Pilotstudie Klarsichtmasken sind als Infektionsschutz wirkungslos

Kunststoffschild statt Stoffmaske? Keine gute Idee, fanden Forscher an der Hochschule München jetzt heraus. Vor allem in geschlossenen Räumen raten sie dringend von einer Verwendung ab. Das gilt für sämtliche Modelle, die eine Lücke zwischen Gesicht und Maske lassen. Welcher Mund-Nasen-Schutz sich stattdessen empfiehlt.

Max Frehner

Aerosolausbreitung beim Ausatmen durch die Nase: Die Versuchsperson atmet dabei gleichmäßig durch die Nase aus, ohne sich zu bewegen oder zu sprechen – © Christian Schwarzbauer

Hinter der Wursttheke, in der Bäckerei, im Friseursalon – wo Maskenpflicht herrscht, konnte in den vergangenen Monaten eine bunte Vielfalt an Mund-Nasen-Bedeckungen beobachtet werden. Neben Stoff- und FFP-Masken haben sich vielerorts auch Modelle mit Plastikvisier etabliert. Ihr Vorteil: sie sind angenehmer zu tragen und lassen meist auch die Mimik des Trägers erkennen. Doch so schön ein Lächeln gerade in Coronazeiten sein mag – Schutz vor einer Infektion bieten die Gesichtsvisiere nicht, wie Forscher an der Hochschule München jetzt herausfanden.

Plastikmaske hält Aerosole nicht zurück

Untersucht wurde eine Plastikmaske, die einen deutlichen Spalt zwischen Gesicht und Maske lässt. Das Team um Christian Schwarzbauer testete zunächst, inwiefern sich Aerosole ausbreiten, wenn die Versuchsperson gleichmäßig durch die Nase ausatmet, ohne sich zu bewegen oder zu sprechen. Das Ergebnis: Zunächst strömt das Aerosol entlang des Körpers nach unten – „wie das auch vom Hersteller beworben wird“, heißt es in der Mitteilung der Hochschule. Kurz darauf wird das Aerosol allerdings nach vorne umgelenkt und dehnt sich dann weit in den Bereich vor der Versuchsperson aus. „Eine direkt gegenübersitzende Person wäre dadurch dem ausgeatmeten Aerosol direkt ausgesetzt“, schreiben die Forscher. Gut zu erkennen sei auch, dass das Aerosol während der Ausbreitung zunehmend nach oben steigt, was durch den typischen Temperaturunterschied zwischen ausgeatmeter Luft und Raumluft begünstigt wird.

Aerosolausbreitung beim Husten. Die Versuchsperson geht durch den Raum und hustet dabei mehrmals.

In einem zweiten Test bat das Forscherteam die Versuchsperson, durch den Raum zu gehen und dabei zu husten. Trotz Klarsichtmaske konnte dabei eine besonders starke Ausbreitung des Aerosols beobachtet werden. Durch mehrmaliges Husten entsteht eine ausgedehnte Aerosolwolke, die sich unmittelbar danach weiter im Raum ausdehnt. „Die Ausbreitung des Aerosols erfolgt dabei relativ schnell“, schreiben die Forscher. Die beiden Bilder wurden demnach im Abstand von nur zwei Sekunden aufgenommen. „Sitzende Personen auf den Stühlen im Hintergrund wären einer hohen Aerosolkonzentration ausgesetzt, vor allem im Bereich des Gesichts und Oberkörpers.“

Klarsichtmasken bieten keinen wirksamen Schutz

Die Ergebnisse der Pilotstudie zeigen: Klarsichtmasken mit einem Spalt zwischen Plastik und Gesicht führen dazu, dass Personen in der Nähe den Aerosolen ausgesetzt werden und sich somit mit dem Coronavirus infizieren können. „Ohne Zweifel sind diese Masken angenehm zu tragen, einen wirksamen Schutz vor Infektionen bieten sie allerdings nicht.“ Insbesondere in geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel in Schulen, Kitas, Büros oder öffentlichen Verkehrsmitteln, sei von der Verwendung solcher Lösungen dringend abzuraten, ergänzt Christian Hanshans, Professor für medizinische Grundlagen und Medizintechnik an der Hochschule München, der diese Studie als Mediziner und Projektingenieur begleitete.

Nur in Kombination mit Mund-Nasen-Maske sinnvoll

Weder Fremd- noch Eigenschutz bieten demnach auch andere Modelle aus Kunststoff, die nicht durchgängig am Gesicht anliegen.  Das sieht auch das das Robert-Koch-Institut (RKI) so: „Die Verwendung von Visieren kann nach unserem Dafürhalten nicht als gleichwertige Alternative zur Mund-Nasen-Bedeckungen angesehen werden“. Entsprechende Modelle könnten in der Regel „maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen“ und taugen damit nicht als Fremdschutz. Sinnvoll ist das Gesichtsvisier nur dann, wenn es zusätzlich zur Mund-Nasen-Maske getragen wird. Da eine Infektion mit dem Coronavirus zumindest theoretisch auch über die Bindehaut der Augen möglich ist, kann ein Visier hier – ähnlich wie eine Brille – zusätzlichen Schutz bieten. Ein weiterer Vorteil sogenannter Face-Shields: Man fasst sich seltener ins Gesicht.

Besten Schutz bieten Atemschutzmasken der Klassen FFP2 oder FFP3

Auch viele Alltagsmasken schließen am Rand nicht luftdicht ab, können durch ihre Filterleistung aber zumindest die Geschwindigkeit des Atemstroms sowie die Tröpfchenabgabe reduzieren. Den besten – wenn auch keinen hundertprozentigen – Schutz bieten geprüfte Atemschutzmasken der Klasse FFP2 oder FFP3. Anders als Mund-Nasen-Bedeckungen oder chirurgische Masken, die in erster Linie die Mitmenschen schützen, bieten diese dem Träger selbst Schutz vor Krankheitserregern wie dem Coronavirus.

Kostenlose Ausgabe von FFP2-Masken an Corona-Risikogruppen

Seit dem 15. Dezember lässt die Bundesregierung kostenfrei jeweils drei FFP2-Masken an Menschen ab 60 Jahren und andere Corona-Risikogruppen verteilen. Die Ausgabe erfolgt in den Apotheken. Bei der Abholung reicht ein Personalausweis – oder eine glaubwürdige Eigenauskunft, warum man zur Risikogruppe gehört.

Ein Anspruch auf FFP2-Masken besteht, wenn eine dieser Erkrankungen oder Risikofaktoren vorliegt:

  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma
  • Chronische Herzinsuffizienz
  • Chronische Niereninsuffizienz (Stadium = 4)
  • Demenz oder Schlaganfall
  • Diabetes (Typ 2)
  • Krebserkrankung oder stattfindende Chemo- oder Radiotherapie
  • stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation
  • Trisomie 21
  • Risikoschwangerschaft

Die 5 wesentlichen Merkmale zertifizierter FFP-Atemschutzmasken

Woran sich zertifizierter und damit sicherer Atemschutz grundsätzlich erkennen lässt, veranschaulicht das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) in diesem Übersichtsplakat.

Woran sich zertifizierter und damit sicherer Atemschutz grundsätzlich erkennen lässt, hat das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) kürzlich noch einmal zusammengefasst. „Es gibt fünf wesentliche Merkmale, die auf eine zertifizierte Maske hinweisen“, sagt Peter Paszkiewicz, Leiter der Prüf- und Zertifizierungsstelle im IFA. Besonders wichtig sei demnach die CE-Kennzeichnung der Maske, der immer eine vierstellige Kennnummer folgen muss. Sie steht für die Stelle, die eine jährliche Überwachungsmaßnahme durchführt. Daneben brauche es zwingend einen Hinweis auf die Schutzklasse FFP2 oder FFP3. Die ergänzenden Buchstaben R bzw. NR seien für die Wiederverwendbarkeit am Arbeitsplatz relevant, so Paszkiewicz. Zudem seien Herstellername und Produktbezeichnung ein Muss. Und auch die Angabe der Europäischen Norm EN 149, nach der die Maske geprüft wurde, dürfe nicht fehlen. Dies seien verpflichtende Kennzeichnungen, die auf jeder zertifizierten Atemschutzmaske anzubringen sind.

Daneben sind auch produktbegleitende Dokumente gute Indizien für eine regulär zugelassene Maske. Denn die sind gesetzlich gefordert, erläutert Paszkiewicz. Zu ihnen zählen das Zertifikat, die Gebrauchsanleitung in deutscher Sprache und die sogenannte Konformitätserklärung. Paszkiewicz: „Es wird immer Ausnahmen geben, aber grundsätzlich gilt: Sind alle genannten Merkmale vorhanden, haben wir es sehr wahrscheinlich mit einer zertifizierten Maske zu tun, die verlässlichen Schutz bietet.“

Darauf ist bei CPA-Masken zu achten

Neben den FFP-Masken gibt es noch sogenannte CPA-Masken (Corona-Pandemie-Masken). Diese sind ebenfalls in der Lage, Aerosole sowie Viren zu filtern, haben allerdings kein CE- beziehungsweise EN 149-Zeichen. Stattdessen sind sie beispielsweise mit KN95 oder GB2626 gekennzeichnet. Wichtig bei CPA-Masken: Es sollte vor Verwendung geprüft werden, ob sie die vereinfachten Prüfungsgrundsätze der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) erfüllen. Denn es gelangen auch immer wieder Masken in den Handel, die keinerlei Prüfungen nach EU-Norm besitzen und die aus Sicherheitsgründen nicht verwendet werden sollen. Die Redaktion von Haufe.de nennt vier Punkte, auf die bei CPA-Masken geachtet werden sollte:

  • Das Produkt muss als Corona-Virus Pandemie Atemschutzmaske (CPA) oder als Pandemie-Atemschutzmaske gekennzeichnet sein und zwar auf der kleinsten Verpackungseinheit bzw. auf der Maske selbst
  • Die Masken dürfen keine Doppelkennzeichnung wie etwa ein CE-Zeichen und eine KN95-Kennzeichnung aufweisen
  • Die Masken dürfen nicht umetikettiert sein
  • Die Masken müssen dieselbe Bezeichnung wie die Verpackung haben