Bis 2018 wird die ISDN-Technik in Deutschland abgestellt. Die Telekom informiert ihre Kunden bereits über die Kündigung der alten Anschlüsse. So funktioniert der Wechsel auf All-IP.
Bis 2018 sollen alle ISDN-Anschlüsse in Deutschland abgeschaltet sein. Doch die Deutsche Telekom will am liebsten nicht so lange warten, um ihre bestehenden ISDN-Kunden auf die neue IP-Technologie (IP = Internet Protocol) umzustellen. Deswegen hat sie im vergangenen Herbst damit begonnen, Kunden mit alten Verträgen, die eine ISDN-Leitung beinhalten, per Brief die Kündigung dieser Verträge in Aussicht zu stellen. Die Briefe der Telekom wurden von vielen Kunden als eine Art Nötigung empfunden.
ISDN stirbt aus
Tatsache ist jedoch, dass die Pläne der Telekom bereits seit Frühjahr 2014 offiziell bekannt sind. Die Briefe waren ein erster Versuch, die Kunden direkt zu informieren und ihnen die neue Technik und die dazugehörigen Tarife schmackhaft zu machen.
Tatsache ist auch, dass das gute alte ISDN technisch hoffnungslos überholt ist. Für die Telekom selbst ist der Betrieb von ISDN nur noch eins, nämlich teuer . Durch die IP-Technik kann sie sowohl Telefonie als auch Daten über dieselbe Leitung bereitstellen, zudem ist die IP-basierte Netzwerktechnik in ihren Rechenzentren wesentlich billiger.
Auch wenn die Zuverlässigkeit der IP-Anschlüsse der Telekom noch nicht hundertprozentig ist, sollten Firmen mit ISDN-Anschlüssen den Umstieg auf IP jetzt auf dem Schirm haben, denn er ist unabwendbar.
Die Telekom geht auf die Firmenkunden zu und berät sie in Sachen Umstieg. Für kleinere Unternehmen und Selbstständige sollte der Umstieg über die bekannten Call-und-Surf-Tarife kein Problem sein. Während sich die meisten ISDN-Anwendungen für den Datenaustausch relativ leicht auf Internet-Standards migrieren lassen, ist die Sache mit den Telefonanlagen etwas weniger trivial.
Telefonanlage entscheidend
Neuere Telefonanlagen sind häufig sowohl für ISDN- als auch IP-Anschlüsse gerüstet. In diesem Fall muss beim Umstieg auf IP nur die Anschlussart neu eingerichtet werden. Die meisten Hersteller von TK-Anlagen, von Unify (ehemals Siemens) über Avaya bis Aastra und Agfeo, haben in den vergangenen Jahren solche hybriden Anlagen auf den Markt gebracht. Für größere Firmen will die Telekom ab 2016 Zwischenlösungen wie Router und Gateways anbieten, um ältere Anlagen auch über einen IP-Anschluss betreiben zu können. Bestehende Verträge werden entweder mit den neuen technischen Details für IP-Technik angepasst (in der Regel mit günstigeren Konditionen) oder es wird gleich ein neuer Vertrag angeboten.
Bei Anlagen, die älter als fünf Jahre sind, ist eine Umrüstung oft nicht möglich oder die Kosten dafür zu hoch, als dass es sich wirklich lohnen würde. In diesem Fall wäre es ratsam zu überlegen, ob sich der Kauf einer neuen Telefonanlage überhaupt noch lohnt. Was heute eine stationäre Telefonanlage kann, gibt es seit einigen Jahren auch als Dienstleistung aus dem Internet zu mieten, aus der so genannten Cloud.
Cloud-Telefonie ist die Zukunft
Cloud-basierte Telefonanlagen, angeboten von Spezialisten wie Nfon, Sipgate, Placetel und seit neuestem auch von Vodafone und O2, bieten viele Vorteile. So muss beispielsweise keine Hardware eingekauft werden – von den IP-tauglichen Telefonen abgesehen, die im Zuge der Umstellung sowieso fällig gewesen wären. Auch ein langjähriger Wartungsvertrag entfällt , da die Anlage als Dienstleistung wahrgenommen wird. Die Kosten dafür sind als Betriebsausgaben absetzbar.
Außerdem kann im täglichen Betrieb ein Nebenstellentelefon überallhin mitgenommen und von überall betrieben werden, wo es einen Internet-Anschluss gibt. Damit ist man praktisch überall unter der Büronummer erreichbar. Auch lässt sich die Nebenstelle bei manchen Anbietern über eine Smartphone-App auf dem Handy betreiben.
"Der Cloud gehört die Zukunft der Kommunikation", glaubt nicht nur Nfon-Chef Rainer Koppitz. Alle großen Netzbetreiber bereiten sich auf eine Zukunft vor, in der Kommunikation generell über eine Leitung läuft, ganz gleich ob sie über Sprache, Text, Daten oder Video stattfindet. ISDN ist nicht mehr notwendig.
Was ist IP-Telefonie?
IP (Internet Protocol) bezeichnet ein weit verbreitetes Netzwerkprotokoll in Computernetzen. Wird über diese Computernetzwerke telefoniert, also Sprache übertragen, ist von IP-Telefonie die Rede. Dabei kann der Anschluss genutzt werden, über den auch im Internet gesurft wird – die Breitbandtechnik macht es möglich. Die Sprache wird bei der IP-Telefonie digitalisiert und per Internet Protocol in kleinen Datenpaketen zum Empfänger übertragen und dort wieder entpackt. IP-Telefonie lässt sich dabei auch direkt über den Computer oder per Smartphone nutzen.
