Wer als Handwerksbetrieb ISO-zertifiziert ist, hat bessere Karten bei Ausschreibungen, stärkt sein Image und gewinnt Kundenvertrauen. Bisher scheiterte das vielfach an Kosten, Komplexität und Zeitaufwand. Damit soll jetzt Schluss sein.

Zertifikate gibt es viele auf der Welt. So viele, dass man leicht den Überblick verlieren kann und ein vermeintliches Gütesiegel seine Bedeutung einbüßt. Bei Iso-Zertifikaten verhält es sich anders. Iso-Normen, herausgegeben von der International Organization for Standardization, sind weltweit anerkannte Standards, die einheitliche Richtlinien definieren. Ist ein Betrieb erst einmal Iso-zertifiziert, hat er bessere Chancen bei Ausschreibungen und Lizenzen, steigert sein Image und erzeugt damit mehr Vertrauen beim Kunden – ein echter Wettbewerbsvorteil also, auch im Handwerk. Nur war der Weg zum Zertifikat bislang oft zu teuer, zu zeitaufwändig und zu komplex.
Zertifizierung kann sogar Spaß machen
Das soll nun ein Ende haben, zumindest wenn es nach dem Leipziger Unternehmen DICIS geht. Hier will man vor allem kleinen Firmen die Prozesse, die eine Zertifizierung mit sich zieht, erleichtern. Wie? – Mit einem KI-Assistenten.
"Der große Vorteil ist die Ersparnis von Zeit, Geld und Gehirnschmalz", berichtet Dr. Jens-Uwe Meyer, Vorstandsvorsitzender der DICIS AG. "Für die Erarbeitung einer Dokumentation nach Normen wie Iso 9001 und 14001 mussten häufig teure Berater genommen werden. Dazu sind die Normen komplett unverständlich geschrieben. Unser KI-Assistent übersetzt diese komplexen Inhalte in die Sprache von Handwerkern, führt sie durch den Prozess und macht alles verständlich. Viele unserer Kunden spiegeln uns wider: Das macht sogar Spaß. Etwas, was man sich früher niemals vorstellen konnte."
Vor allem Iso 9001 dürfte für Betriebe wie auch Kunden von großem Interesse sein, sagt diese Norm doch einiges über das Qualitätsmanagement der Firma aus. So stellt sie unter anderem per Checkliste sicher, dass auf einer Baustelle alle Materialkosten, Arbeitszeiten und Fahrtwege einkalkuliert sind, bevor das Angebot an den Kunden geht.
Iso 14001 – die Norm für Umweltmanagement – zielt beispielsweise auf Abfallvermeidung und eine fachgerechte Entsorgung von Gefahrstoffen, zum Beispiel im Maler- und Lackierer-Handwerk ab.
Ebenso wenig zu vernachlässigen ist Iso 27001, die das Informationssicherheitsmanagement regelt. Demnach sind Kundendaten "hoch schutzbedürftig" und müssen auf Laptops, Tablets oder Handys von Monteuren verschlüsselt und per Zwei-Faktor-Authentifizierung abgesichert sein.
Alle drei Iso-Zertifizierungen wickelt die DICIS mithilfe des KI-Assistenten ab und verspricht, damit "einfach, schnell und praktikabel" zu sein, "angepasst an die Realität kleiner Betriebe".
Auswahl alternativer Tools aus Deutschland
Diese Anbieter bieten ebenfalls Zertifizierungslösungen:
Kertos (München)
- bietet "Schnellweg zu Iso 27001" sowie Iso 42001 (Managementsystem für Künstliche Intelligenz) an
- im Web: www.kertos.io
Smart Integrity Platform (SIP) (Hamburg)
- bietet KI-gesteuerte Iso-27001-Compliance-Software
- im Web: smartintegrityplatform.com
Secjur (Hamburg)
- bietet "Digital Compliance Office" für den Weg zur Iso 9001-Zertifizierung sowie kostenlose Iso 27001-Checkliste an
- im Web: shorturl.at
KI wird meist problemlos akzeptiert
Das Leipziger Unternehmen, dessen Name für "Digital Institute for Certification of International Standards" steht, wickelt in der Regel die gesamte Zertifizierung selbst ab. Lediglich einen kleinen Teil gibt sie an etablierte Anbieter wie den TÜV ab. Somit bekommt der Kunde alles aus einer Hand, was die Vorgänge niedrigschwellig macht.
Zwar gebe es laut dem DICIS-Vorstand noch immer "Auditoren, deren Denken in den Neunzigerjahren stehen geblieben ist", doch ein Großteil arbeite inzwischen selbst mit KI. So akzeptiere beispielsweise die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) den Einsatz von künstlicher Intelligenz, solange "am Ende noch ein Mensch drüberschaut und das Ergebnis von einem Menschen freigegeben wird".
"Beurteilt wird während eines Audits vor allem, ob der Geschäftsinhaber, der die Dokumentation erstellt hat, einfach auf den KI-Knopf gedrückt und somit das Gehirn abgeschaltet hat, oder ob die Inhalte schlüssig klingen", so der Leipziger Unternehmer. "Dann wird auch die Zuhilfenahme einer KI problemlos akzeptiert." Erzeugt die KI einmal einen Fehler, der dazu führt, dass der Betrieb durch ein Audit fällt, kommt es im ungünstigsten Fall zu einem sogenannten "Nachaudit", quasi einer Extrarunde. Für Dr. Meyer ist das jedoch eher unwahrscheinlich.
Pingelig bei der Datensicherheit
"Wir haben die KI seit zweieinhalb Jahren im Einsatz und gesehen, wie sie Schritt für Schritt besser wird", erklärt er. "Das ist heute auf einem Niveau, das atemberaubend ist."
Bei den Kundendaten sei die DICIS "sehr pingelig". Zwar würden die Daten in die USA überspielt, aber das tue Microsoft beim Einsatz von Copilot ebenso, oder auch Google, sobald der KI-Assistent aktiv sei. Wichtiger seien die Vereinbarungen, die mit den Unternehmen geschlossen würden. "Wir haben sichergestellt, dass die Daten unserer Kunden nicht zum Training der Modelle verwendet werden", so Meyer. "Das ist übrigens auch etwas, was zum Beispiel Iso 42001, das Managementsystem für künstliche Intelligenz, so vorsieht. Wir haben leider speziell im deutschsprachigen Raum nur wenige Alternativen."
Festpreis statt Bezahlung nach Firmengröße
Während bei der "klassischen" Zertifizierung die Preise stark schwanken und sich nach Faktoren wie Branche, Anzahl der Mitarbeitenden, Anzahl der Standorte und Reifegrad der bestehenden Dokumentation richten, veranschlagt die DICIS einen festen Betrag.
"Eine Handwerksfirma, die beispielsweise Iso 9001 oder Iso 14001 für sich zertifizieren lassen möchte, kann dies ab 149 Euro im Monat tun. Das beinhaltet die Plattform, die Nutzung des KI-Tools, das Audit, die Zertifizierung selbst und auch die Nachbetreuung", erläutert der Vorstand. "Was wir letztlich getan haben, ist, den Prozess mithilfe von KI sehr schlank zu machen. Was wir tun: Wir streichen die Gewinne nicht einfach ein, die wir aus der Prozessoptimierung erzielen, sondern geben sie an unsere Kunden weiter."
80 Prozent weniger Kosten und Zeit
Laut DICIS schätzten die Kunden den KI-Assistenten besonders deshalb, da sie in wenigen Minuten die Ergebnisse erhielten, für die sie sich sonst tagelang gequält hätten. Dieses Feedback reiche vom Inhaber eines Reinigungsunternehmens über den Handwerker bis hin zum Geschäftsführer einer Werbeagentur. "Wir arbeiten auch sehr stark am Thema Usability", berichtet Meyer. "Es soll sich wie ein Dialog anfühlen, so, als ob man mit einem echten Berater spricht." Um mehr als 80 Prozent würden sich, nach Aussage des Leipziger Unternehmens, Kosten und Zeitaufwand für den Zertifizierungsprozess mittels der KI reduzieren. Kaum verwunderlich also, dass man bei der DICIS perspektivisch von einem Kundenzuwachs ausgeht. Das wäre in der Tat eine begrüßenswerte Entwicklung. Von mehr als drei Millionen kleinen und mittleren Betrieben in Deutschland, waren, laut Iso-Survey 2022, knapp 50.000 nach Qualitätsmanagement-Standard Iso 9001 zertifiziert. Hier ist also noch viel Luft nach oben.