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Problemfall "Beigestelltes Material" Baumaterial: Trinkwassersicherheit kaum prüfbar

Jedes Bauteil, das mit Trinkwasser in Berührung kommt, muss in Deutschland bestimmten Vorgaben entsprechen. Nur dann darf es eingebaut werden. Neue Vorgaben gelten seit April 2017, doch sie sind nur schwer prüfbar. Hersteller müssen keine Angaben zu den verwendeten Stoffen machen. Keiner weiß derzeit mit absoluter Sicherheit, was auf dem Markt ist. Besonders schwierig wird es, wenn Handwerkskunden Material selbst einkaufen.

Immer häufiger kaufen Handwerkskunden Bauteile, Geräte und Anlagen vermeintlich günstiger im Internet und wollen sie vom Fachmann installieren lassen. Das geht aber nicht immer gut und kann in der Praxis schwerwiegende Folgen haben – besonders dann, wenn das Material nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Diese können aber gar nicht immer so einfach überprüft werden – wie sich etwa aktuell im Fall von Werkstoffen aus Metall zeigt, die gegen die Trinkwasserverordnung verstoßen.

Durch die letzte Änderung der Trinkwasserverordnung gibt es auch neue Vorgaben für all das Baumaterial bzw. Einbauteile und Werkstoffe aus Metall, die mit Trinkwasser in Berührung kommen. Nach einer zweijährigen Übergangsfrist sind diese Vorgaben bereits seit April 2017 verbindlich. Die Vorgaben sind hygienische Anforderungen, die das Umweltbundesamt (UBA) entsprechend des § 17 Abs. 3 Trinkwasserverordnung (TrinkwV) erarbeitet hat und die nun für Bauteile gelten wie Wasserleitungen, Armaturen und Wasserhähne für Küchen und Bäder. Genau festgelegt sind nun die Materialien, aus denen sie bestehen dürfen.

Informationen des UBA zu der Positivliste der Werkstoffe erhalten Sie hier.>>>

Baumaterial ohne Trinkwasserzulassung im Handel

Doch egal wie streng die Vorgaben nun sind, spielen sie in der Praxis kaum eine Rolle, denn die Hersteller sind nicht verpflichtet in irgendeiner Weise auf den Bauteilen anzugeben, woraus diese bestehen und ob sie den deutschen Trinkwasservorgaben entsprechen oder nicht. Sie verkaufen ihre Waren EU-weit und dürfen laut Gesetz nicht durch zu strenge Bestimmungen eines einzelnen Landes eingeschränkt werden. So ist es legal, das in Deutschland Einbauteile in den Handel kommen, die nur verkauft, aber nicht eingebaut werden dürfen – sowohl von einem Fachhandwerker als auch von Heimwerkern, die ihr Bad auf eigene Faust neu ausrüsten oder reparieren.

Begeht der Heimwerker, wenn er derartiges Baumaterial verwendet "nur" eine Ordnungswidrigkeit, so sieht das beim SHK-Handwerker anders aus. Er haftet auch dafür, dass das Material nicht hierzulande geltenden Vorgaben widerspricht.

Zur Sicherheit immer beim Hersteller nachfragen

"Ein großes Problem ist, dass man den Bauprodukten nicht ansieht, welche Stoffe verwendet sind", erklärt Carsten Müller-Oehring, Rechtsexperte beim Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK). Das könnten Handwerker nur erfahren, wenn sie bei den Herstellern nachfragen. Ein Siegel oder Logo für das Einhalten der Vorgaben der TrinkwV gibt es nicht. Zwar stellt der Verband für seine Mitglieder eine Liste der über 60 Hersteller bereit, die ihm gegenüber die Konformität ihrer Produkte  versichert haben, doch vollständig ist diese nicht. Die Angaben machen die Unternehmen auf freiwilliger Basis.

So ist jetzt eine Situation mit großer Unsicherheit entstanden. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten die Betriebe Produkte nur verwenden, wenn das Einhalten der Werkstoffvorgaben von den Herstellern bestätigt ist, rät der ZVSHK. Für die Heimwerker wird es noch komplizierter, denn als Laie hat man es noch schwerer die Informationen zu bekommen.

In der Praxis ergibt sich nach Angaben des ZVSHK in der letzten Zeit vermehrt eine noch schwierigere Situation. Dann nämlich, wenn der Handwerkskunde das Baumaterial bzw. die Einbauteile selbst kauft und vom Fachmann einbauen lassen möchte. Das kann unter Umständen das schwerwiegende Folgen haben, wenn nun mangelhaftes Material bzw. Bauteile, die gesetzlichen Vorgaben nicht entsprechen, verwendet werden – wiederum für den Handwerker und auch für seinen Kunden.

Im Fachjargon heißen diese Bauteile, Geräte oder Anlagen "beigestelltes Material". Sie werden meist in Internetshops, bei eBay oder in Baumärkten gekauft mit der Hoffnung, dadurch die Kosten für die Baumaßnahme zu senken. Der Handwerker bekommt dann im Rahmen eines Werkvertrags nur den Auftrag für den Einbau.

Das gilt rechtlich, wenn der Handwerkskunde Baumaterial selbst kauft

"Aufklären muss der Handwerker seinen Kunden dennoch über all die Gefahren, die das Material mit sich bringen kann, also beispielsweise auch, dass eine Armatur nicht zwingend der Trinkwasserverordnung entspricht, wenn der Kunde sie im Baumarkt gekauft hat", sagt Carsten Müller-Oehring. Liegt weder dem Fachhandwerker noch dem Kunden eine Herstellerbestätigung vor und erfolgt der Einbau eines nicht zulässigen Produkts trotz besseren Wissens des Handwerkers, verstoßen beide gegen geltendes Recht. Der Handwerkskunde begeht dann wiederum eine Ordnungswidrigkeit und der Handwerker haftet, weil seine Leistung mangelhaft ist. Eine Haftung wegen Verstoßes gegen eine bestehende Aufklärungs- und Informationspflicht kann der Handwerker allerdings auch wiederum per Vertragsklausel ausschließen.

Was wiederum viele Handwerkskunden gar nicht wissen, die durch den eigenständigen Einkauf sparen wollen: Bei vielen Handwerkern sind die Stundenverrechnungssätze höher, wenn mit dem Auftrag nicht gleichzeitig auch Baumaterial gekauft wird. "Eine Mischkalkulation, bei der die Stundenverrechnungssätze durch den Materialverkauf quersubventioniert sind, ist heute Standard", erklärt Müller-Oehring und weist auf einen weitere Vorteil hin: die Vermeidung von Diskussionen über Fehlerursachen, wenn Produkt und Einbau komplett über den Fachbetrieb laufen.

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Dietrich

bei Markenartikel keine Bedenken

In Deutschland wird es keinen Markenhersteller geben, der nicht auf die vom UBA freigegebenen metallenen Werkstoffe umgestellt hat.
Diese Bauteile können bedenkenlos eingebaut werden.
Bei No-Name-Produkten aus dem Internet besteht immer ein Risiko, nicht nur in diesem Fall.