In beinahe allen 17 Ländern der Euro-Zone nimmt die Jugendarbeitslosigkeit dramatisch zu. Mehr als jeder fünfte Jugendliche in Europa ist bereit arbeitslos, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ermittelt hat. Deutschland ist von dem Dilemma noch am wenigsten betroffen und entwickelt sich immer mehr zum Einwanderungsland für Europas Jugendliche.

Knapp jeder zwölfte Jugendliche in Deutschland findet auf dem Arbeitsmarkt derzeit keinen Job. Eine Jugendarbeitslosigkeit von hierzulande 7,9 Prozent weisen die neuesten Zahlen von Eurostat aus. Damit hat sich Deutschland sogar an bisherigen Vorzeigeländern wie Österreich (8,6 Prozent) und den Niederlanden (9,3 Prozent) vorbeigeschoben. Auch der kürzlich vorgestellte Datenreport zum Berufsbildungsbericht zeigt, dass es immer besser gelingt, auch Jugendliche mit niedrigeren Qualifikationen ohne große Umwege in Arbeit zu bringen.
jugendEuropaweit zeichnet sich jedoch ein dramatisch anderes Bild. Es droht "eine verlorene Generation" heranzuwachsen, warnt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in dem Report "Global Employment Trends Youth 2012", der erst morgen offiziell vorgestellt wird. Wie das "Handelsblatt" vorab berichtet, hat sich die Arbeitslosenquote in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen alleine binnen der vergangenen drei Jahre um 26,5 Prozent erhöht und liegt nun in der Euro-Zone auf dem Rekordniveau von 22,1 Prozent. In keiner anderen Region der Welt fiel der Anstieg höher aus als in Europa. Zum Vergleich: Im globalen Durchschnitt stieg die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen zwischen 2008 und 2011 nur um 5,3 Prozent.
Schädigender Sparkurs
Die alarmierenden Zahlen führt die ILO insbesondere auf den Sparkurs in krisengeschüttelten Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal zurück. Er behindere eine rasche Erholung der Arbeitsmärkte für Jugendliche, zitiert das Handelsblatt aus dem 56-seitigen Bericht. Viele Jugendliche seien inzwischen so frustriert, dass sie sich in massiver Zahl aus der Suche nach einer passenden Stelle zurückgezogen haben. Die ILO fordert die europäischen Regierung auf, aktive Beschäftigungspolitik zu betreiben und Jugendliche auf dem Weg in Arbeit zu begleiten.
Wenig überraschend ist Griechenland der traurige Spitzenreiter bei der Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Für März 2012 berechnete Eurostat einen Quote von 51,20 Prozent. Auch in Spanien gelingt es nicht einmal jedem zweiten Jugendlichen ein Beschäftigungsverhältnis aufzunehmen (51,10 Prozent). Dahinter folgen Portugal und Italien. Nur knapp unterhalb des EU-Durchschnitts liegen die großen europäischen Volkswirtschaften von Großbritannien und Frankreich. sg
