Johannes Wolff widmet seine Freizeit dem musikalischen Erbe von Adorf. Er sorgt dafür, dass die Orgelbauer-Dynastie Trampeli nicht in Vergessenheit gerät.

Das sächsische Vogtland gilt als bedeutendste Region des Musikinstrumentenbaus in Europa. Im sogenannten Musikwinkel zwischen Markneukirchen, Klingenthal und Schöneck entstehen nahezu alle Instrumente, die ein Orchester erklingen lässt. Für den Orgelbau ist die Region weniger bekannt. Dabei wurden zwischen 17. und 19. Jahrhundert in Adorf über mehrere Generationen hinweg weit über 100 Orgeln gebaut.
Dass dieses historische Erbe nicht in Vergessenheit gerät, verdankt die Kleinstadt dem unermüdlichen Engagement eines Konditormeisters. Seit Jahrzehnten erforscht Johannes Wolff in seiner Freizeit die Geschichte des Adorfer Orgelbaus und die musikalische Tradition des Ortes.
Archiv über Orgelbau unter der Backstube
In akribischer Detektivarbeit hat der Hobbyhistoriker Archive durchstöbert, Dokumente und Notenmaterial zusammengetragen, Kirchen besucht und Orgeln fotografiert, die zwischen 1625 und Ende des 19. Jahrhunderts in Adorf entstanden sind. In einem rund 40 Quadratmeter großen Kellerraum unter seiner Backstube verbirgt sich eine wahre Fundgrube an Wissen über die Orgelbauer-Dynastie Trampeli sowie den Komponisten Johann Caspar Kerll.
Der Sohn von Caspar Kerll, dem ersten ortsansässigen Orgelbauer in Adorf, machte als kurfürstlicher bayerischer Hofkapellmeister in München und Organist am Wiener Stephansdom Karriere und gilt als erster deutscher Opernkomponist von Rang, dessen Werk wohl auch Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel beeinflusst hat.
Trampeli-Wohnhaus wird saniert
Ohne das Engagement von Johannes Wolff wäre von der einstigen Orgelbau-Tradition in Adorf nicht viel übrig. Die Trampeli-Werkstatt ist 1904 einem Brand zum Opfer gefallen. Einzig das ehemalige Wohnhaus der Familie existiert noch, nach jahrelangem Leerstand jedoch in einem jämmerlichen Zustand. Spätestens 2027, wenn sich der Geburtstag von Johann Caspar Kerll zum 400. Mal jährt, soll das historisch bedeutsame Gebäude in neuem Glanz erstrahlen. Um die aufwendige Sanierung, gefördert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, kümmert sich der Verein Klassische Musik Adorf unter Vorsitz des Opern- und Konzertsängers Wolf Matthias Friedrich. Konditormeister Johannes Wolff ist sein Stellvertreter.
Dass das Vorhaben gelingen wird, daran glaubt der 66-Jährige felsenfest. Immerhin hat er mit seiner Überzeugungskraft schon viele Spenden eingeworben, die dazu beigetragen haben, dass bisher 15 Trampeli-Orgeln restauriert werden konnten. Jüngstes Beispiel ist die Orgel in der St. Kilian Kirche zu Gröst in Sachsen-Anhalt. Rund 50 Jahre war das Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Instrument aus der Werkstatt von Johann Gottlob Trampeli nicht mehr spielbar, ehe Anfang September wieder Musik von Bach den Kirchenraum flutete. "Die Restaurierung dieser zweimanualigen Orgel war schon ein Kraftakt, der mehr als 350.000 Euro gekostet hat", sagt Wolff.
Doppeltes Jubiläum im Jahr 2027
Seine größte Orgel baute Johann Gottlob Trampeli, der bedeutendste Meister der Adorfer Orgelbau-Tradition, für die Leipziger Nikolaikirche. Allerdings sind davon nur einzelne Register erhalten geblieben. Die meisten Instrumente befinden sich im weiteren Umkreis von Adorf, aber auch in Dortmund oder Görlitz hat Johannes Wolff Trampeli-Orgeln aufgespürt, der die Tradition des Orgelbaus in seinem Heimatort seit mehr als 40 Jahren erforscht.
Auf eine große Tradition kann auch seine Bäckerei und Konditorei mit angeschlossenem Café verweisen. Johannes Wolff führt den Handwerksbetrieb in dritter Generation. Und wie es der Zufall will, feiert das Familienunternehmen 2027 sein 100-jähriges Bestehen. Just im Jubiläumsjahr von Johann Caspar Kerll. "Zur Feier der beiden Jubiläen soll vor unserem Café ein Denkmal des Komponisten enthüllt werden", blickt Johannes Wolff voraus. Und wenn alles nach Plan läuft, wird bis dahin auch das Trampeli-Haus saniert sein. Und das Wolffsche Archiv kann vom Keller in ein modernes Museum umziehen.
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