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Kredite Kfz-Betriebe fordern besseres Hilfspaket

Die Autohäuser sind geschlossen, Kfz-Unternehmer sprechen von einer Katastrophe. Der ZDK dringt auf Ergänzungen am Hilfspaket. Auch Handwerkspräsident Wollseifer macht sich Sorgen, dass zu viel Zeit verstreichen könnte, bis Hilfe ankommt.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

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Der Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes Bayern, Albert Vetterl, geht davon aus, dass Ausgangsbeschränkungen dazu führen dürfen, "dass die Umsatzeinbußen für die Innungsbetriebe größer werden". Das Instrument der Kurzarbeit werde in der nächsten Zeit vermehrt genutzt werden. Laut dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) ist die aktuelle Situation für viele Autohändler eine Katastrophe, weil sie die verkaufsstarke Frühjahrssaison trifft. Kundenveranstaltungen können nicht stattfinden, der stationäre Verkauf ist untersagt. Dies führt zu erheblichen Umsatzausfällen, die sich abhängig von der Dauer der Krise für viele Unternehmen existenzbedrohend auswirken werden. "Die betroffenen Unternehmen werden auf die Inanspruchnahme der KfW-Unterstützungsprogramme angewiesen sein, um Pleiten zu vermeiden und die Mobilitätsdienstleistungen für die Kunden auch weiterhin bereitstellen zu können“, sagte ZDK-Präsident Jürgen Karpinski.

In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bittet er darum, Ergänzungen am Hilfspaket der Bundesregierung vorzunehmen, damit den betroffenen Autohäusern und Kfz-Betrieben schnell und unbürokratisch geholfen werden kann. Seine Vorschläge:

Die KfW übernimmt 100 Prozent des Ausfallrisikos. Die Hausbanken werden nicht mit einem eigenen Ausfallrisiko belastet und brauchen damit auch keine eigene Bonitätsprüfung durchzuführen.

• Der Verzicht auf eine Bonitätsprüfung durch die KfW wird auf Kredite von bis zu 10 Millionen Euro erweitert. Bei Krediten bis zu 50 Millionen Euro reicht ein vereinfachter Nachweis nach dem Fast-Track-Verfahren.

• Im Rahmen des Fast-Track-Verfahrens wird die Grenze eines schädlichen Umsatzrückgangs oder Ertragsrückgangs auf 50 Prozent erhöht. Veränderungen im Gesellschafterkreis durch Nachfolgeregelungen stellen kein Ausschlusskriterium dar.

• Die über die KfW gesicherten Kredite werden mit einem qualifizierten Rangrücktritt durch die Hausbank versehen. Durch diese Maßnahme können die Darlehen im Rahmen einer Überschuldungsbilanz wie Eigenkapital behandelt werden. Hierdurch bleiben die Unternehmen nicht nur zahlungsfähig, es wird auch das Risiko einer Überschuldung deutlich verringert.

Die Berücksichtigung dieser Vorschläge werde zum Fortbestand der überwiegend kleinen und mittelständischen Kfz-Unternehmen beitragen, so Jürgen Karpinski im Brief an Minister Altmaier. Briefe mit vergleichbarem Inhalt haben auch der Volkswagen-Audi-Partnerverband (VAPV) und der Verband der Mercedes-Benz Vertreter (VMB) an den Bundeswirtschaftsminister geschickt.

Wollseifer sorgt sich um mittelgroße Betriebe

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), macht sich Sorgen, dass die Nothilfe zu spät bei den Betrieben ankommt. "Es ist gut und geboten, dass angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Einbrüche nun auch der Bundestag dem Corona-Hilfspaket im Eilverfahren und einem wahrhaft beeindruckenden Tempo zustimmt und es auf den Weg bringt. Schnelligkeit ist das Gebot der Stunde." Tempo sei in dieser Krise unabdingbar, weil sich viele Betriebe bereits jetzt in einer ihre E xistenz bedrohenden Situation befänden. "Die Zeit drängt, will man das Schlimmste abwenden und so viele Betriebe und Arbeitsplätze wie möglich über die Krise retten. Es geht bei vielen Betrieben um Tage und längst nicht mehr um Wochen."

Die Politik habe das verstanden und reagiere darauf in einer bislang noch nie gezeigten und nicht vorstellbaren Geschwindigkeit. "Das ist absolut richtig, aber wird nur dann wirken können, wenn nun auch Verwaltung, Institutionen, Behörden wie auch Banken diese politischen Beschlüsse genauso schnell umsetzen." Soforthilfe sei indes nur eine Soforthilfe, wenn sie auch sofort kommt.

Um zu verhindern, dass mittelgroße Betriebe durch das Förderraster fallen, warnte der ZDH-Präsident davor, Zuschusshilfen nur für Betriebe bis zu zehn Beschäftigten vorzusehen. Keinesfalls dürften überdies Zuständigkeitsstreitereien zwischen Bund und Ländern die Auszahlung von Hilfen verzögern. Bund und Länder müssten sich schnellstmöglich darauf verständigen, dass Hilfen kombinierbar sei und aus einer Hand kämen: Ein Antrag und eine Auszahlungsstelle. "Zögerliches Agieren oder umständliche Antragsverfahren können wir uns nicht leisten, es würde das Ende für viele Betriebe und Arbeitsplätze bedeuten“, sagte Wollseifer. str

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