Nachfolge im Handwerk Kleine Betriebe werden seltener übernommen

Die Zahl der Übernahmen steigt, Nachfolge ist immer noch männlich dominiert und die Unternehmen werden größer. Das sind drei Ergebnisse des Nachfolgemonitors 2022 vom Verband Deutscher Bürgschaftsbanken, Creditreform und Zentralverband des Deutschen Handwerks. Doch wie erfolgreich sind eigentlich Übernehmer?

zwei Frauen, Kolleginnen
Der durchschnittliche Frauenanteil bei den Übernehmerinnen liegt nur bei 16 Prozent. - © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Die Zahl der Betriebsübergaben im Handwerk ist in der Zeit von 2014 bis 2021 fast kontinuierlich gestiegen. Das hat eine Studie der FOM Hochschule für Ökonomie und Management in Essen ergeben. Auffällig dabei ist: Die übernommenen Unternehmen werden größer und dabei profitabler als in den Jahren zuvor. Die durchschnittlichen Umsatzerlöse liegen bei rund zwei Millionen Euro, der Gewinn vor Zins und Steuern hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt.

Frauenanteil im Handwerk immer noch klein

Weitere Ergebnisse: Handwerksbetriebe werden hauptsächlich (84 Prozent) von Männern übernommen. Der Anteil der Nachfolgerinnen liege damit bei 16 Prozent und damit deutlich unter der Quote anderer Wirtschaftszweige, die einen durchschnittlichen Frauenanteil von 25 Prozent verzeichnen.

Je nach Branche und Region weicht das Übergabealter der Betriebsinhaber deutlich voneinander ab. Das Durchschnittsalter liegt bei 63,6 Jahren. Die Hälfte der Übergebenden ist zwischen 60 und 67 Jahren alt. 50 Prozent der Übergebenden sind bereits 63 Jahre oder älter.

Das Durchschnittsalter der Übernehmer liegt bei 38,3 Jahren. Insgesamt verteilen sich die neuen Besitzer aber stärker auf verschiedene Altersgruppen. 40 Prozent dieser Gruppe sind mindesten 40 Jahre alt.

Bau und Ausbau führt die Liste an

Die meisten Nachfolgen gibt es mit 35 Prozent im Bau- und Ausbaugewerbe. Hier dominieren Branchen wie Sanitär Heizung Klima sowie Elektroinstallation. Das verarbeitende Gewerbe folgt mit 27 Prozent und umfasst viele kleine Branchen. Aus der Menge der Betriebe ragen weitere Branchen hervor, die anteilig hohe Übernahmen verzeichnen. Das sind Autowerkstätten, Friseursalons und Augenoptiker.

Ein Großteil der Studie widmet sich der Frage, wo die Übernehmenden herkommen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Zahl der Nachfolger in den vergangenen acht Jahren um 60 Prozent angestiegen ist. Trotz der Pandemie ist 2021 das Jahr mit den meisten Übernehmenden. Die Autoren werten diese Entwicklung als ein Indiz für die zunehmende Zahl an Übergaben insgesamt sowie als Hinweis darauf, dass die Zielgruppe eine Selbstständigkeit im Handwerk weiterhin als Karriereoption begreift - hierbei aber vor allem in zentraleren Lagen.

Größere Unternehmen bevorzugt

Gewachsen ist ebenso der Anteil an Frauen, die einen Betrieb übernehmen. Dieser lag im vergangenen Jahr bei 22 Prozent. Der Durchschnitt über den Beobachtungszeitraum liegt allerdings nur bei 16 Prozent. In der Studie heißt es, dass Neugründungen unter Frauen als attraktiver wahrgenommen werden. Das liege eventuell daran, dass Frauen kreativere Handwerksberufe wie Maßschneiderin oder Konditorin bevorzugen und ein geschäftlicher Erfolg somit sehr viel stärker von der Inhaberin abhängig sei.

Wer ein erfolgreiches Unternehmen führt, findet normalerweise auch schneller einen Nachfolger. Doch wie erfolgreich sind eigentlich die Übernehmer? Auch das hat die Studie untersucht. Dazu muss man wissen, dass größere Unternehmen von Nachfolgern bevorzugt werden. Die große Masse der Betriebe mit 80 Prozent hat maximal neun Mitarbeiter. Ihr Anteil an den Nachfolgen mache jedoch nur 50 Prozent aus. Gleichzeitig dominiert die Rechtsform der GmbH bei den Übernahmen. Die Autoren schließen daraus, dass der Nachfolgemarkt sich von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt wandelt. Die weiterhin knappe Zahl an Übernehmenden sind in einer zunehmend besseren Situation.

Umsätze steigen, Gewinne stagnieren

Für die Geschäftsentwicklung haben sich die Autoren den Umsatz sowie den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) der Unternehmen jeweils zwei Jahr vor und zwei Jahre nach der Übernahme angeschaut. In den Jahren vor der Übergabe gibt es demnach kaum nennenswerte Umsatzverluste. Wachstum allerdings auch nicht. Der EBIT entwickelt sich uneinheitlich. Im Durchschnitt aller Jahre im Beobachtungszeitraum habe sich das EBIT vor der Übergabe kaum verändert. Es gebe jedoch je nach Übergabejahr und Branche deutliche Unterschiede.

Bei den Kennzahlen im Zeitraum nach der Übergabe stellt sich die Lage etwas anders dar. Die Umsatzerlöse zum Beispiel lagen nach Übernahme im Durchschnitt um 60 Prozent über dem Niveau von zwei Jahren vor der Übergabe. Nahezu 75 Prozent aller Handwerksunternehmen hatte einen Umsatzzuwachs zu verzeichnen. Beim Gewinn sind die Unterschiede nicht so groß. Nach starken Ausschlägen in den Jahren 2014 und 2015 habe es kaum nennenswerte Veränderungen gegeben. Durchschnittlich haben die Unternehmen im Zeitpunkt der Übergabe weniger Gewinn erzielt. Nach der Übergabe hat sich die Situation stabilisiert.

Methodik

Der Nachfolgemonitor ist eine quantitative Studie, die auf Daten der 16 Bürgschaftsbanken basiert. Weitere Quellen sind Creditreform Rating sowie das Statistische Bundesamt. Die Studie untersucht tatsächlich durchgeführte Unternehmensnachfolgen. Für die Sonderausgabe Handwerk wurden Übernahmen aus den Jahren 2014 bis 2021 untersucht. Da bei allen Übernahmen die Leistungen von Bürgschaftsbanken in Anspruch genommen wurden, gehen die Autoren davon aus, dass die Daten aufgrund finanziell schwieriger Umstände verzerrt sind. Die Ergebnisse seien deswegen nicht repräsentativ für das gesamte Nachfolgegeschehen des Handwerks. Untersucht wurden 2615 Übernahmen.