Soziales Jahr in der Denkmalpflege Jugendbauhütten: Freiwilliger Erstkontakt

Beim Einsatz in Kirchen, Museen oder Handwerksbetrieben sammeln die Teilnehmer Praxiserfahrungen mit traditionellen Arbeitstechniken.

Arbeiten in der Jugendbauhütte Hessen-Marburg
Wegen Corona wurden zuletzt viele Seminare online abgehalten, aber auf den Baustellen lief die Arbeit 2020 weitgehend normal weiter, wie hier in der Jugendbauhütte Hessen-Marburg. - © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Jan Bosch

Nach dem Vorbild der mittel­alterlichen Bauhütten wurde auf Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 1999 in Quedlinburg die erste Jugendbauhütte gegründet. Inzwischen gibt es 16, verteilt über 13 Bundesländer. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder im Bundesfreiwilligendienst bieten sie Schulabgängern erste praktische Erfahrungen im Um­gang mit historischen Handwerkstechniken. 

In der Regel kommen die Jugendlichen in gemeinnützigen Einrichtungen wie Kirchen oder Museen zum Einsatz. Es gibt aber auch Handwerks­betriebe, die ein freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege anbieten. Monolith, ein Fachbetrieb für Bildhauerei und Steinrestaurierung in Bamberg, kooperiert dafür mit der Jugendbauhütte Regensburg. Obwohl die Stelle aktuell nicht besetzt ist, hat das Unternehmen schon mehrere Lehrlinge über das FSJ rekrutieren können, bestätigt Christoph Mai, einer der beiden Geschäftsführer.

Gern erinnert sich auch Steinmetzmeister Christoph Abel an seine Zeit in der Jugendbauhütte Soest 2008/2009, die er im Steinmetzbetrieb Wennemer in Münster verbrachte. „Ich habe vom damaligen Inhaber viel über Steinrestaurierung gelernt. Bis heute halten wir Kontakt“, sagt Christoph Abel, der inzwischen sein eigenes Unternehmen leitet. 2016 hat er den von seinem Urgroßvater gegründeten Familienbetrieb in Eichenzell bei Fulda übernommen und die Leistungspalette auf die Denkmalpflege ausgeweitet.

Für Interessenten zwischen 16 und 26 Jahren

Teilnehmer der Jugendbauhütten müssen zwischen 16 und 26 Jahre alt sein. Der Einsatz beginnt jeweils im September und beinhaltet neben der Arbeit auf Baustellen auch Seminare. Für viele der rund 5.500 jungen Leute, die bisher ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvierten, war die Jugendbauhütte der erste Schritt in eine fundierte Ausbildung im Handwerk. Gerade jene Unternehmen, die im Denkmalschutz aktiv sind, brauchen Mitarbeiter, deren Qualifikation weit über den Gesellenbrief hinausreicht.

Deshalb legt man auch im Steinmetzbetrieb Monolith großen Wert auf eigene Ausbildung. „Ziel ist es, jedes Jahr zwei Lehrlinge einzustellen, möglichst eine Frau und einen Mann“, sagt Christoph Mai. In diesem Sommer kann sich der Steinmetzmeister sogar über drei neue Azubis freuen. Insgesamt wurden seit der Gründung 1989 rund 60 Lehrlinge ausgebildet. Mit großem Erfolg. Zweimal schon stellte Monolith eine Bundessiegerin im praktischen Leistungswettbewerb.