Handwerker kennen den Mechanismus aus eigener Erfahrung: Die Löhne steigen regelmäßig, auch Energie oder Material werden immer teurer. Schließlich muss der Betrieb die höheren Kosten über die Preise für seine Leistungen an die Kunden weitergeben. So trägt die Firma ein kleines Stück zur Inflation bei.

Der aus dem lateinischen kommende Begriff "Inflation" lässt sich wörtlich in etwa mit dem Begriff Aufblähen übersetzen. Volkswirte beschreiben damit Teuerung, zum Beispiel bei den Verbraucherpreisen, bei ausgewählten Gütern oder auch bei der gesamten Wirtschaftsleistung. Man kann umgekehrt sagen, dass das Geld an Wert verliert, weil für dieselbe Summe eine geringere Gegenleistung geboten wird.
Am häufigsten ist in der Öffentlichkeit von der Entwicklung der Verbraucherpreise die Rede, wenn über die Entwicklung der Inflation berichtet wird. Gemessen wird die Teuerungsrate vom Statistischen Bundesamt. Der Berechnung liegt ein Warenkorb zugrunde, in dem die für einen privaten Haushalt üblichen Waren und Dienstleistungen zusammengefasst werden, also zum Beispiel die Wohnkosten, Lebensmittel oder das Auto.
Aus der Preisentwicklung dieser Bestandteile des Warenkorbes wird eine durchschnittliche Teuerung ermittelt. Kosten alle Ausgaben im Januar eines Jahres 100 Euro und im Januar des folgenden Jahres 102 Euro, beträgt die Inflationsrate zwei Prozent.
Was verbirgt sich hinter der gefühlten Inflation?
Der offizielle Preisindex wird aus den durchschnittlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte gebildet. Doch jeder Haushalt für sich genommen weist ein sehr unterschiedliches Ausgabenprofil aus. Steigen die Preise in einem Sektor, der besonders intensiv genutzt wird, überdurchschnittlich an, wird dies als beschleunigte Inflation wahrgenommen.
Ein Beispiel dafür ist die Zeit nach der Einführung des Euro. Die Gastronomie erhöhte ihre Preise stark, große Ausgabenposten wie die Miete oder Versicherungen blieben unverändert. Insgesamt blieb die Inflationsrate dadurch niedrig. Individuell wurde sie von vielen als höher empfunden, weil die täglichen Ausgaben den Eindruck erweckten, der Euro sei ein Teuro.
Wie entsteht Inflation?
Es gibt eine ganze Reihe von Einflussfaktoren auf die Preisentwicklung. So kann der Staat für Preissteigerungen sorgen, in dem er Steuern erhöht, was Produkte verteuert. Ein grundsätzlicher Mechanismus entspringt der Wirtschaft. Erhöht sich die Nachfrage nach bestimmten Gütern, steigt deren Preis.
Knappheiten wie eine ausgefallene Obsternte wirken ebenfalls preistreibend. Auch hohe Lohnabschlüsse können die Teuerung beschleunigen, wenn die Arbeitgeber sie über höhere Preise an ihre Kunden weitergeben. Schließlich kann auch die Notenbank einen Inflationsschub begünstigen, in dem sie neues Geld in Umlauf bringt. Dadurch steigen die Geldmenge und damit die Nachfrage.
Gibt es Gewinner und Verlierer?
Von einer mäßigen Inflation profitiert die Volkswirtschaft insgesamt. Vereinfacht gesagt ermöglichen steigende Preise höhere Unternehmensgewinne. Die Betriebe können mehr investieren und dadurch wiederum wettbewerbsfähiger werden. Arbeitnehmer setzen Lohnsteigerungen durch, die sich an der wachsenden Produktivität orientieren. Der Kaufkraft der Bevölkerung wächst. Der Staat wiederum erhält zusätzliche Steuereinnahmen und kann seinerseits mehr investieren.
Individuell kann diese Formel natürlich ganz anders aussehen. Wer in seinem Beruf keine Gehaltssprünge erwarten kann, bleibt auf den steigenden Kosten sitzen und verliert an Kaufkraft .
Zu den Gewinnern gehören auch Schuldner . Denn der Wert ihrer Kredite sinkt mit steigender Inflation. Ähnlich ist es mit den Staatsschulden. Gemessen an der immer höheren Wirtschaftsleistung sinkt der Verschuldungsgrad. Welche Inflationsrate am besten ist, wissen auch die Experten nicht genau. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerung von zwei Prozent im Jahr an.
Wie schützt man sich vom dem Wertverfall des Geldes?
Als sicherer Hafen für das Ersparte gelten Sachwerte wie Immobilien oder Rohstoffe. Denn ihr physischer Wert bleibt ja erhalten, egal wie sich der Wert des Geldes entwickelt. Allerdings kann es auch bei Sachwertenzu einem Wertverfall kommen, wie sich immer wieder einmal beim Goldpreis zeigt, der großen Schwankungen unterliegt.
Warum haben die Deutschen besonders viel Angst vor einer hohen Inflationsrate?
Diese Furcht geht auf die historische Erfahrung mit einer Hyperinflation vor rund 90 Jahren zurück. Die Reichsbank druckte Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts immer mehr Geld, auch um Reparationsforderungen in Folge des Ersten Weltkriegszu bedienen.
Der Wert der Reichsmark sank schließlich rapide ab. Ein Frühstücksei, das im August 1923 schon sagenhafte 923 Papiermark kostete, verteuerte sich bis zum November auf sagenhafte 320 Milliarden Papiermark. Die Geldvermögen des Mittelstands lösten sich damit im Nichts auf. Diese Erfahrung ist bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert. wom
Deflation: das Gegenteil der Inflation
Ob Unternehmer oder Privathaushalt – über sinkende Kosten freuen sich alle erst einmal. Wenn beispielsweise das Benzin billiger wird, sinken die Mobilitätskosten und das eingesparte Geld kann für andere Dinge ausgegeben werden. Dauerhaft auf der gesamten Breite rückläufige Preise sind unter dem Begriff Deflation bekannt. Während bei Inflation alles teurer wird, reduzieren sich die Kosten bei Deflation.
Wie funktioniert die Abwärtsspirale?
Gerät die gesamte Wirtschaft in eine Phase rückläufiger Preise, kann eine gefährliche Entwicklung eintreten. Deflation kann eine schwere Konjunkturkrise auslösen . In Erwartung weiter sinkender Preise schieben Unternehmen Investitionen auf. Privathaushalte halten sich mit Einkäufen von langlebigen Konsumgütern aus demselben Grund zurück. Die Nachfrage sinkt dann und das Wachstum bricht ein.
Dies führt zum nächsten Schritt Abwärts. Die Produzenten von Waren oder Dienstleistungen senken abermals die Preise, um so neue Abnehmer zu finden. Dafür müssen auch seine Kosten zurückgehen. Also investiert der Betrieb weniger, spart Personal ein oder schließt unrentable Standorte. So geht es immer weiter, bis die gesamte Wirtschaft in die Krise stürzt.
Auch Vermögen werden teilweise in Mitleidenschaft gezogen . So gehen beispielsweise die Immobilienpreise und Börsenkurse zurück, weil einerseits die Nachfrage fehlt, andererseits die Gewinnaussichten der Aktiengesellschaften schmaler ausfallen. Dadurch entsteht schnell ein weiteres Problem. Viele dieser Investments werden mit Krediten finanziert. Die Schulden bleiben, der Wert der damit erworbenen Güter vermindert sich. Eine Pleitewelle droht.
Ist ein solches Schreckenszenario schon vorgekommen?
Deutschland hat während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts selbst schon einmal so eine Phase durchgemacht. Die Regierung der Weimarer Republik musste hohen Schuldenzahlungen an die USA leisten und dafür einen gewichtigen Teil der Goldreserven einsetzen.
Da die Mark damals durch das Edelmetall als Gegenwert gedeckt werden musste, zog die Notenbank eine große Geldmenge aus dem Verkehr. Die Löhne gingen zurück , die Nachfrage bracht ein und es entstand ein Heer von sechs Millionen Arbeitslosen. Die Krise trug letztlich mit dazu bei, dass die Nationalsozialisten an die Macht kamen.
Auch aktuelle Fälle gibt es. Japan steckt von wenigen Jahren abgesehen seit Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in einer Deflation fest. Der Staat versucht gegenzusteuern. Die Öffentliche Hand verschuldet sich immer weiter und hofft mit zusätzlichen Ausgaben und Investitionen einen Konjunkturschub auszulösen.
Bisher gelang dies nicht. Stattdessen ist Japan das wohl am höchsten verschuldete Land der Welt. In manchen Ländern der Eurozone haben die Finanz- und die anschließende Schuldenkrise sinkende Löhne und Preise nach sich gezogen. Griechenland ist ein Beispiel dafür. Löhne wurden gekürzt, Staatsausgaben gesenkt. Die Arbeitslosigkeit lag Anfang 2015 noch bei rund 25 Prozent.
Was hilft gegen Deflation?
Bekämpfen lässt sich eine Deflation nur schwer. Die Zentralbank kann die Zinsen senken und so Anreize dafür setzen, dass vorhandenes Geld lieber ausgegeben als gehortet wird. Das würde die Wirtschaft ankurbeln und dem Preissenkungswettlauf beenden. Doch bei einem Nullzins ist Schluss. Danach bleibt den Notenbankern noch der Ankauf von Wertpapieren der Banken. So kommt weiteres Geld in Umlauf.
Der Staat selbst kann über Investitionsprogramme die Wirtschaft stimulieren. Die Kehrseite ist in Japan sichtbar geworden. Der Schuldenstand wächst und wird irgendwann womöglichzu einem eigenen großen Problem. In Folge der Schuldenkrise in Europa sind in der Eurozone insgesamt deflationäre Tendenzen erkennbar geworden.
Die Europäische Zentralbank (EZB) wirkt dem durch eine extrem lockere Geldpolitik entgegen, ohne dass schnelle Erfolge erkennbar wurden. Viele Ökonomen sind überzeugt, dass die Bekämpfung einerzu hohen Inflation leichter ist als ein erfolgreiches Vorgehen gegen eine Deflation. wom