Die Temperaturen fallen und die Heizgeräte laufen auf Hochtouren. Die meisten davon verbrauchen jedoch mehr Energie als sie müssten. Sowohl beim Heizen selbst auch als wenn eine neue Heizung eingebaut werden muss, machen Verbraucher viele Fehler. Hier gibt es Tipps vom Fachmann.

Einige Irrtümer sitzen hartnäckig in den Köpfen: So kann man weder Energie sparen, wenn man nachts die Heizung ausschaltet noch muss der ganze Heizkörper überall gleich warm sein. Genauso stellt es sich meist als großer Fehler heraus, wenn man eine neue Heizung braucht und dann versucht Geld zu sparen, indem man das Gerät selbst im Internet bestellt. Die Sanität-Heizung-Klima-Branche erlebt diese und andere verbreiteten Irrtümer immer wieder und betreibt so zum Start der intensiven Heizsaison auch intensive Aufklärungsarbeit – für die Verbraucher und alle Kollegen, die in der täglichen Praxis mit den im Folgenden dargestellten Problemen umgehen müssen.
In einem Interview mit dem Portal „intelligent-heizen.info“ hat der Obermeister der SHK- Berlin, Andreas Schuh, nun erklärt, welche Fehler er am meisten erlebt und was sich aktuell am Heizungsmarkt abspielt.
Energie sparen: Warum der hydraulische Abgleich so wichtig ist
Ein Thema, das selbstredend alle bewegt, ist die Energieeinsparung. Hier kommt der sogenannte hydraulische Abgleich mit ins Spiel, das Abstimmen der einzelnen Heizkörper untereinander in Sachen Wassermenge, Temperatur und Durchfluss. Er sollte bei einer Heizungsanlage immer dann erfolgen, wenn sich baulich im Haus oder am Heizsystem etwas ändert – etwa wenn Wände gedämmt oder beispielsweise eine solarbetriebenes Warmwasserversorgung zusätzlich eingebaut werden. Durch ihn kann man dem Fachmann zufolge zwischen zehn und 15 Prozent an Energie einsparen. Derzeit wird der hydraulische Abgleich vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit 30 Prozent Erstattung der Handwerkerkosten gefördert.
Doch laut Schuh kommt es nach einem hydraulischen Abgleich häufig zu Missverständnissen und die Hausbesitzer denken dann, dass das Heizsystem kaputt sei. Der Grund liegt darin, dass sich die Heizkörper nicht mehr gleichmäßig warm anfühlen. Doch es sei eigentlich der Idealzustand, dass Heizkörper im oberen Bereich heiß sind und sich im unteren Bereich sehr kühl anfühlen. "Dann gibt der Heizkörper die optimale Wärme ab, und die tiefe Rücklauftemperatur steigert die Effizienz der Heizungsanlage", erklärt Andreas Schuh im Interview. Dennoch rufen ihn deshalb die Kunden an. Er weist dann immer darauf hin, dass diese nicht auf die Systemtemperaturen der Heizungsanlage der Heizungsanlage schauen sollen, die nach dem Abgleich geringer ausfallen, sondern auf die Raumlufttemperatur, die noch genauso hoch sein sollte.
Wenn der Wasserdruck in der Heizung nicht mehr stimmt, kann diese nicht optimal funktionieren. Dann ist jedoch nicht immer ein hydraulischer Abgleich nötig, sondern manchmal auch nur ein kleiner Check des Fachmanns. "Wenn eine Heizung über die Sommermonate ausgeschaltet war, fehlt beim Anlaufen häufig der berühmte Schluck Wasser, der nachgefüllt werden muss", so der Obermeister. Wenn die Heizkörper nicht richtig warm werden, kann das aber auch daran liegen, dass der Stift im Thermostatventil klemmt.
Neue und alte Heizungstechnik kombinieren
Bei sehr kleinen Heizungsproblemen kann sich manch ein erfahrener Heimwerker auch selbst helfen und dabei können dem Fachmann zufolge auch seriöse Seiten im Internet dienlich sein. Generell lohnt es sich in Sachen Heizung aber selten, auf eigene Faust loszulegen. So rät Schuh dringend davon ab, dass Hausbesitzer, die mit einer neuer Heizanlage Energie sparen wollen, eigenständig im Internet Material bzw. ganze Anlagen bestellen. Er warnt vor Internetkäufen bzw. der Hoffnung darauf, dass diese Geräte dann von SHK-Fachmännern eingebaut werden. Andreas Schuh warnt auch die Installateure davor, einen solchen Auftrag anzunehmen. "In dem Moment, in dem der Installateur das Gerät anpackt, haftet er für ein Gerät, das er nicht ausgesucht und gekauft hat", erklärt er.
Obwohl derzeit die Brennwerttechnik am gefragtesten ist, sollten auch neue Technologien nicht missachtet werden. Denn die staatliche Förderung für Brennwerttechnik soll 2020 auslaufen. "Deshalb kann es jetzt schon sinnvoll sein, in Hybridlösungen zu investieren, z.B. in die Kombination einer bestehenden Gasbrennwerttherme mit einer neuen Wärmepumpe", rät Andreas Schuh. So könnten die SHK-Kunden noch die vergleichsweise niedrigen Preise für Öl und Gas nutzen und seien auf den nächsten Technologieschub in zehn bis 15 Jahren vorbereitet. Für die Warmwasserbereitung im Gebäudebestand hätten sich thermische Solaranlagen durchgesetzt. Bei Neubauten seien es derzeit Wärmepumpen mit Luft-, Wasser- oder Erdwärmeversorgung kombiniert mit Photovoltaik.
Als ganz grundsätzlichen Tipp gibt der Fachmann noch vor: Generell sei es zu vermeiden, dass einzelne Räume oder die ganze Wohnung auskühlen. Um einen ausgekühlten Raum warm zu bekommen, benötigt man mehr Energie als wenn man gleichmäßig heizt. „Wer in den Urlaub fährt, sollte die Heizung – gerade im Altbau – auf eins stellen. Manchmal reicht auch die Frosteinstellung“, so der Handwerksmeister. dhz