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EU arbeitet an neuen Regeln für besseres Trinkwasser Baumaterial: Trinkwassersicherheit kaum prüfbar

Jedes Bauteil, das mit Trinkwasser in Berührung kommt, muss in Deutschland bestimmten Vorgaben entsprechen. Auf dem Markt sind allerdings auch Armaturen und Sanitärartikel, die hierzulande nicht verbaut werden dürften. Zwar arbeiten die EU-Politiker an einer neuen EU-Trinkwasserrichtlinie und nehmen auch Bauprodukte in den Fokus. Die derzeitige Praxis bleibt allerdings kaum prüfbar.

Ein typischer Fall aus der Praxis: Ein Handwerkskunde kauft ein Bauteil – etwa eine Badezimmerarmatur – vermeintlich günstiger im Internet und will sie vom Fachmann installieren lassen. Das geht aber nicht immer gut und kann in der Praxis schwerwiegende Folgen haben – besonders dann, wenn das Material nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Doch diese können nicht so einfach überprüft werden wie man meinen könnte. Das zeigt sich besonders im Fall von Bauteilen, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen. So können etwa Werkstoffen aus Metall, aus denen etwa die Armatur besteht, gegen die Trinkwasserverordnung verstoßen, ohne dass dies jemand prüfen kann.

Zwar gibt es schon durch die letzte Änderung der deutschen Trinkwasserverordnung Vorgaben für all das Baumaterial bzw. die Einbauteile und Werkstoffe aus Metall, die mit Trinkwasser in Berührung kommen. Nach einer zweijährigen Übergangsfrist wurden sie im April 2017 verbindlich. Für Kunststoffe und andere organische Materialien in Kontakt mit Trinkwasser werden derzeit Vorgaben erarbeitet und schon bald sollen sie auch für keramische Werkstoffe bekannt gemacht werden. Doch egal wie streng die Vorgaben sind, spielen sie in der Praxis kaum eine Rolle, denn die Hersteller sind nicht verpflichtet in irgendeiner Weise auf den Bauteilen anzugeben, woraus diese bestehen und ob sie den deutschen Trinkwasservorgaben entsprechen oder nicht.

Hat die EU-Kommission schon Anfang des Jahres 2018 eine Novelle der EU-Trinkwasserrichtlinie vorgelegt, die auch diese Problematik in den Blick nimmt. Sie plant einheitliche Vorgaben für alle Länder für die Materialien der Bauteile, die mit Trinkwasser in Berührung kommen. So ist allerdings dennoch noch nicht klar, ob auch neue Kennzeichnungspflichten folgen, die die Praxis sicherer machen. Das EU-Parlament hat dem Richtlinienvorschlag Ende Oktober zugestimmt. Nun sind die Mitgliedsländer am Zug, doch deren Verhandlungen im Rat stecken noch in den Anfängen. Nach Angaben des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) werden derzeit verschiedene Ansätze diskutiert. "Entweder eine Regelung über die EU-Bauprodukteverordnung oder über einheitliche Vorgaben für Materialien in Kontakt mit Trinkwasser in der Trinkwasserrichtlinie", teilt ein Sprecher des Verbands mit.

Die Vorgaben, die in Deutschland seit dem vergangenen Jahr verpflichtend sind, betreffen hygienische Anforderungen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat sie entsprechend des § 17 Abs. 3 Trinkwasserverordnung (TrinkwV) erarbeitet, sie gelten seither für Bauteile aus Metall wie Wasserleitungen, Armaturen und Wasserhähne für Küchen und Bäder. Genau festgelegt sind nun die Materialien, aus denen sie bestehen dürfen.

Informationen des UBA zu der Positivliste der Werkstoffe erhalten Sie hier.>>>

Baumaterial ohne Trinkwasserzulassung im Handel

In der Praxis gilt jedoch auch, dass Händler in der EU ihre Waren auch EU-weit vertreiben dürfen. Sie dürfen laut Gesetz nicht durch zu strenge Bestimmungen eines einzelnen Landes eingeschränkt werden und somit hierzulande auch Bauteile verkaufen, die nicht den deutschen Vorgaben entsprechen. So ist es legal, das in Deutschland Einbauteile in den Handel kommen, die nur verkauft, aber nicht eingebaut werden dürfen – sowohl von einem Fachhandwerker als auch von Heimwerkern, die ihr Bad auf eigene Faust neu ausrüsten oder reparieren. Noch gibt es keine EU-weiten Vorgaben für die Materialien, die mit Trinkwasser in Berührung kommen dürfen.

Begeht der Heimwerker, wenn er derartiges Baumaterial verwendet "nur" eine Ordnungswidrigkeit, so sieht das beim SHK-Handwerker anders aus. Er haftet auch dafür, dass das Material nicht hierzulande geltenden Vorgaben widerspricht.

Zur Sicherheit immer beim Hersteller nachfragen

"Ein großes Problem ist, dass man den Bauprodukten nicht ansieht, welche Stoffe verwendet sind", erklärt Carsten Müller-Oehring, Rechtsexperte beim Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK). Das könnten Handwerker nur erfahren, wenn sie bei den Herstellern nachfragen. Ein Siegel oder Logo für das Einhalten der Vorgaben der TrinkwV gibt es nicht. Zwar stellt der Verband für seine Mitglieder eine Liste der über 60 Hersteller bereit, die ihm gegenüber die Konformität ihrer Produkte  versichert haben, doch vollständig ist diese nicht. Die Angaben machen die Unternehmen auf freiwilliger Basis.

Dennoch wird der ZVSHK auch für die betroffenen Produkte aus Kunststoff und Keramik Herstellererklärungen abfragen und bereitstellen, sobald es dazu verpflichtende Vorgaben gibt. Um die Abfrage der Herstellerangaben zu vereinfachen hat der Verband das Portal open-datapool.de geschaffen, das die Stammdaten der gelisteten Hersteller enthält.

Derzeit besteht aber erst einmal weiterhin eine Situation mit großer Unsicherheit. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten die Betriebe Produkte nur verwenden, wenn das Einhalten der Werkstoffvorgaben von den Herstellern bestätigt ist, rät der ZVSHK. Für die Heimwerker wird es noch komplizierter, denn als Laie hat man es noch schwerer die Informationen zu bekommen.

In der Praxis ergibt sich nach Angaben des ZVSHK in der letzten Zeit vermehrt eine noch schwierigere Situation. Dann nämlich, wenn der Handwerkskunde das Baumaterial bzw. die Einbauteile selbst kauft und vom Fachmann einbauen lassen möchte. Das kann unter Umständen das schwerwiegende Folgen haben, wenn nun mangelhaftes Material bzw. Bauteile, die gesetzlichen Vorgaben nicht entsprechen, verwendet werden – wiederum für den Handwerker und auch für seinen Kunden.

Im Fachjargon heißen diese Bauteile, Geräte oder Anlagen "beigestelltes Material". Sie werden meist in Internetshops, bei eBay oder in Baumärkten gekauft mit der Hoffnung, dadurch die Kosten für die Baumaßnahme zu senken. Der Handwerker bekommt dann im Rahmen eines Werkvertrags nur den Auftrag für den Einbau.

Das gilt rechtlich, wenn der Handwerkskunde Baumaterial selbst kauft

"Aufklären muss der Handwerker seinen Kunden dennoch über all die Gefahren, die das Material mit sich bringen kann, also beispielsweise auch, dass eine Armatur nicht zwingend der Trinkwasserverordnung entspricht, wenn der Kunde sie im Baumarkt gekauft hat", sagt Carsten Müller-Oehring. Liegt weder dem Fachhandwerker noch dem Kunden eine Herstellerbestätigung vor und erfolgt der Einbau eines nicht zulässigen Produkts trotz besseren Wissens des Handwerkers, verstoßen beide gegen geltendes Recht. Der Handwerkskunde begeht dann wiederum eine Ordnungswidrigkeit und der Handwerker haftet, weil seine Leistung mangelhaft ist. Eine Haftung wegen Verstoßes gegen eine bestehende Aufklärungs- und Informationspflicht kann der Handwerker allerdings auch wiederum per Vertragsklausel ausschließen.

Was wiederum viele Handwerkskunden gar nicht wissen, die durch den eigenständigen Einkauf sparen wollen: Bei vielen Handwerkern sind die Stundenverrechnungssätze höher, wenn mit dem Auftrag nicht gleichzeitig auch Baumaterial gekauft wird. "Eine Mischkalkulation, bei der die Stundenverrechnungssätze durch den Materialverkauf quersubventioniert sind, ist heute Standard", erklärt Müller-Oehring und weist auf einen weitere Vorteil hin: die Vermeidung von Diskussionen über Fehlerursachen, wenn Produkt und Einbau komplett über den Fachbetrieb laufen.

Neue EU-Trinkwasserrichtlinie in Arbeit

Die EU möchte, dass die Menschen in Europa mehr Leitungswasser trinken und damit Plastik sparen, weil sie weniger Tafelwasser kaufen. Sie sollen wieder mehr Vertrauen in das Wasser aus der Leitung bekommen. Die EU-Kommission hat dazu Anfang 2018 einen Entwurf vorgelegt, dem – nach einigen Änderungen – auch das Parlament angenommen hat. Der Gesetzentwurf verschärft unter anderem die Höchstwerte für bestimmte Schadstoffe wie Blei und für schädliche Bakterien und setzt neue Grenzwerte für bestimme hormonwirksame Stoffe. Zudem fordert er, dass der Gehalt an Mikroplastik künftig überwacht werden soll.

Viele Details der neuen Richtlinie stehen bislang jedoch noch nicht fest und müssen von den Mitgliedsstaaten ausgestaltet werden. Einige richtungsweisende Änderungen lassen sich jedoch bereits heute abschätzen. So teilt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mit, dass für die gesamte "Versorgungskette" von der Entnahmestelle bis zum Wasserhahn die verpflichtende Anwendung eines sogenannten risikobasierten Ansatzes eingeführt werden soll. So sollen mögliche Belastungen des Trinkwassers sowohl durch höhere Grenzwerte als auch durch neue Vorgaben für all das eingeführt werden, was mit dem Wasser in Berührung kommt – Leitungen, Rohre und Teile der Sanitäreinrichtung. Laut VKU ist es dringend erforderlich, einheitliche Vorgaben für Materialien in Kontakt mit Trinkwasser auf EU-Ebene festzulegen.

Für Deutschland gibt es diese jedoch schon und das Trinkwasser in Deutschland gilt auch als das am besten kontrollierte Lebensmittel. „Die Qualität des Trinkwassers ist exzellent“, sagt dazu ein VKU-Sprecher und verweist auf Untersuchungen des Umweltbundesamts aus den Jahren 2014 bis 2016, bei denen mehr als 99 Prozent der Proben die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten hätte. Zudem belegen Umfragen des Instituts für Sozial- und Kommunikationsforschung, dass die Mehrheit der Deutschen Leitungswasser auch unmittelbar als Trinkwasser nutzt und damit sehr zufrieden ist.

Da es in einzelnen EU-Ländern noch anders aussieht, hat der EU-Vorschlag zur neuen EU-Trinkwasserrichtlinie auch das Recht auf den Zugang zu sauberem Trinkwasser in den Blick genommen. Die Mitgliedstaaten sollen demnach den allgemeinen Zugang zu sauberem Wasser in der Europäischen Union fördern und Zugang zu Wasser in Städten und öffentlichen Einrichtungen verbessern – etwa durch die Einrichtung von frei zugänglichen Trinkbrunnen. Die Abgeordneten plädieren auch dafür, dass Leitungswasser kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr in Restaurants, Kantinen und bei Catering-Dienstleistungen bereitgestellt wird.

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