Auswirkungen von Hitze und Sonne auf den Arbeitsschutz Klimawandel für die Haut

Im Handwerk sind die Auswirkungen des Klimawandels täglich spürbar. Sonnenscheindauer, UV-Strahlung, Hitze und Extremwetter haben zugenommen und spielen beim Arbeitsschutz eine wichtige Rolle

Kräne in der Hitze
In Deutschland arbeiten etwa 2,5 Millionen Menschen im Sommer im Freien. Beschäftigte am Bau bekommen die immer heißeren Tage und deutlich erhöhten UV-Werte besonders stark zu spüren. - © Nicolas Debray/Pixabay

Im Jahr 2019 maß der Deutsche Wetterdienst an 23 Orten in Deutschland über 40 Grad Celsius. Seit 1881 ist die Durchschnittstemperatur in Deutschland um 2 Grad Celsius gestiegen. Die Jahre 2018 und 2020 waren die wärmsten je gemessenen.

Für Freiluftarbeiter sind die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren. Laut Weltgesundheitsorganisation zählen sie zu den besonders gefährdeten Personen. Hitze lässt die Leistungsfähigkeit um bis zu 15 Prozent sinken und es drohen handfeste bis lebensgefährliche Erkrankungen wie Sonnenstich, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag.

Ältere und chronisch Kranke stärker gefährdet

Jeder Mensch reagiert anders auf Hitze, aber mit zunehmendem Alter fällt es dem Organismus immer schwerer, sich anzupassen. Wie der Versorgungsreport Klima und Gesundheit 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigt, reagieren auch chronisch Kranke schlechter auf hohe Temperaturen: Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen oder Atemwegs- und Nierenerkrankungen, Übergewichtige sowie Menschen, die Medikamente wie Blutdrucksenker, Schlaf- und Beruhigungsmittel oder Psychopharmaka einnehmen. Vor allem kurzfristige Temperaturschwankungen belasten.

Die stärkere und längere Sonnenstrahlung hat aber auch Langzeitfolgen: Weißer Hautkrebs ist mittlerweile die häufigste Berufskrankheit am Bau. Am stärksten betroffen sind laut Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) Beschäftigte am Hoch-, Tief- und Straßenbau, Dachdecker sowie Zimmerer.

Anfänge von Hautkrebs nicht zu spüren

Die Anfänge solcher langfristigen Schädigungen spürt der Betroffene nicht. Sie treten oft erst Jahrzehnte später auf. Um Hautkrebs möglichst in frühen, noch besser behandelbaren Stadien zu erkennen, ist es deshalb wichtig, dass Freiluftarbeiter regelmäßig zur Früherkennung bei einem Facharzt gehen.

Dasselbe gilt für Erkrankungen des Auges, die durch zu starke UV-Strahlung mitverursacht werden: Kurzfristig reagiert das Auge mit Horn- oder Bindehautentzündung, langfristige Folgen können Augenkatarakt (grauer Star) und Makuladegeneration sein, die häufigste Erblindungsursache in der westlichen Welt.

Ab UV-Index 3 Augen und Haut schützen

Schon ab einem UV-Index von 3 müssen Haut und Augen geschützt werden. Für die Entstehung von Hautkrebs ist natürliches UV-Licht der entscheidende Faktor. Die Strahlen verändern den Bauplan von Zellen. Kann der Körper das nicht mehr reparieren, entstehen Krebszellen. Das beginnt früher als gedacht: "Aus der Forschung wissen wir, dass Hautzellen schon geschädigt werden, lange bevor ein Sonnenbrand auftritt", warnt Ute Pohrt, Leiterin Abteilung Gesundheit der BG Bau.

Für Deutschland gilt mittlerweile, dass die Sonne von April bis September zwischen 11 und 16 Uhr so stark ist, dass ohne Schutz Haut und Augen dauerhaften Schaden nehmen können. Besonders kritisch ist das Frühjahr. Dann hat sich die Haut noch nicht an die stärkere Sonneneinstrahlung gewöhnt. Außerdem ist Ende März, Anfang April die Ozonschicht sehr dünn, weil ozonarme Luftmassen aus Polarregionen nach Deutschland ziehen. So werden weniger UV-Strahlen abgeschirmt.

Schutzmaßnahmen auf drei Ebenen

Auch beim Sonnenschutz gilt das TOP-Prinzip: Technische vor organisatorischen vor persönlichen Maßnahmen. Weil sich am Bau die Arbeitsumgebung ständig ändert, sind technische Maßnahmen schwieriger umzusetzen als anderswo. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten:

  • Arbeitsplätze auf Baugerüsten lassen sich mit Hilfe von Gerüstplanen beschatten. Diese Planen können mit Hilfe von Spann­gurten und Karabinern schnell befestigt und umgehängt werden. Gerüstplanen mit größerer Fläche dürfen allerdings nur vom Gerüstersteller angebracht werden, da deutlich größere Windlasten entstehen können. Die Norm DIN EN 12811 enthält Windbeiwerte für Planen, meist sind zusätzliche Verankerungen nötig.
  • Auf ebenen Flächen können Wetterschutzzelte Schatten spenden, beispielsweise für vorbereitende Arbeiten. Die über das Prämienprogramm der BG Bau bezuschussten Zelte sind so leicht, dass sie auch in aufgebautem Zustand von einer Person bewegt werden und beispielsweise über einem Graben mitgeschoben werden können.
  • An statischen Baustellen können Sonnensegel und Sonnenschirme Schattenplätze gewähren.

Rotationsprinzip lindert Hitze-Wirkung

Nach diesen technischen Maßnahmen beginnen die Organisatorischen: Beim Rotationsprinzip wechseln sich Beschäftigte bewusst zwischen Arbeiten in der Sonne und im Schatten ab; Vor- und Nacharbeiten werden in den Schatten verlegt; ist das nicht möglich, bleibt noch eine zeitliche Anpassung in die früheren Morgen- oder späteren Nachmittagsstunden, wenn die UV-Strahlung schwächer ist; regelmäßige Pausen im Schatten helfen dem Körper, wieder herunterzukühlen. Ergänzend kommen persönliche Schutzmaßnahmen hinzu:

  • Langärmlige, langbeinige, luftige Kleidung aus Baumwolle oder Funktionsmaterial mit UV-Schutz tragen, plus eine Kopfbedeckung mit Nacken- und Ohrenschutz sowie eine Sonnenbrille; spezielle Kühlkleidung schützt bei besonders hohen Umgebungstemperaturen.
  • Hautstellen, die nicht von der Kleidung bedeckt sind, mit einer Sonnencreme mit UV-A- und UV-B-Filter (mindestens Lichtschutzfaktor 30) alle zwei Stunden einschmieren.
  • Ausreichend Wasser trinken schon vor dem Durst.
  • Eine Mehrweg-Sprühflasche mit frischem Wasser befüllen und sich regelmäßig besprühen.

UV-Strahlung und ihre Folgen

Ultraviolette Strahlen fördern bis zu einem gewissen Grad die Gesundheit. Zu viel Sonnenlicht aber schadet. Die Haut reagiert sowohl auf die Stärke als auch auf die Dauer der Sonneneinstrahlung.
Akute starke Sonneneinstrahlung und Sonnenbrände können Schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) auslösen. Seit den 1970er-Jahren haben sich die Erkrankungszahlen in Deutschland laut Robert Koch-Institut mehr als verfünffacht.
Noch wesentlich häufiger ist der "Helle Hautkrebs", also die aktinische Keratose und das Plattenepithelkarzinom, die als Berufskrankheiten anerkannt sind. Zwischen 2011 und 2018 haben sich die Fallzahlen in der Gesamtbevölkerung um 35 Prozent auf 1,66 Millionen erhöht, zeigt eine Analyse der Barmer Versicherung. Heller Hautkrebs entsteht, wenn die Haut über viele Jahre hinweg immer wieder zu intensiver UV-Strahlung ausgesetzt wird.
Die Intensität der UV-Strahlung hängt von mehreren Faktoren ab: der Ozonkonzentration in der Stratosphäre, dem Anteil von Partikeln (wie Ruß) in der Luft, der Stärke der Bewölkung, der geografischen Breite, der Tages- und Jahreszeit und der Höhe über dem Meeresspiegel. Die Bestrahlungsstärke im Norden Deutschlands ist geringer als im Süden, dafür gibt es im Norden eine statistisch höhere Sonnenscheindauer.
Aufgrund geringerer Bewölkung und dünnerer Ozondecke vor allem im Frühjahr und Frühsommer nimmt die UV-Intensität zu, zeigen Untersuchungen des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung. bst

Informationen zum besseren Umgang mit Hitze und Sonne

  • Mit dem Deutschen Klimavorsorgeportal will die Bundesregierung Klimaanpassungen voranbringen. Das Portal richtet sich an alle gesellschaftlichen Akteure, vom Bund über Länder und Kommunen bis zur Einzelperson, damit jeder die Risiken und Chancen der Klimaveränderungen für seinen Bereich kennt und sich darauf vorbereitet. Die 16 Handlungsfelder reichen von der Infrastruktur in Bau - beispielsweise zum "klimaresilienten Bauen" - Energie und Verkehr über Land- und Forstwirtschaft bis hin zu Gesundheitsthemen.
  • Heat Shield ist ein gemeinsames Forschungsprojekt, um dem negativen Einfluss von Hitze auf Arbeit zu begegnen. Auf der englischsprachigen Webseite zeigen Hitze-Landkarten, welche Regionen wie stark betroffen sind, warnen vor extremen Wetterlagen und geben Tipps zum besseren Umgang mit der Hitze.
  • Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) weiß um die Schwierigkeit, Beschäftigte davon zu überzeugen, sich vor der Sonne zu schützen. Die Unterweisungshilfe Sonne und UV-Schutz hilft dabei.
  • Ebenfalls von der BG Bau stammt die Bauwetter App, die vor Hitze und starker UV-Strahlung ebenso warnt wie vor Kälte und anderen Extremwetterlagen.
  • Über das Programm für Arbeitsschutzprämien der BG Bau können Bauhandwerker die Anschaffung von indviduellem Sonnen- und Hitzeschutz fördern lassen. Darin enthalten sind Funktionsshirts mit UV-Schutz, Warnshirts mit UV-Schutz, Kopfbedeckungen, Schutzhelme mit Nackenschutz und Blendring sowie Sonnenbrillen.
  • Unter dem Dach der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist das Portal Klima Mensch Gesundheit enstanden. Hier finden Privatleute wie Berufstätige und Arbeitgeber Flyer, Broschüren, Unterrichtsmaterialien und Erklärvideos mit Tipps zu den Auswirkungen des Klimas auf die Gesundheit.
  • Wer die Auswirkungen des Klimawandels besser verstehen möchte, findet im Versorgungs-Report Klima und Gesundheit des Wissenschaftlichen Instituts der AOK tiefergehende Informationen.
  • Die Technische Universität München hat untersucht, ab welchen Temperaturen der Mensch unter Stress gerät.