Der Ausstieg aus der ISDN-Technik ist für die Telekom beschlossene Sache. Die IP-Telefonie soll schnellere Bandbreiten bringen. ISDN-Bestandskunden müssen aber nicht sofort mitziehen.
Steffen Guthardt
Schnelles Internet mit 50 MBit/s und mehr ist für viele Handwerksbetriebe noch e in Wunschgedanke. Gerade in ländlichen Regionen s ind Übertragungsraten von sechs MBit/s und weniger ke ine Seltenheit, e inzelne Anschlüsse schaffen es kaum auf e in MBit/s. Glaubt man der Telekom, sollen im Zuge der vollständigen Umstellung auf die IP-Technik und das Ende von ISDN 2018 jedoch künftig weit mehr Menschen und Unternehmen von schnellen Leitungen profitieren.
Telekom verspricht 50 MBit/s
Bei 80 Prozent aller Anschlüsse soll 2018 e ine Geschw indigkeit von m indestens 50 MBit/s garantiert se in, heißt es von Seiten der Telekom. In der Spitze sollen über Super-Vector ing-Technik 250 Mbit/s im Download und 50 MBit/s im Upload möglich se in. Der Upload wird wichtiger, weil viele Kunden immer mehr Videos und Bilder über soziale Medien ins Netz hochladen und nicht nur Daten beziehen möchten.
Beim Vector ing wird dem Übersprechen zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen entgegengesteuert. Schließlich s ind in Hauptkabeln bis zu e inigen tausend Teilnehmeranschlussleitungen räumlich eng zusammengefasst und können sich so gegenseitig stören.
Neuer DSL/LTE-Hybride e ingeführt
Um für noch mehr Geschw indigkeit zu sorgen als beim Super Vector ing und bei langsamen Leitungen schneller Daten übertragen zu können, hat die Telekom am 2. März 2015 e in Hybrid-Gerät im Markt e ingeführt. Nach Angaben der Telekom handelt es sich bei dem von Huawei gebauten Router um e ine Weltneuheit. Bei der Technik wird die DSL-Verb indung je nach Bedarf mit dem LTE-Netz komb iniert. Dafür hat die Telekom im Router e inen Chip integriert, der erkennt, wann LTE zugeschaltet werden muss und der die Datenströme steuert.
Das neue Gerät soll damit in der Spitze Geschw indigkeiten von bis zu 550 MBit/s ermöglichen. Viel interessanter ist jedoch, dass so auch kle ine und mittlere Unternehmen mit schlechter DSL-Verb indung e inen schnelleren Anschluss bekommen können. Viele Handwerksbetriebe könnten davon profitieren. Die Telekom bewirbt das neue Angebot als "Magenta Hybrid Tarif".
Drei verschiedene Pakete können gebucht werden. Beim S-Tarif Hybrid werden zu e inem bestehenden DSL-Anschluss von maximal 16 Mbit/s zusätzlich bis zu 16 MBit/s über das Funknetz LTE h inzugeschaltet. Beim Upload kommen bis zu 2,4 MBit/s h inzu. Besonders dieses Paket ist für Handwerker mit ger inger Bandbreite interessant.
Der M-Tarif Hybrid ermöglicht zu e inem DSL-Anschluss von maximal 50 MBit/s weitere 50 MbBt/s über LTE h inzuzuschalten. Beim L-Paket gilt das gleiche Pr inzip für 100 MBit/s. 26 Millionen Haushalte können das Paket derzeit nutzen, sagt die Telekom, die Netzabdeckung liege bei 65 Prozent.
Interessant an den Tarifen ist, dass gegenüber e inem herkömmlichen DSL-Anschluss ke ine Zusatzgebühr für die Verb indung entsteht. Allerd ings erhebt die Telekom für den erforderlichen neuen Router und die zugehörige SIM-Karte e in Endgelt von 9,95 Euro im Monat. Das s ind fünf Euro mehr als beim klassischen Router. Die Telekom sagt, dass grundsätzlich auch Router von Fremdanbietern genutzt werden könnten, sofern solche Geräte auf den Markt kommen würden.
Umstellung kostet Milliarden
Jedoch werden nicht alle Handwerker den neuen Hybrid-Tarif noch das IP-Netz an sich nutzen können. "Weiße Flecken wird es auch künftig geben" räumte die Telekom im Gespräch e in. E ine bundesweite Abdeckung von 95 Prozent hält sie für realistisch. Die Telekom gibt zu, dass hier wirtschaftliche Gründe e ine Rolle spielen. Die Umstellung auf das IP-Netz kostet den Konzern e inige Milliarden Euro. Irgendwo müssen wir auch wirtschaftlich denken, heißt es vom Telekommunikationsriesen dazu.
Für Handwerker in betroffenen Gebieten heißt das, dass sie auf e ine LTE-Verb indung angewiesen s ind, um ins Netz zu gehen. Allerd ings s ind die Datenverb indungen immer noch nicht so stabil, wie bei den klassischen DSL-Leitungen.
Wer noch ISDN-Kunde ist, wird zudem nicht an e iner Umstellung auf IP-Telefonie vorbeikommen. In e inzelnen Gebieten stellt die Telekom bereits jetzt mit e iner viermonatigen Frist e ine Kündigung in Aussicht.
Bestandskunden haben Zeit
Wer zum Wechsel auf IP-Telefonie aufgefordert wird, muss darauf aber nicht sofort e ingehen. Solange die Vertragslaufzeit des aktuellen Anschlusses nicht abgelaufen ist, darf der Versorger den Anschluss nicht stilllegen. Darauf weist die Verbraucherzentrale Rhe inland-Pfalz h in. Da auf lange Sicht aber alle analogen Anschlüsse auf die Telefonie über das Internet umgestellt werden, sollten Verbraucher die Zeit nutzen, nach dem besten Angebot zu suchen. Sowohl die Vertragskonditionen als auch die monatlichen Kosten unterscheiden sich je nach Anbieter teils erheblich.
Allerd ings ist die Telekom zuversichtlich, dass letztendlich die meisten Kunden den Umstieg mitmachen werden. Bei rund 60.000 Kunden pro Woche wird der IP-Anschluss derzeit geschaltet. In diesem Tempo soll es weiter gehen.
