Infektionsgefahr vermeiden Corona: So nutzen Sie Klimaanlagen und Ventilatoren jetzt richtig

Bei hohen Temperaturen sorgen Klimaanlagen und Ventilatoren für eine wohltuende Abkühlung. Aber kann man sie während der Corona-Pandemie gefahrlos nutzen? Die DHZ hat sich umgehört und bei einem Experten aus dem Kälteanlagenbauerhandwerk nachgehakt.

Zum Schutz vor dem Corona-Virus sollten Klimaanlagen regelmäßig gereinigt und gewartet werden. - © astrosystem - stock.adobe.com

Ob in der Werkstatt, dem Büro oder den Geschäftsräumen: Klimaanlagen und Ventilatoren sind an heißen Tagen ein beliebtes Mittel, um für eine angenehme Arbeitsumgebung zu sorgen. In der Corona-Krise stellt sich aber die Frage, ob es gefährlich sein kann, diese Geräte zu nutzen – schließlich warnt das Robert-Koch-Institut auf seiner Website, dass das Virus über sogenannte infektiöse Aerosole übertragbar ist. Dabei handelt es sich um kleine Partikel, die etwa beim Atmen und Sprechen ausgeschieden werden und über längere Zeit in der Luft schweben können.

Auch der Fall Tönnies sorgte 2020 in diesem Kontext für Aufregung: Nach dem Nachweis von massenhaften Corona-Infektionen bei Mitarbeitern des Schlachtbetriebs am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück hatte eine erste Analyse den Verdacht auf die Umluftanlage gelenkt. Doch wie steht es wirklich um die Gefahr einer Virusübertragung durch solche und andere Geräte? Können Klimaanlagen Aerosole über die Luft in Räumen und Gebäuden verteilen?

Dezentrale Klimaanlagen: Filter säubern Luft, Keimverschleppung aber nicht ausgeschlossen

Heribert Baumeister, Bundesinnungsmeister des Bundesinnungsverband des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV), schätzt das Risiko für Infektionsübertragungen durch Klimaanlagen in Deutschland gering ein. In seiner Erklärung unterscheidet er zwischen zwei Modellen raumlufttechnischer Anlagen – den dezentralen und zentralen Klimaanlagen: "Bei dezentralen Klimaanlagen handelt es sich um Klimageräte für einzelne Räume. Hier wird die Raumluft über Filter angesaugt und wieder umgewälzt", so der Experte. Diese einfachen Klimaanlagen werden häufig in kleineren Gebäuden wie Anwaltskanzleien oder Arztpraxen, aber auch in einzelnen Privat- und Geschäftsräumen verwendet.

"Dezentrale Klimaanlagen verfügen meist über eine interne Filtervorrichtung. Keimzahlen in der Luft werden dadurch effektiv reduziert", erklärt BIV-Bundesinnungsmeister Baumeister. Hundertprozentig sei eine Keimverschleppung jedoch nicht auszuschließen. Um die Gefahr zu reduzieren, sollten die Geräte dem Experten zufolge nur mit einer niedrigen Luftgeschwindigkeit betrieben werden: So könne einer weiten Streuung von Keimen vorgebeugt werden.

In diesem Punkt warnt auch das Bundesumweltamt auf seiner Website: "Bei dezentralen Klimageräten, die nur einzelne Räume in einer Wohnung kühlen, kann es zwar konstruktionsbedingt nicht zu einer Verbreitung von Viren in andere Räume kommen. Allerdings können durch die Luftströmungen, welche solche Geräte erzeugen, infektiöse ⁠Aerosole⁠ sich schneller und gleichmäßiger in geschlossenen Räumen verteilen", heißt es. Daher sei der Betrieb dieser Geräte unter bestimmten Bedingungen nicht unkritisch, besonders dann, wenn keine oder nur eine geringe Zuführung von Außenluft erfolge.

Zentrale Klimaanlagen: Raum- und Außenluft werden vermischt

Zentrale Klimaanlagen befinden sich häufig in Kellern oder Dachböden größerer Bauten, z. B. in Krankenhäusern: "Sie verteilen die Luft über Luftkanäle in die verschiedenen Räume", sagt Baumeister. "Dabei werden Raumluft und Luft von außen, also Frischluft, vermischt."

Regelmäßige Wartung wichtig

Baumeister empfindet das Risiko als gering: "Wichtig für einen sicheren Anlagenbetrieb ist, dass Klimaanlagen durch Kältetechniker regelmäßig gewartet, instandgehalten und gereinigt werden". Das betreffe sowohl die zentralen als auch dezentralen Klimaanlagen. Bei der Wartung sollten Handwerker unbedingt eine persönliche Schutzausrüstung aus Schutzkittel, einen FFP3-Mund-Nasenschutz und eine Schutzbrille tragen, da Aerosole oder Staubpartikel, an denen das Corona-Virus gebunden ist, im Filtermaterial eingelagert werden können.

Beim Betrieb zentraler Klimaanlagen seien die jeweiligen Luftanteile entscheidend – das könne laut Baumeister sogar zur Sicherheit vor dem Virus beitragen: "Der Umluftanteil sollte reduziert und der Frischluftanteil erhöht werden."

Das Umweltamt rät zudem: "Besteht keinerlei Möglichkeit, den Frischluftanteil in der Zuluft zu erhöhen, ist es angebracht, Umluftsysteme mit zusätzlichen Filterstufen für Hochleistungsschwebstoff-Filtern (HEPA – H 13 oder H 14) auszustatten und zusätzlich zu lüften".

Was beim Betrieb von Klimaanlagen unter den Rahmenbedingungen der aktuellen Corona-Krise noch beachtet werden sollte, haben drei Fachverbände aus dem Bereich Klimatechnik in einer gemeinsamen Einschätzung und Empfehlung niedergeschrieben:

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Umluftkühlanlage bei Tönnies: keine klassische Klimaanlage

Eine dritte Art von Klimageräten stellen sogenannte Umluftkühlanlagen dar. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) im Juli 2020 berichtete, hatte der Bonner Hygiene-Experte und Wissenschaftler Martin Exner nach einer ersten Analyse die Luftumwälzung im Schlachtbetrieb Tönnies als möglichen Faktor für die dortige Virusausbreitung benannt. "Bei Umluftkühlgeräten handelt es sich jedoch um keine klassischen Klimaanlagen, wie sie in der Regel zum Beispiel in kleineren Unternehmen oder Werkstätten genutzt werden", erklärt BIV-Experte Heribert Baumeister.

Eingesetzt werden diese Anlagen in Bereichen der Lebensmittelverarbeitung. Bei Tönnies wurde mit ihrer Hilfe die Atemluft der in der Zerlegung körperlich hart arbeitenden Mitarbeiter auf sechs bis zehn Grad gekühlt wird, um die Lebensmittel zu schützen. Laut dpa wurde die gekühlte Luft bei Tönnies zunächst ohne Filter zurück in die Halle geführt. Mittlerweile seien aber als Teil eines neuen Hygienekonzepts bessere Filtersysteme für die Umluft in der Produktionshalle eingebaut worden.

Ventilatoren: Verteilen sie das Corona-Virus im Raum?

Bleiben zuletzt noch die Ventilatoren, die vor allem in Büros beliebt sind. Kälteanlagen-Experte Baumeister rät während der Corona-Krise jedoch von einer Nutzung ab. Auch Ute Pohrt, Abteilungsleiterin Gesundheit der Hauptabteilung Prävention bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), warnte bereits im vergangenem Jahr: "Es ist schon möglich, dass durch Ventilatoren die 'Flugweite' infektiöser Tröpfchen erhöht wird."

Für den Virologen Christian Drosten wiederum ist es unter bestimmten Voraussetzungen denkbar, Ventilatoren in der Corona-Krise zwecks eines Luftaustausches einzusetzen. Das erklärte der Experte bereits vor etwas mehr als einem Jahr im NDR-Podcast "Coronavirus Update" vom 12. Mai 2020. Dabei sei jedoch die richtige Position des Geräts entscheidend. Drosten spricht im Podcast über eine mögliche Verwendung von Ventilatoren in Schulen und erklärt in diesem Zusammenhang: "Das Fenster aufmachen und ins Fenster einen großen Ventilator stellen, der die Luft nach draußen befördert, sodass drinnen ein dezenter Luftstrom entsteht." Mit Inhalten von dpa