Lehrlingsmangel Kampagne auf TikTok: Handwerkskammer gibt Azubis das Wort

Die Corona-Pandemie hat die schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt noch verschärft. Mit einer neuen Kampagne auf TikTok will die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald nun ein Zeichen setzen und den Trend umkehren.

Die Handwerkskammer startet ihre Azubi-Kampagne auf TikTok. - © tashatuvango - stock.adobe.com

Unter dem Motto "Das isses!", und dem Hashtag #entdeckedeineleidenschaft ist eine neue Ausbildungskampagne der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald gestartet. Künftige Azubis sollen über digitale Kanäle auf Augenhöhe angesprochen und ihnen ein authentisches Bild vom Handwerk und seinen Berufen vermittelt werden.

Ganz bewusst haben sich die Projektbeteiligten entschieden, die ersten Videoclips auf dem bei jungen Leuten beliebten Kanal Tik Tok zu zeigen. Echte Azubis, die selbst vor kurzem ihre Berufsentscheidung getroffen haben, sprechen über ihre Leidenschaft, geben wertvolle Tipps und motivieren, das Handwerk einfach auszuprobieren. "Wir wollen keine Role Models und keine gekauften Influencer, die sich nicht mit dem Handwerk identifizieren. Uns ist es ganz wichtig Menschen zu zeigen, die wirklich im Handwerk sind", sagt Jens Brandt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Abwärtstrend stoppen

Die Kampagne ist eine Reaktion auf die seit Jahren sinkenden Ausbildungszahlen im Handwerk, von denen auch die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald stark betroffen ist. So zählte die Kammer vor zehn Jahren noch mehr als 5.200 Lehrlinge in einem Ausbildungsverhältnis. Aktuell sind es weniger als 4.300. Das ist ein Rückgang von mehr als 17 Prozent. Die Corona-Pandemie beschleunigte den Abwärtstrend in den vergangenen zwei Jahren zusätzlich. "Wir haben erkannt, dass eine Kehrtwende nötig ist und wir neue und verschiedene digitale Kanäle nutzen müssen, um die potenziellen Auszubildenden zu erreichen", sagt Klaus Hofmann, Präsident der Handwerkskammer.

Die Kampagne ist aus Sicht der Verantwortlichen gut angelaufen, auch wenn es noch zu früh ist eine Bilanz zu ziehen. Die Wahrnehmung der Videos auf Tik Tok wird mit Unterstützung von Experten genau ausgewertet und entsprechend der Ergebnisse soll die Kampagne auf weitere Kanäle ausgeweitet werden. "Uns ist es wichtig, dass die Initiative lebendig ist, verschiedene Inhalte zeigt und in Bewegung bleibt", ergänzt Hofmann. Ein erster Erfolg wäre es, die Ausbildungszahlen zunächst zu stabilisieren bevor eine Trendwende angestrebt wird. Damit das gelingt, muss die Ansprache vom Digitalen ins Analoge verlängert werden, sind sich die Projektbeteiligten einig. Ein "Das isses!"-Mobil steuert die Schulhöfe an und lädt mit Hilfe von mehreren Stationen und kleinen Werkstücken dazu ein, verschiedene Handwerksberufe auszuprobieren.

Die TikTok-Kampagne lässt Azubis von ihrer Arbeit erzählen. - © Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald

In die Köpfe der Eltern kommen

Zudem wissen die Initiatoren, dass es nicht ausreicht, die Schüler anzusprechen, denn Lehrer und insbesondere die Eltern haben einen großen Einfluss auf die Berufsentscheidung ihrer Kinder. "Es ist ganz wichtig, dass wir in die Köpfe der Eltern kommen und sie überzeugen, dass eine berufliche Ausbildung genauso zu einer erfolgreichen Karriere führen kann, wie eine akademische Laufbahn", sagt Hauptgeschäftsführer Brandt.

Weiterhin erhofft sich die Handwerkskammer, dass die Betriebe auf die Kampagne aufspringen und die Plattformen nutzen, um eigene kreative Ansätze bei der Suche nach Lehrlingen auszuprobieren. "Wir bauen den Betrieben eine Halle und sie können unter unser Dach kommen", sagt Brandt. Die Lehrlinge überzeugen, müssten am Ende aber immer noch die Betriebe selbst.

Mehr Infos zur Kampagne unter: www.handwerk-das-isses.de