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Steuer-Spielregeln Jobticket: Steuerfrei mit den Öffentlichen zur Arbeit pendeln

Seit 1. Januar 2019 sind Jobtickets und Fahrtkostenzuschüsse teilweise steuerfrei. Die genauen Spielregeln dazu gibt es erst jetzt.

Pendeln Ihre Mitarbeiter täglich in die Arbeit und stöhnen über die teuren Bahn- und Bustickets? Wenn ja, können Sie ihnen eine echte Freude bereiten. Gewähren Sie ihnen doch ein Jobticket beziehungsweise Zuschüsse zu den Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Seit 1. Januar 2019 ist dieses Gehaltsextra bei Beachtung einiger Steuerspielregeln für Ihre Mitarbeiter komplett steuerfrei. Die Spielregeln wurden in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF v. 15.08.2019 Az.: IV C 5 – S 2342/19/10007:001) konkretisiert.

Wichtigster Grundsatz: Mit der Steuerfreiheit für Tickets oder Zuschüsse für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit klappt es nur, wenn Sie diese Zuwendung zusätzlich zum vertraglich ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewähren. Verzichtet ein Arbeitnehmer dagegen auf 50 Euro im Monat, damit Sie ihm dafür ein Ticket spendieren (= Gehaltsumwandlung), kommt es nicht zur Steuerfreiheit. Steuerfrei sind nur Jobtickets oder Zuschüsse für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und Arbeit (= erste Tätigkeitsstätte, Sammelpunkt, Rand des weiträumigen Tätigkeitsgebiets). Fahrten mit dem Taxi und Flüge sind nicht begünstigt.

Besonderheit im Personennahverkehr

Zum Personennahverkehr gehören alle Verkehrsmittel, die nicht zum Personenfernverkehr gehören, beispielsweise Bus, Straßenbahn, U- und S-Bahn. Sind Sie Entleiher im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung, können Sie auch für die in Ihrem Betrieb beschäftigten Leiharbeitnehmer die steuerfreien Zuschüsse oder Jobtickets gewähren. Die Steuerfreiheit winkt im Personennahverkehr selbst dann, wenn der Arbeitnehmer das Ticket für öffentliche Verkehrsmittel auch für Privatfahrten nutzen kann.

Beispiel: Arbeitnehmerin Huber bekommt ein Monatsticket für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit zur Verfügung gestellt. Da sie dennoch häufig mit dem Auto zur Arbeit ­pendelt, nutzen entweder sie oder ihre Kinder das Ticket überwiegend privat.

Folge: Kein Problem. Im Personennahverkehr bleibt es bei der Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 15 EStG für diesen Vorteil, egal wie umfangreich die Privatnutzung ist.

Besonderheit im Personenfernverkehr

Zum Personenfernverkehr rechnen im Sinn dieser Vorschrift Fernzüge der Deutschen Bahn wie ICE, IC oder EC, Fernbusse auf festgelegten Linien oder Routen mit festgelegten Haltepunkten sowie vergleichbare Hochgeschwindigkeitszüge und schnellfahrende Fernzüge anderer Anbieter (zum Beispiel TGV, Thalys).

Wichtig: Eine darüber hinausgehende Unterscheidung zwischen Personennah- und Personenfernverkehr nach Kilometern müssen Sie nicht vornehmen.
Grundsätzlich gilt bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Personenfernverkehr, dass Privatfahrten lohnsteuerpflichtig sind. Doch kein Grundsatz ohne Ausnahme: Berechtigt ein Bahnticket für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit, fällt keine Lohnsteuer an, wenn der Arbeitnehmer das Ticket auch für Privatfahrten nutzt.

Beispiel: Arbeitnehmer Müller lebt in Pfaffenhofen und pendelt mit der Bahn nach München zur Arbeit. Sein Arbeitgeber spendiert ihm ein Monatsticket für diese Fahrten. Am Wochenende fährt Müller auch mit diesem Ticket nach München.

Folge: Kein Problem, lohnsteuerlich bleibt es bei der Steuerfreiheit.

Nur wenn die Fahrtberechtigung für den Personenfernverkehr über die Strecke zwischen Wohnung und Arbeit hinausgeht, ist der reguläre Preis für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit zu ermitteln. Der übersteigende Betrag ist dann lohnsteuerpflichtig.

Beispiel: Arbeitnehmerin Becker bekommt ein Monatstickt im Personenfernverkehr von ihrem Arbeitgeber im Wert von 250 Euro. Damit kann sie nicht nur zur Arbeit fahren, sondern auch den Ort anfahren, an dem ihre Eltern leben. Der reguläre Ticketpreis für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit würde 180 Euro betragen.

Folge: 180 Euro sind nach § 3 Nr. 15 EStG lohnsteuerfrei, für die restlichen 70 Euro muss ein geldwerter Vorteil versteuert werden.

Kürzung der Entfernungspauschale

Einen kleinen Haken hat die lohnsteuerfreie Gewährung des Jobtickets beziehungsweise des Zuschusses für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr für Arbeitnehmer. Das Finanzamt ermittelt zwar eine Entfernungspauschale für die Fahrten zur Arbeit, zieht den erhaltenen Zuschuss des Arbeitgebers aber davon ab.

Beispiel: Arbeitnehmer Jansen pendelt an 230 Tagen im Jahr mit der Bahn zur Arbeit (einfache Entfernung zur Wohnung 60 km). Sein Arbeitgeber spendiert ihm die Fahrkarte dafür im Wert von 2.600 Euro pro Jahr.

Folge: Als Werbungskosten ab­ziehbar ist die Entfernungspauschale von 4.140 Euro (230 Tage × 60 km × 0,30 Euro/km), gekürzt um den steuerfreien Fahrtkostenzuschuss von 2.600 Euro. Unter dem Strich verbleiben Jansen also noch 1.540 Euro steuersparende Werbungskosten.

Weitere Besonderheit im Personenfernverkehr

Bei Gewährung eines Jobtickets oder eines Fahrtkostenzuschusses für öffentliche Verkehrsmittel im Personenfernverkehr kann es mitunter kompliziert werden. Und zwar immer dann, wenn die Fahrtberechtigung über die Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeit hinausgeht, weil der Arbeitnehmer sein Bahn- oder Busticket auch für Diensteisen nutzen soll. Damit der komplette Ticketpreis lohnsteuerfrei bleibt, muss der Arbeitgeber vor dem Kauf des ­Tickets beziehungsweise vor Ge­währung des Fahrtkostenzuschusses eine Prognoseberechnung durch­führen.

Und zwar eine Amortisationsprognose. Hierbei ist zu prüfen, ob zum Zeitpunkt der Hingabe der Fahrtberechtigung die prognostizierten ersparten Kosten für Einzelfahrscheine für Fahrten zu Dienstreisen höher sind als der Preis der gewährten Fahrtberechtigung. Ist das der Fall (= Vollamortisation), ist die Gewährung des Ticketpreises in voller Höhe nach Dienstreisekostengrundsätzen gemäß § 3 Nr. 13 EStG und § 3 Nr. 16 EStG lohnsteuerfrei.

Beispiel: Ein Arbeitgeber kauft für Außendienstmitarbeiter Haller eine Bahncard 100 im Wert von 4.200 Euro. Nach seiner Prognose würden die Einzelfahrscheine für die geplanten Dienstreisen einen Wert von 4.300 erreichen.

Folge: Die Gewährung der Fahrtberechtigung ist in diesem Fall in voller Höhe lohnsteuerfrei.

Tipp: Arbeitgeber sollten die Prognoseberechnung vor Gewährung der Fahrtkostenberechtigung beziehungsweise des Zuschusses unbedingt bei ihren Steuerunterlagen für die Dauer der steuerlichen Aufbewahrungspflicht archivieren. Denn kommt ein Lohnsteuerprüfer des Finanzamts zu der Erkenntnis, dass keine Vollamortisation vorliegt, rettet die Prognose die Steuerfreiheit.

Motivation für Minijobber

Das steuerfreie Jobticket beziehungsweise der steuerfreie Zuschuss für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr dürfte auch für im Betrieb angestellte Minijobber interessant sein. Durch die Steuerfreiheit erhöht sich das maximale Minijob-Gehalt von 450 Euro im Monat nicht.

Unsicherheiten klären lassen

Arbeitgeber, die von diesem Gehaltsextras noch nicht ganz überzeugt sind, weil sie unsicher sind, dass sie lohnsteuerlich alles richtig machen, sollten zuerst das Gespräch mit dem Steuerberater suchen. Bekommen die ersten Mitarbeiter dieses Gehaltsextra, kann zusätzlich das Finanzamt um Stellungnahme gebeten werden, ob lohnsteuerlich alles im grünen Bereich ist. Diese Rechtssicherheit bekommt ein Arbeitgeber, wenn er beim Finanzamt einen Antrag auf Erteilung einer Anrufungsauskunft nach § 42e EStG stellt. Dieser Service des Finanzamts ist gratis. Zuständig für die Auskunft ist die Lohnsteuerarbeitgeberstelle im Finanzamt.

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