Inklusion durch Sport Wie sich Augenoptiker bei den Special Olympics engagieren

Mit klarem Durchblick zu mehr Erfolg und Gesundheit: Auch in diesem Jahr unterstützt der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen die Special Olympics mit dem Opening-Eyes-Programm. So wird den Sportlern dabei geholfen.  

Fachleute fertigen während der Special Olympics passende Brillen und andere Sehhilfen für die Athleten an. - © Björn Köhler

Die Special Olympics World Games sind die größte inklusive Sportveranstaltung der Welt. Vom 17. bis 25. Juni 2023 werden über 7.000 Athletinnen und Athleten mit geistiger und Mehrfachbehinderung in Berlin erwartet. Auch der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) unterstützt das Event.

Bereits seit 2007 unterstützt der ZVA die Special Olympics im Rahmen des Programms "Healthy Athletes". Bei den Wettkämpfen werden insgesamt acht Gesundheitsprogramme angeboten. Eines davon ist das "Opening Eyes"-Programm, bei dem spezielle Sehtests für Menschen mit Behinderung durchgeführt werden.

Im Mittelpunkt steht die Sehkraft, die wichtig ist, um die Koordinations- und Leistungsfähigkeit im Sport voll ausschöpfen zu können. Augenoptiker und Optometristen führen vor Ort Sehtests durch und fertigen kostenlos Brillen an.

2022 haben 20 ehrenamtliche Fachhelfer aus Augenoptik, Augenheilkunde und Optometrie 600 Augenüberprüfungen durchgeführt. Das Ergebnis: Es wurden 223 Brillen und 18 Sportbrillen mit Korrektion neu verordnet und vor Ort angefertigt.

Weitere Unterstützer des Projektes sind Brillenglas-, Fassungs- und Gerätehersteller, Pharmafirmen, die Hochschule München und die Berliner Hochschule für Technik sowie die Stiftung der deutschen Lions.

Schlechter Zugang zum Gesundheitssystem

"Bei den Untersuchungen haben wir schnell festgestellt, dass auch in Industrieländern ein schlechter Zugang zum Gesundheitssystem für Menschen mit Behinderungen herrscht", sagt Stefan Schwarz, Clinical Director des Opening-Eyes-Programms. Er engagiert sich seit 2004 in dem Programm. Laut Schwarz werden Krankheiten bei Menschen mit Behinderungen im Vergleich schlechter erkannt und seltener behandelt. Die Gründe für die schlechtere Gesundheitsversorgung dieser Personengruppe sind vielfältig und reichen von sozioökonomischen Faktoren bis hin zu einer nicht barrierefreien Infrastruktur.

In den letzten 20 Jahren konnte durch das Opening Eyes Programm ein Netzwerk mit vielen deutschen Gerätelieferanten aufgebaut werden. "In Hinblick auf Geräte zur Augenuntersuchung sind Deutschland und die Schweiz Hightech-Länder." Die hochwertigen Geräte eignen sich nicht nur sehr gut für die Untersuchung von Menschen mit geistiger Behinderung. Die ehrenamtlichen Helfer, zu denen auch Studierende zählen, können so auch üben. Die hochwertigen Geräte sind Leihgaben der Lieferanten.

Mehr Inklusion durch Sport

Die Special Olympics sind die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung. Ihr Ziel ist es, als Inklusionsbewegung Menschen mit geistiger Behinderung durch Sport zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe sowie zu Anerkennung und Selbstbewusstsein zu verhelfen. Dazu wird ein ganzjähriges und regelmäßiges Sporttraining angeboten.

Diverse Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, darunter auch eine vom Robert-Koch-Institut, dass Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen weniger Ausdauersport treiben. Das schlägt sich auch auf die Gesundheit dieser Personengruppen nieder. Laut der World Health Organisation (WHO) sterben Menschen mit Behinderungen bis zu 20 Jahre früher. "Es ist eine große Ungerechtigkeit, dass Menschen mit Behinderungen nicht so versorgt werden, wie sie es ihnen zusteht – Gesundheit und die Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht", sagt Schwarz.

Wissenswertes über die Special Olympics World Games

Gegründet wurden die Special Olympics im Jahr 1969 in den USA. Sie sind vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt. Mittlerweile gibt es circa 5,2 Millionen Athleten. Davon stellt die deutsche Delegation 414 Athleten bei dem Event in Berlin. Sie gehören zu den insgesamt 7.000 Athleten aus 190 Ländern, die im Wettkampf gegeneinander antreten. Im Jahr 1991 nahm erstmals eine deutsche Delegation an den Wettkämpfen teil. Die Athleten traten damals in Minnesota in den Sportarten Leichtathletik, Schwimmen und Fußball an.

Vor dem Beginn der Wettkämpfe werden die internationalen Sportlerinnen und Sportler von 216 Gastgeberstädten in Deutschland empfangen – den sogenannten Host Towns. Insgesamt gibt es 190 Delegationen mit jeweils einer Mitgliederstärke zwischen 6 bis 400 Personen. Bevor die Special Olympics in Berlin starten, zieht das Feuer der Special Olympics durch die Host Towns.

Alle Teilnehmer der Special Olympics eint dabei der Grundgedanke: „Ich will gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so will ich mutig mein Bestes geben!“ Zudem gibt das Leitbild der Special Olympics Deutschland einen Kompass. Es umfasst die Werte:

  • Recht und Anerkennung
  • Respekt und Teilhabe
  • Selbstbestimmung und Gemeinschaft
  • Verantwortung und Verlässlichkeit
  • Wertschätzung und Einfühlungsvermögen
  • Zuversicht und Zusammenhalt