Familienreport 2012 Job und Familie: Vereinbarkeit bleibt ein Problem

Der Spagat zwischen Beruf und Familie ist für viele Deutsche weiterhin schwierig. So gehen die Geburtenraten zurück und immer mehr Frauen arbeiten in Teilzeit, zeigt der neue Familienreport. Das größte Problem: fehlende Betreuungsmöglichkeiten. Der Kita-Ausbau bleibt politischer Zankapfel.

Der Familienreport 2012 zeigt, dass Eltern in Deutschland immer noch Probleme haben, eine geeignete Kinderbetreuung zu bekommen. - © Foto: Martin Oeser/dapd

Nach wie vor beeinflussen Familiengründung und Kinder das Erwerbsverhalten der Frauen in Deutschland und die Arbeitszeiten bleiben der Taktgeber für Familien. So gaben die Befragten zum Familienreport 2012 an, dass das das größte Problem für Familien nach wie vor die Vereinbarkeit von Beruf und Kindern sei. Bessere Betreuungsmöglichkeiten würden helfen, doch der Kita-Ausbau stockt noch immer und Regierung und Opposition streiten um die Finanzierung.

So leben Familien in Deutschland

Der Familienreport des Bundesfamilienministeriums stellt die aktuelle Lebenssituation der Familien in Deutschland dar informiert über Familienformen und Familienleistungen. Hier die Ergebnisse:

  • Frauen ohne Kind im Alter zwischen 30 und 40 Jahren weisen mit rund 80 Prozent die höchste Erwerbstätigenquote auf.
  • Mütter hingegen erreichen ihre höchste Erwerbstätigenquote von etwa 70 Prozent erst im Alter von 40 bis 50 Jahren.
  • Nach der aktiven Familienphase nähern sich die Erwerbstätigenquoten von Frauen ohne und mit Kind oder Kindern einander wieder an.
  • Eine bemerkenswerte Entwicklung der letzten zwanzig Jahre stellt die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung dar. Im Jahr 2011 waren fast doppelt so viele Frauen teilzeitbeschäftigt wie 1991.
  • Seit der Einführung des Elterngeldes und den Anstrengungen beim Ausbau der Kinderbetreuung steigt die Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kindern zwischen ein und drei Jahren an.
  • Die Erwerbstätigenzahlen der Mütter mit Kindern unter einem Jahr sind hingegen "konstant niedrig".
  • 2011 betrug die Geburtenrate 1,36 Kinder je Frau im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. 2010 lag sie bei 1,39.
  • Insgesamt gab es 662 685 Geburten. Dies war ein Rückgang von etwa 2,2 Prozent gegenüber 2010.
  • Verheiratete Paare mit gemeinsamen Kindern stellen nach wie vor die häufigste Familienform in Deutschland. Drei Viertel wachsen bei verheirateten Eltern auf.
  • Fast die Hälfte aller Kinder hat eine Schwester oder einen Bruder. Jedes fünfte Kind hat zwei Geschwister.
  • drei Viertel der Befragten gaben an, dass man eine Familie braucht, um glücklich zu sein (78 Prozent)

Weiter Streit um Kita-Plätze

Damit die Geburtenrate wieder steigt und mehr Menschen in Deutschland ihre Wünsche nach Familie und Beruf miteinander vereinbaren können, hat die Bundesregierung ab August dieses Jahres den Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz auch auf die unter Dreijährigen ausgeweitet. Doch noch immer gibt es nicht genug Betreuungsplätze in Kindergärten, Kindertagesstätten und bei Tagesmüttern.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) muss sich nun mit der Frage auseinandersetzen, wer für die Kosten aufkommt, wenn Familien, die im August keinen Betreuungsplatz bekommen, Klage einreichen. Grundsätzlich sind die Kommunen verantwortlich, aber diese fordern, dass Ansprüche aus Schadensersatzklagen zwischen Bund, Ländern und Kommunen aufteilen sind.

© Quelle: Familienreport 2012/dapd
Familienreport 2012

Die Familienministerin lehnt den Vorschlag allerdings ab und verweist darauf, dass bis Jahresende 2012 99 Prozent der zugesagten Bundesmittel von den Ländern und Kommunen bewilligt worden seien und somit der Bund bei dem Thema keine Pflichten mehr habe. Auch eine Erweiterung des Betreuungsschlüssels, also mehr Kinder pro Erzieher, lehnte Schröder ab. An den pädagogischen Standards dürfe nicht gerüttelt werden.

Bei der Mittelschicht zugelangt

Die Opposition nahm die Debatte zum Anlass nochmals das von der Bundesregierung beschlossene Betreuungsgeld zu kritisieren, dessen Kosten nun dem Kita-Ausbau im Wege stünden. Die SPD warf der Bundesregierung hingegen eine unlautere Familienpolitik vor. "Sie will mit ihrem Betreuungsgeld den Eltern ihren Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz billig abhandeln", sagte SPD-Vize Manuela Schwesig.

Doch CDU-Politikerin Schröder erteilte sowohl diesen Vorschlag als auch der Abschaffung des Ehegattensplittings eine Absage. Dies sei eine sinnvolle Regelung, die dem Grundprinzip folge, dass Partner dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen. Auch lange die SPD mit ihrer geforderten Abschaffung des steuerlichen Freibetrages für den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf "bis weit in die Mittelschicht kräftig zu. Bei einer Umsetzung des SPD-Vorschlages hätten die Familien von etwa 3,48 Millionen Kindern weniger Geld in der Familienkasse als vorher".

Die Familienpolitik ist und bleibt ein umstrittenes Feld und wird auch im Bundestagswahlkampf die Differenzen der Parteien aufzeigen. jtw/dapd