Im Handwerk hat der Aufschwung 2011 erheblich an Tempo zugelegt und dabei alle Branchen erfasst. 2012 muss der Fuß vom Gaspedal. Ausschlaggebend sind die dämpfenden Effekte, die von der Staatsschuldenkrise ausgehen.
Die Kürzung der Budgets in den europäischen Partnerländern führt nicht nur zu einer gedrosselten Auslandsnachfrage, sondern verunsichert auch Investoren hierzulande. Das Handwerk kommt aber um eine Konjunkturabschwächung herum. Die bisher maßgeblichen Trends behalten ihre Gültigkeit. So bleiben die Zinsen weiter sehr niedrig und begünstigen die Investitionsneigung. Des Weiteren wollen Investoren aus dem In- und Ausland ihr Geld sicher anlegen – bevorzugt in deutschen Immobilien. Drittens ist das Handwerk auf zukunftsträchtigen Märkten gut positioniert, so beim Klimaschutz, der Energieeffizienz, den erneuerbaren Energien, beim altersgerechten Wohnen oder der intelligenten Haustechnik. Schließlich profitieren die konsumnahen Branchen von der Verbrauchskonjunktur, die wiederum durch die gute Beschäftigung abgesichert ist. Alles in allem sollte das Handwerk 2012 den Umsatz leicht ausweiten können. Die Zahl der tätigen Personen dürfte stabil bleiben.
Betriebe stellen ein
2011 lag die Beschäftigung durchweg höher als im Jahr zuvor. Dabei reagierten die Betriebe auf die ausgezeichnete Auftragslage. Zudem schufen die doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen sowie die Aussetzung der Wehrpflicht bessere Möglichkeiten für ausbildungsbereite Unternehmen.
Dennoch blieben in den Statistiken der Bundesagentur 11.000 Lehrstellen unbesetzt. Dies und die hohe Zahl offener Stellen insbesondere in den Elektro- und Metallberufen zeigt das Problem auf, mit dem das Handwerk auch 2012 zu kämpfen haben wird: Ein gewaltiges Potenzial an Beschäftigungswachstum fällt der Demografie zum Opfer. Die volle Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den acht neuen EU-Ländern wird nach bisherigen Erfahrungen keine nennenswerte Zuwanderung von Fachkräften auslösen. Somit wird die Zahl der Personen in den statistisch erfassten Unternehmen bei 4,83 Millionen verharren.
1,5 Prozent Wachstum
Die Umsätze von 2011 haben das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2008 übertroffen. Neben kräftigen konjunkturellen Einflüssen war dafür das Wetter verantwortlich: Im ersten und im vierten Quartal konnte nahezu störungsfrei auf den Baustellen gearbeitet werden. Aber nicht nur deshalb ist die Messlatte für das Handwerk nun extrem hoch. Auch bei den industrienahen Zulieferern und den Kfz-Betrieben vollzogen die Umsätze im Winter 2011 einen Niveausprung.
Trotz vermutlich schwächerer Umsatzzahlen in der ersten Jahreshälfte ist der Aufschwung aber intakt. Hohe Auftragsbestände tragen die Handwerkskonjunktur noch bis weit ins Jahr hinein. Im Sommer wird sich entscheiden, ob die Binnennachfrage robust genug ist, um die Handwerkskonjunktur am Laufen zu halten. Ernsthafte Einschnitte wären zu erwarten, wenn deutsche Firmen und Konsumenten ihre Investitionen und Konsumausgaben in größerem Umfang aufschieben. In den meisten Gutachten zur gesamtwirtschaftlichen Lage wird jedoch damit gerechnet, dass im Jahresverlauf 2012 das Vertrauen in die politische und finanzielle Stabilität der Eurozone zurückkehrt. Auf dieser Basis scheint laut DHZ -Prognose ein Umsatzplus von 1,5 Prozent auf 493 Milliarden Euro in den vom Register erfassten Unternehmen möglich.
Vorsichtiger mit Investitionen
Die Investitionen haben 2011 um über 6 Prozent zugelegt. 2012 werden die Handwerksfirmen ihr Budget erneut ausweiten, auf 13,9 Milliarden Euro. Das Tempo wird jedoch spürbar auf 2 Prozent gedrosselt. Insbesondere das Interesse an Erweiterungen dürfte nachlassen, da die Kapazitäten wieder häufiger ausreichen.
Finanzierungsprobleme spielen eine untergeordnete Rolle. Nach Einschätzung der von der KfW befragten Verbände hat ein Unternehmen mit durchschnittlicher Bonität keine Schwierigkeiten, Kredit zu erhalten. Außerdem können Handwerksfirmen bei der Investitionsfinanzierung immer öfter auf eigene Mittel zurückgreifen. Generell setzen die anhaltend niedrigen Zinsen positive Anreize.
Druck auf die Erträge
Nach Meinung vieler Experten hat das Handwerk im vergangenen Jahrzehnt seine Eigenkapitalreserven aufgestockt. Auch im Boomjahr 2011 konnten nach Schätzung der Auskunftei Creditreform 30 Prozent der Mittelständler ihre Gewinne ausbauen, nur 18 Prozent verzeichneten Einbußen.
Im laufenden Jahr dürfte dieser Prozess nicht so einfach fortzuführen sein. Zum einen schwinden die Spielräume bei der Preisgestaltung, zum anderen hält die teils kräftige Verteuerung beim Einkauf an. Insbesondere die Energiekosten dürften auch 2012 die Erträge belasten.
Als ein Beispiel ist der nachhaltig gestiegene Preis für Dieselkraftstoff zu nennen. Großen Unmut erzeugt auch die neue Verordnung für Stromnetzentgelte, die Privathaushalten und gewerblichen Mittelständlern zusätzliche Belastungen beim Strompreis aufbürdet. Dagegen führen die Anpassungen der Renten- und der Pflegeversicherungsbeiträge zu einer per Saldo minimalen Entlastung der Betriebe. we/los