Kühlanlagen Klimaschädliche Kältemittel: Gesetz soll Schwarzmarkt stoppen

Der Ausstieg ist beschlossen – bis 2030 sollen Kältemittel in Kühlanlagen einen natürlichen Ursprung haben. Aktuell benötigen viele Anlagen aber noch die synthetischen Mittel der teilfluorierten Kohlenwasserstoffe (HFKW). Sie gelten als klimaschädlich. Da sie schon jetzt schlecht verfügbar sind, ist ein Schwarzmarkt entstanden. Bekämpfen soll ihn eine Änderung des Chemikaliengesetzes. Sie tritt am 1. August in Kraft. Auf Kälteanlagenbauer kommen neue Pflichten zu.

die Außeneinheit einer Kälteanlage
Große Kälteanlagen stehen vor der Umrüstung: Statt mit fluorierten Kältemitteln, sollen sie künftig mit natürlichen betrieben werden. - © Mr.Stock - stock.adobe.com

Was Kühlanlagen leisten, wird meist unterschätzt – entsprechend auch, was sie an Energie verbrauchen auch. Klimaanlagen kühlen nicht nur Fahrzeuge und Büros, sondern vor allem in Krankenhäusern und der Lebensmittelversorgung und -herstellung sind sie unabdingbar. Sie müssen zuverlässig und lückenlos in Betrieb sein. Das erzeugt einen Endenergiebedarf von rund 90 TWh im Jahr für alle Kälteanlagen in ganz Deutschland. Im Vergleich dazu verbraucht die gesamte Industrie nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) rund 700 TWh pro Jahr – ähnlich der Verkehrssektor.

Kältemittel müssen ab 2030 natürlichen Ursprung haben

Dieser große Energiehunger und der damit zusammenhängende Ausstoß sogenannter F-Gase durch die eingesetzten Kältemittel, ist klimaschädlich. Er gilt als schädlicher als CO2. Um die Emissionen daraus zu senken, hat die Politik bereits vor einigen Jahren den Umstieg auf ausschließlich Kältemittel mit natürlichem Ursprung – den sogenannten HFKW Phase down – beschlossen. Konkret geht es um die Nutzung sogenannter teilfluorierter Kohlenwasserstoffe (HFKW), die in synthetischen Kältemitteln enthalten sind. Diese sollen bis 2030 ersetzt werden durch Mittel auf Basis von Ammoniak, Wasser oder Kohlenwasserstoffe. Bestenfalls zumindest, denn die aktuelle F-Gas-Verordnung lässt eine Restquote der HFKW von 21 Prozent zu. Bis zu diesem Wert wird die Verfügbarkeit der HFKW verringert.

Schneller als die Umrüstung der Anlagen schreitet allerdings die Umstellung der Kältemittelherstellung voran – zumindest, was die HFKW mit hohem Treibhauspotential betrifft. Ihre Produktion ist eingestellt, da der Ausstieg EU-weit beschlossen ist. Für die Kälteanlagen, die diese Mittel benötigen, um zu funktionieren, bekommen die Betreiber nun kaum mehr und vor allem nur noch zu sehr hohen Preise Kältemittel. Deshalb und weil die Preise seit 2017 um bis zu 500 Prozent gestiegen sind, ist ein regelrechter Schwarzmarkt dafür entstanden. Sowohl bereits verbotene Kältemittel, die FCKW enthalten, als auch einige der HFKW-Gruppe werden illegal gehandelt. Ein Ausstieg aus der Nutzung lässt sich so nicht kontrollieren – genauso wenig wie der Effekt auf das Klima. Vielen Kühlanlagen droht so zudem ein vorzeitiges Aus.

Schwarzmarkt für Kältemittel: Änderung im Chemikaliengesetz zum 1. August 2021

"Der Preisanstieg ist ein erwarteter und gewünschter Effekt der Verknappung, der ein deutliches Signal zum Umstieg darstellen soll", sagt Daniel de Graaf vom UBA dazu. Er fügt hinzu, dass sich die Kältemittelpreise mittlerweile wieder auf einem deutlich niedrigeren Niveau eingependelt hätten. Mehrere EU-Länder gehen bereits gegen den illegalen Handel von HFKW vor. In Deutschland steht eine Änderung des Chemikaliengesetzes an. Bundestag und Bundesrat haben der Novelle zugestimmt. In die Pflicht kommt mit der Gesetzesänderung insbesondere das Kälteanlagenbauerhandwerk.

Das Dritte Gesetz zur Änderung des Chemikaliengesetzes - Bekämpfung des illegalen Handels mit fluorierten Treibhausgasen - wurde am 9. Juni im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt am 1. August 2021 in Kraft. Details dazu kann man hier nachlesen.>>>

Zwar sind die Emissionen durch die bereits erzielte Reduzierung des Einsatzes von voll- und teilfluorierten Gasen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Das Statistische Bundesamt meldet Rückgänge von 14 Prozent zwischen 2019 und 2018 und 44 Prozent zwischen 2019 und 2015. Dennoch gibt etwa der Europäische Technische Ausschuss für Fluorkohlenwasserstoffe (EFCTC) bekannt, dass im Jahr 2019 Kältemittel mit einem CO2-Äquivalent von bis zu 31 Millionen Tonnen illegal in die EU importiert wurden. Diese Werte gehen dann an der offiziellen Statistik vorbei, aber sie schaden dem Klima.

Bescheinigung über legale Kältemittel wird nötig

Heribert Baumeister vom Vorstand des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV) sieht die Änderung des Chemikaliengesetzes als mehr als notwendig an. Dennoch übt er Kritik. So sieht er auf seine Branche einige neue Pflichten zukommen. Das Gesetz sieht vor, dass künftig die gesamte Liefer- und Gebrauchskette der Kältemittel dokumentiert werden muss. Nach Angaben des BIV bedeutet dies: "Egal, wo und von wem ein Unternehmen Kältemittel einkauft (Großhandel, Internet etc.), muss der Verkäufer oder Betreiber erklären, dass es sich dabei um "legales" Kältemittel handelt, das die Vorgaben der EU-F-Gase-Verordnung erfüllt. Letztlich muss auch ein Kälte-Klima-Fachbetrieb, der eine neue Anlage in Betrieb nimmt oder in eine bestehende Anlage Kältemittel nachfüllt, seinem Endkunden die Legalität des von ihm eingesetzten Kältemittels schriftlich bescheinigen, damit dieser wiederum der Gewerbeaufsichtsbehörde den Nachweis vorlegen kann."

In der Praxis muss also jeder Kauf und Verkauf von Kältemitteln deklariert sein. So sind dann unter anderem die Kälte-Klima-Fachunternehmen verpflichtet, ihren Kunden gegenüber, einen schriftlichen oder elektronischen Nachweis zur Herkunft des Kältemittels zu führen. "Damit steigt die Bürokratielast unserer Handwerksbetriebe stark", kritisiert Heribert Baumeister. Außerdem stellt er in Frage, wie jetzt schon überlastete Kontrollbehörden den zusätzlichen Aufwand stemmen wollen. Bisher mangle es zudem noch an der Möglichkeit Kältemittelbehälter eindeutig zu identifizieren und dann einer Rechnung bzw. Lieferung zuzuordnen.

Kälteanlagenbauer wollen Technologiefreiheit

Das Kälteanlagenbauerhandwerk wünscht sich aber nicht nur, dass sich Preise und Handel wieder ändert, sondern auch, dass bei der Umrüstung der Anlagen auf natürliche Kältemittel eine Technologiefreiheit möglich wäre. Denn so würde es nicht zu den Engpässen kommen. "Wir brauchen keine Verbote, sondern müssen unser Fachwissen einbringen dürfen", sagt Heribert Baumeister. So sieht er die erzwungene Umrüstung bestehender Anlagen nicht immer als die klimaschonendste Lösung an. Zwar erzeuge der Verbrauch des natürlichen Kältemittels an sich weniger Emissionen, aber der Energiebedarf über die ganze Lebenszeit einer Anlage insgesamt könne steigen. Unterm Strich komme dann keine bessere Energiebilanz heraus. "Die Anlagen benötigen mit den natürlichen Mitteln eine höhere Antriebsenergie", erklärt er.

Baumeister sieht noch viel Forschungs- und Entwicklungsbedarf, damit der Umstieg bzw. Ausstieg aus den HFKW in Kälteanlagen mit dem Ziel gelingt, wirklich klimafreundlich zu sein. "Wir können Anlagen vielfach so einstellen, dass sie möglichst wenig ausstoßen, aber wir dürfen es nicht", beschreibt er und meint damit, dass er nicht das Kältemittel seiner Wahl nutzen darf. Der Kälteanlagenbauermeister wünscht sich Umweltauflagen, die an Ziele gebunden sind statt an Verbote. "So können wir auch mehr Innovationen auf den Weg bringen", sagt er.

Kältemittel reduzieren: Umweltbundesamt sieht Notwenigkeit für den Klimaschutz

Statt die Engpässe zu kritisieren, lobt das UBA diese allerdings und weist auf die Dringlichkeit des Ausstiegs aus der Nutzung von HFKW hin. Erst kürzlich hat die Behörde eine Beispielrechnung vorgelegt, die zeigt, wie sogar ein schnellerer Ausstieg möglich wäre bzw. welchen Nutzen für das Klima man damit erzielen kann. 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zusätzlich könnten mit einem Ausstieg schon im Jahr 2024 eingespart werden. So ist die F-Gas-Verordnung derzeit in der Überarbeitung. Das UBA schlägt statt der 21 Prozent Restmenge, zehn Prozent vor.

Dass es dann eventuell noch mehr Anlagen geben könnte, die vorzeitig nicht mehr betrieben werden könnten, sei eine logische und klimafreundliche Folge. Vorbereitungszeit hätte die Wirtschaft genug – ob bei einem Ausstieg im Jahr 2024 oder eben wie beschlossen 2030. "Die F-Gas-Verordnung trat 2014 in Kraft. Das sind mittlerweile bereits sieben Jahre, in denen alte Anlagen durch neue ersetzt oder auf andere Kältemittel umgerüstet werden konnten", sagt Daniel de Graaf. Er kritisiert außerdem, dass es in den vergangenen Jahren trotz der beschlossenen Reduzierung sogar zu Neuinstallationen von Anlagen mit synthetischen Kältemitteln kam. "Wir sehen daher das Problem nicht in der Umrüstung bzw. dem Austausch der Anlagen, sondern dem weiteren Zubau von HFKW-Anlagen mit hohem Treibhauspotential des Kältemittels, obwohl Alternativen mit niedrigen Werten wie etwa natürliche Kältemittel zur Verfügung stehen."

Denkt man nun an kritische Bereiche wie die Gesundheitsversorgung oder die Nahrungsmittelproduktion, könnte man meinen, dass hier eine Umrüstung aber dennoch schwierig sein könnte. Doch auch das relativiert der UBA-Mitarbeiter: "Aus unserer Sicht gibt es kaum Bereiche, in denen HFKW-Anlagen oder -Geräte nicht durch solche mit natürlichen Kältemitteln ersetzt werden können", sagt er. Die genannten kritischen Bereiche hätten schon so gut wie alle ihre Anlagen umgerüstet. Hierfür gebe es auch ein passendes Förderprogramm der Bundesanstalt für Ausfuhrkontrolle.