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Steuertipp Kann der Sitz des Auftraggebers eine erste Betriebsstätte sein?

Hat Ihr Handwerksbetrieb nur wenige Auftraggeber und bei einem davon sind Sie als Unternehmer wegen unzähliger Aufträge praktisch jeden Tag in dessen Einrichtung tätig? Dann kann es passieren, dass das Finanzamt unterstellt, dass Sie in der Einrichtung des Kunden Ihre erste Betriebstätte haben. Eine steuerliche Feststellung, die Sie nicht einfach so hinnehmen sollten.

Nutzen Sie für Fahrten ein betriebliches Fahrzeug, machen Sie erst einmal alle Pkw-Kosten als Betriebsausgaben geltend. Im zweiten Schritt ermitteln Sie einen Korrekturbetrag für die Privatnutzung, die Sie Ihrem Gewinn wieder hinzurechnen müssen. Im dritten Schritt ermitteln Sie die Kosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Büro und vergleichen diese mit der Entfernungspauschale. Liegen die tatsächlichen Fahrtkosten für die Fahrten zum Büro über der Entfernungspauschale, liegen in Höhe des Differenzbetrags nicht abziehbare Betriebsausgaben vor.

Entfernungspauschale bei Fahrten zum Auftraggeber

Unterstellt das Finanzamt nun, dass die Einrichtung des Auftraggebers Ihre erste Betriebsstätte ist, dürfen alle Fahrten dorthin nur mit der Entfernungspauschale als Betriebsausgabe abgezogen werden. Sind Sie praktisch die ganze Zeit über bei dem Auftraggeber, werden die Finanzämter diese Feststellung treffen und auf ein Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf verweisen (Urteil v. 11.3.2019, Az. 9 K 1960/17 E,G).

Steuertipp: Haben Sie selbst noch eigene Büroräume und haben Sie in der Einrichtung des Auftraggebers keine Verfügungsmacht über bestimmte Räume, sollten Sie die Unterstellung des Finanzamts nicht akzeptieren. Legen Sie gegen nachteilige Steuerbescheide Einspruch ein und beantragen Sie das Ruhen des Einspruchsverfahrens. Hintergrund: Der Bundesfinanzhof muss in dieser Angelegenheit nun in einem Revisionsverfahren ein Machtwort sprechen (BFH, Az X R 14/19). dhz

Weitere Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv.

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