Kleine Schritte in den Abgrund

Der Ablauf eines Burn-outs folgt einem bestimmten Schema

Kleine Schritte in den Abgrund

Am Anfang steht immer die Begeisterung. Ein Mensch setzt sich für seine Aufgabe ein, mehr noch, als von ihm erwartet wird. Er brennt für sein Projekt. Daher auch der Name Burn-out (deutsch: ausbrennen). Wer zu sehr für seine Aufgabe brennt, verzichtet auf Freizeit und Ausgleich, der Betroffene hält sich zunehmend für unentbehrlich. Er arbeitet an Wochenenden und abends, geht nicht in Urlaub und vernachlässigt seine sozialen Kontakte.

An Stelle der anfänglichen Begeisterung rückt Stress und eine zunehmende Distanz zur Arbeit. Gegenüber Kollegen oder Kunden ist der, dem vorher nichts zu viel war, immer mehr gereizt. Schon jetzt kann der Betroffene leichter und häufiger zu Suchtmitteln greifen. Auch ekzessiver Sport zählt dazu. Wegen der Dauerbelastung unterlaufen dem Betroffenen Fehler, die er früher nicht gemacht hätte. Er ist unkonzentriert, kann Wichtiges nicht von Unwichtigem unterscheiden, trifft keine Entscheidungen mehr.

Dazu kommen körperliche Symptome, häufigere Erkältungen, Schlafstörungen, Kopf- oder Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme, ein Unwohlsein, das auch von einem Nachlassen der sexuellen Bedürfnisse begleitet ist.

Im Endstadium ist der Betroffene körperlich und seelisch vollkommen erschöpft. Er steht seiner Aufgabe zynisch und distanziert gegenüber und behandelt seine Mitmenschen wie Dinge (Depersonalisierung). Er empfindet sein Handeln als wirkungs- und aussichtslos. Die Folge sind häufig Depression und Selbstmordgedanken beziehungsweise der körperliche Zusammenbruch.

Ein Burn-out resultiert nie nur aus Fehlbelastungen bei der Arbeit. Es sind immer auch persönliche Eigenschaften des Betroffenen wie seine Ausbildung, seine körperliche und psychische Grundverfassung sowie Alter und Geschlecht, die eine Erkrankung begünstigen. Experten schätzen, dass die Ursachen aus dem Arbeitsumfeld etwa 40 Prozent ausmachen, knapp 30 Prozent liegen demnach in gesellschaftlichen Entwicklungen, der Rest im Freizeitverhalten.

Rahmenbedingungen bei der Arbeit, die ein Burn-out fördern:

  • immer mehr und immer höhere Anforderungen,
  • häufiger oder dauerhafter Zeitdruck,
  • Arbeitszeiten, die sich „verselbstständigen“,
  • widersprüchliche Aufgaben,
  • unklar verteilte Kompetenzen, daraus resultierend Doppelarbeit,
  • Verantwortung für Ziele, auf deren Erfolg man keinen Einfluss hat,
  • wenig Selbstständigkeit und Gestaltungsfreiheit,
  • starre Strukturen,
  • fehlende soziale Unterstützung oder Anerkennung der Leistung,
  • fehlender körperlicher und geistiger Ausgleich,
  • schlechtes Arbeitsmaterial,
  • häufige Unterbrechungen bei der Arbeit.

Persönliche Aspekte, die ein Burn-out wahrscheinlicher machen:

  • schlechtes Selbstwertgefühl,
  • Nichtbeachten der eigenen Bedürfnisse,
  • Neigung zur Selbstaufgabe zugunsten von anderen.

Warnzeichen im eigenen Betrieb:

  • hoher Krankenstand und Mitarbeiter, die nicht voll einsatzfähig sind,
  • starke Fluktuation,
  • Qualitätsprobleme,
  • schlechtes Betriebsklima, häufige Konflikte und Mobbing,
  • mangelnde Kommunikation.

bst