtschaft (6,3 Prozent).

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