Deutsche Politiker warnen parteiübergreifend vor zu laxen Regeln für den Umgang mit Fleisch von geklonten Tieren in der Europäischen Union. Sie befürchten, dass es bald auch auf unseren Tellern landen könnte.

Was die EU-Kommission derzeit zum Umgang mit Klon-Techniken plant, geht deutschen Politikern nicht weit genug. Die hochumstrittene Technik wird heute nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Tierzucht eingesetzt. Union, SPD und Grüne befürchten, dass das Ergebnis auch auf deutschen Tellern landen könnte und haben einen Antrag gestellt, der geplante Vorgaben verschärfen soll. Sie warnen gemeinsam vor zu laxen Regeln.
"Der Verbraucher muss erkennen können, was er isst", sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU). Der Verbraucher wolle ein Steak vom Bauernhof, kein Klonfleisch aus dem Reagenzglas. Auch die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, sagte: "Wir brauchen keine geklonten Tiere für die Lebensmittelproduktion."
Kennzeichnungspflicht ist umstritten
Union, SPD und Grüne fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen, auch mit Stimmen der Linken verabschiedeten Antrag auf, sich auf EU-Ebene für ein dauerhaftes Verbot des Klonens von Tieren zur Lebensmittel-Produktion einzusetzen. Klontiere und deren Fleisch dürften auch nicht importiert werden. Sollte ein Verbot scheitern, fordern die Parlamentarier Kennzeichnungspflichten und Kontrollen.
Nach den Plänen der EU-Kommission dürfen Nachkommen von Klontieren und Zuchtmaterial weiterhin ohne Beschränkung und Kennzeichnung importiert werden. Genau hier sehen die Parlamentarier eine gravierende Lücke: Denn weil das Klonen aufwendig und teuer sei, stellten gar nicht die Tiere selbst, sondern deren Sperma, Eizellen und Embryonen "das wirtschaftlich interessante Produkt der geklonten Tiere" dar. Sie befürchten, dass Nachkommen von Klontieren vor allem auf diesem Weg "schleichend Einzug in die europäische Nutztierzucht und Lebensmittelwirtschaft halten".
Der Verbraucherorganisation Foodwatch zufolge gibt es allerdings bereits heute Indizien für einen globalen Handel mit Zuchtmaterial geklonter Tiere. Der Verein Testbiotech, der von unabhängiger Seite über die Risiken der Biotechnologie aufklären will, zeigt auf seiner Homepage Beispiele für den Online-Handel mit dem Sperma geklonter Rinder.
Nachkommen von Klontieren schon bei uns?
In welchem Umfang weltweit geklont wird, ist laut Testbiotech nicht bekannt. Nach Angaben der EU-Kommission von 2013 haben die USA, Kanada, Australien, Brasilien und Argentinien aber bestätigt, dass in ihrem Hoheitsgebiet Tiere geklont werden.
In der EU wird die Klontechnik nach Angaben der 28 Mitgliedstaaten derzeit nirgendwo in der Landwirtschaft oder Lebensmittelproduktion eingesetzt, wie es im Antrag der Fraktionen heißt. "Die Bundesregierung kann jedoch nicht ausschließen, dass bereits Nachkommen von Klontieren Eingang in die deutsche Nutztierzucht und Lebensmittelproduktion gefunden haben."
Kennzeichnungspflichten reichen aus Sicht von Foodwatch deshalb nicht aus. Im Hackfleisch eines Hamburgers etwa seien so viele Fleischsorten vereint, dass es praktisch kaum möglich sei, mit einer Kennzeichnung wirksam vor dem Verzehr von Klonfleisch zu schützen, sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Er fordert deshalb ein umfassendes Importverbot. dpa