Zulassungsschub im Dezember erwartet "Kfz-Zulassungsstellen müssen geöffnet bleiben"

Ab 2023 gibt es weniger Fördergelder für E-Autos. Für Käufer beginnt deshalb ein Wettlauf mit der Zeit. Fahrzeuge müssen noch vor Jahreswechsel zugelassen werden. Das Kfz-Gewerbe dringt auf geöffnete Zulassungsstellen – auch zwischen den Feiertagen.

Weißes E-Auto-Symbol auf Parkplatz
Wer von der vollen Förderung für E-Autos profitieren möchte, muss sein Fahrzeug noch bis Jahresende zulassen. - © redaktion93 - stock.adobe.com

Wer zum Ende des Jahres noch schnell ein Elektroauto kaufen will, muss mit Frust rechnen und könnte womöglich Geld verlieren. Davor warnen der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Da der Umweltbonus für Plug-in-Hybride zum 31. Dezember ausläuft und reine Elektroautos ab dem 1. Januar 2023 weniger stark gefördert werden, dürfte der Andrang auf die Kfz-Zulassungsstellen im Dezember sehr hoch sein. Denn nur wer sein Auto bereits zugelassen hat, kann den Online-Förderungsantrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellen. Und auch das muss noch in diesem Jahr geschehen.

Kfz-Zulassungsstellen müssen geöffnet bleiben

„Alle Hersteller und Importeure versuchen, so viele Fahrzeuge wie möglich auszuliefern“, sagt ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. „Daher ist es für die Händler und die Kunden extrem wichtig, dass auch die Kfz-Zulassungsstellen insbesondere zwischen Weihnachten und Neujahr geöffnet sind.“ Genau darum bitten die Hersteller und Händler in einem Brief an die kommunalen Spitzenverbände, der dem Handelsblatt vorliegt: „Nur so kann sichergestellt werden, dass die Kundinnen und Kunden in vollem Umfang von der Förderung von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb Gebrauch machen können.“

Keine Hilfe von Habeck

Demnächst will das Bundeswirtschaftsministerium die neue Förderrichtlinie im Bundesanzeiger veröffentlichen. Diese soll dann ab Januar gelten. Obwohl Probleme bei den Zulassungsbehörden zum Jahresende abzusehen sind, will das Haus von Bundesminister Robert Habeck das geltende Genehmigungsverfahren nicht ändern und keine Kulanzregelung zusagen.

Anzahl gekaufter E-Autos sinkt

Bis Ende Oktober wurden laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle 1,55 Millionen Fahrzeuge mit alternativem Antrieb verkauft, zugelassen und bezuschusst. Davon sind 875.000 reine Elektroautos, 671.000 Plug-in-Hybride und 319 Brennstoffzellenfahrzeuge. „Wir erwarten, dass in diesem Jahr insgesamt rund 2,55 Millionen neue Pkw zugelassen werden“, sagt Peckruhn. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein Rückgang von etwa 2,8 Prozent. Das sei der niedrigste Wert seit der Wende.

Trübe Prognosen für 2023: "Dürrezeit für E-Autos"

Im nächsten Jahr geht der ZDK von rund 2,6 Millionen neuen Pkws aus. „Ein großer Sprung in den Zulassungszahlen ist nicht zu erwarten. Denn der Anreiz zur Anschaffung eines reinen E-Fahrzeugs sinkt wegen der geänderten Förderungsbedingungen und wegen des kompletten Wegfalls der Förderung von Plug-in-Hybriden“, erläutert Peckruhn. Auch die wirtschaftliche Lage mit den allgemeinen Preissteigerungen, hohen Fahrzeugpreisen sowie die massiv gestiegenen Kraftstoff- und Energiekosten trüge dazu bei.

Das Center Automotive Research (CAR) warnt, dass der Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bald sogar zusammenbrechen könnte. Der Auto-Experte und CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer rechnet für das Jahr 2024 nur noch mit 362.000 verkauften E-Autos nach rund 720.000 Verkäufen im laufenden Jahr. Der Marktanteil der Stromer würde sich von aktuell 27,8 Prozent auf 14 Prozent nahezu halbieren. „In Deutschland kündigt sich für das Elektroauto eine Dürrezeit an“, stellt Dudenhöffer fest. ptr