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EU arbeitet weiter an neuen Regeln für besseres Trinkwasser Baumaterial: Trinkwassersicherheit kaum prüfbar

Jedes Bauteil, das mit Trinkwasser in Berührung kommt, muss in Deutschland bestimmten Vorgaben entsprechen. Auf dem Markt sind allerdings auch Armaturen und Sanitärartikel, die hierzulande nicht verbaut werden dürften. Zwar arbeiten die EU-Politiker an einer neuen EU-Trinkwasserrichtlinie und nehmen auch Bauprodukte in den Fokus. Die derzeitige Praxis bleibt allerdings kaum prüfbar.

Ein typischer Fall aus der Praxis: Ein Handwerkskunde kauft ein Bauteil – etwa eine Badezimmerarmatur – vermeintlich günstiger im Internet und will sie vom Fachmann installieren lassen. Das geht aber nicht immer gut und kann in der Praxis schwerwiegende Folgen haben – besonders dann, wenn das Material nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Doch diese können nicht so einfach überprüft werden wie man meinen könnte. Das zeigt sich besonders im Fall von Bauteilen, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen. So können etwa Werkstoffen aus Metall, aus denen etwa die Armatur besteht, gegen die Trinkwasserverordnung verstoßen, ohne dass dies jemand prüfen kann.

Zwar gibt die deutsche Trinkwasserverordnung Vorgaben für all das Baumaterial bzw. die Einbauteile und Werkstoffe aus Metall, Kunststoff und verschiedene organische Materialien sowie keramische Werkstoffe vor, die mit Trinkwasser in Berührung kommen. Doch egal wie streng die Vorgaben sind, spielen sie in der Praxis kaum eine Rolle, denn die Hersteller sind nicht verpflichtet in irgendeiner Weise auf den Bauteilen anzugeben, woraus diese bestehen und ob sie den deutschen Trinkwasservorgaben entsprechen oder nicht.

Hat die EU-Kommission schon Anfang des Jahres 2018 eine Novelle der EU-Trinkwasserrichtlinie vorgelegt, die auch diese Problematik in den Blick nimmt. Sie plant einheitliche Vorgaben für alle Länder für die Materialien der Bauteile, die mit Trinkwasser in Berührung kommen. So ist allerdings dennoch noch nicht klar, ob auch neue Kennzeichnungspflichten folgen, die die Praxis sicherer machen. Derzeit sind die Mitgliedsländer am Zug, doch deren Verhandlungen stecken noch immer in den Anfängen. Nach Angaben des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) werden verschiedene Ansätze diskutiert. "Entweder eine Regelung über die EU-Bauprodukteverordnung oder über einheitliche Vorgaben für Materialien in Kontakt mit Trinkwasser in der Trinkwasserrichtlinie", teilt ein Sprecher des Verbands mit.

Die Vorgaben, die in Deutschland aktuell verpflichtend sind, betreffen hygienische Anforderungen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat sie entsprechend des § 17 Abs. 3 Trinkwasserverordnung (TrinkwV) erarbeitet, sie gelten seit dem Jahr 2017 für Bauteile aus Metall wie Wasserleitungen, Armaturen und Wasserhähne für Küchen und Bäder. Genau festgelegt sind seither die Materialien, aus denen sie bestehen dürfen. Die die anderen Materialien wie Kunststoff und keramische Werkstoffe sind sie ab 2021 verpflichtend.

Informationen des UBA zu den Positivlisten der Werkstoffe erhalten Sie hier.>>>

Baumaterial ohne Trinkwasserzulassung im Handel

In der Praxis ergeben sich dadurch Probleme bzw. eine unklare Rechtslage. Denn es gilt auch, dass Händler in der EU ihre Waren EU-weit vertreiben dürfen. Sie dürfen laut Gesetz nicht durch zu strenge Bestimmungen eines einzelnen Landes eingeschränkt werden und somit werden hierzulande auch Bauteile verkauft, die nicht den deutschen Vorgaben entsprechen. So ist es legal, das in Deutschland Einbauteile in den Handel kommen, die nur verkauft, aber eigentlich nicht eingebaut werden dürfen – sowohl von einem Fachhandwerker als auch von Heimwerkern, die ihr Bad auf eigene Faust neu ausrüsten oder reparieren. EU-weite Vorgaben für die Materialien, die mit Trinkwasser in Berührung kommen dürfen, gibt es nicht und vom Laien ist kaum prüfbar, ob er im Baumarkt ein Bauteil kauft, dass in Deutschland für die Installation zugelassen ist.

Allerdings: Begeht der Heimwerker, wenn er derartiges Baumaterial verwendet "nur" eine Ordnungswidrigkeit, so sieht das beim SHK-Handwerker anders aus. Er haftet auch dafür, dass das Material nicht hierzulande geltenden Vorgaben widerspricht.

Zur Sicherheit immer beim Hersteller nachfragen

"Ein großes Problem ist, dass man den Bauprodukten nicht ansieht, welche Stoffe verwendet sind", erklärt Carsten Müller-Oehring, Rechtsexperte beim Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK). Das könnten Handwerker nur erfahren, wenn sie bei den Herstellern nachfragen oder andere verlässliche Informationsquellen nutzen. Siegel oder Logo für das Einhalten der Vorgaben der TrinkwV gibt es beispielsweise direkt vom Branchenverband. So stellt der Verband unter zvshk.de für seine Mitglieder eine Liste von Herstellern bereit, die ihm gegenüber die Konformität ihrer Produkte versichert haben, doch vollständig ist diese nicht. Die Angaben machen die Unternehmen auf freiwilliger Basis. Auch das ZVSHK-Qualitätszeichen stellt die Einhaltung der UBA-Vorgaben sicher.

Um allgemein die Abfrage der Herstellerangaben zu vereinfachen hat der Verband für Planer, Architekten und SHK-Fachbetriebe das Portal open-datapool.de geschaffen, das die Stammdaten von über 250 Herstellern enthält. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten die Betriebe Produkte nur verwenden, wenn das Einhalten der Werkstoffvorgaben von den Herstellern bestätigt ist, rät der ZVSHK. Für die Heimwerker wird es noch komplizierter, denn als Laie hat man es noch schwerer die Informationen zu bekommen.

In der Praxis ergibt sich nach Angaben des ZVSHK in der letzten Zeit vermehrt eine noch schwierigere Situation. Dann nämlich, wenn der Handwerkskunde das Baumaterial bzw. die Einbauteile selbst kauft und vom Fachmann einbauen lassen möchte. Das kann unter Umständen das schwerwiegende Folgen haben, wenn nun mangelhaftes Material bzw. Bauteile, die gesetzlichen Vorgaben nicht entsprechen, verwendet werden – wiederum für den Handwerker und auch für seinen Kunden.

Im Fachjargon heißen diese Bauteile, Geräte oder Anlagen "beigestelltes Material". Sie werden meist in Internetshops, bei eBay oder in Baumärkten gekauft mit der Hoffnung, dadurch die Kosten für die Baumaßnahme zu senken. Der Handwerker bekommt dann im Rahmen eines Werkvertrags nur den Auftrag für den Einbau.

Das gilt rechtlich, wenn der Handwerkskunde Baumaterial selbst kauft

"Aufklären muss der Handwerker seinen Kunden dennoch über all die Gefahren, die das Material mit sich bringen kann, also beispielsweise auch, dass eine Armatur nicht zwingend der Trinkwasserverordnung entspricht, wenn der Kunde sie im Baumarkt gekauft hat", sagt Carsten Müller-Oehring. Liegt weder dem Fachhandwerker noch dem Kunden eine Herstellerbestätigung vor und erfolgt der Einbau eines nicht zulässigen Produkts trotz besseren Wissens des Handwerkers, verstoßen beide gegen geltendes Recht. Der Handwerkskunde begeht dann wiederum eine Ordnungswidrigkeit und der Handwerker haftet, weil seine Leistung mangelhaft ist. Eine Haftung wegen Verstoßes gegen eine bestehende Aufklärungs- und Informationspflicht kann der Handwerker allerdings auch wiederum per Vertragsklausel ausschließen.

Was wiederum viele Handwerkskunden gar nicht wissen, die durch den eigenständigen Einkauf sparen wollen: Bei vielen Handwerkern sind die Stundenverrechnungssätze höher, wenn mit dem Auftrag nicht gleichzeitig auch Baumaterial gekauft wird. "Eine Mischkalkulation, bei der die Stundenverrechnungssätze durch den Materialverkauf quersubventioniert sind, ist heute Standard", erklärt Müller-Oehring und weist auf einen weitere Vorteil hin: die Vermeidung von Diskussionen über Fehlerursachen, wenn Produkt und Einbau komplett über den Fachbetrieb laufen.

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