Hohe Energie- und Lebensmittelpreise Inflation verliert etwas an Tempo

Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland hat sich im November etwas verlangsamt. Die Inflationsrate war mit zehn Prozent aber weiter zweistellig. Eine Analyse des Ifo-Instituts sieht neben den gestiegenen Kosten auch höhere Gewinne der Unternehmen hinter der aktuellen Inflation.

Ein Euro zerfällt in kleine Teile. Symbolbild Inflation.
Im November 2022 gab es eine leichte Abschwächung der Inflation. - © photoschmidt - stock.adobe.com

Das Statistische Bundesamt bestätigte am 13. November eine erste Schätzung: "Die Inflationsrate verweilt trotz leichter Entspannung bei den Energiepreisen mit 10,0 Prozent weiterhin auf einem hohen Stand", sagte der Präsident der Wiesbadener Behörde, Georg Thiel. "Wir beobachten zunehmend auch Preisanstiege bei vielen anderen Waren neben der Energie." Im Oktober hatte die Teuerungsrate mit 10,4 Prozent den höchsten Stand seit etwa 70 Jahren erreicht.

Kein Grund zur Entwarnung

Volkswirte sehen in der Abschwächung im November noch keinen Grund zur Entwarnung. Viele Ökonomen rechnen erst im Frühjahr mit einem deutlicheren Rückgang der Teuerung. Hohe Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern und zehren Einkommenszuwächse auf. Die Menschen können sich für einen Euro weniger leisten.

Angeschoben wird die Inflation seit Monaten von den Energie- und Lebensmittelpreisen. Energie kostete im November 38,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Preisanstieg schwächte sich nach einem Zuwachs von 43 Prozent im Oktober damit etwas ab. Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher 21,1 Prozent mehr zahlen als im November 2021. Gegenüber dem Vormonat sanken die Verbraucherpreise im November insgesamt um 0,5 Prozent.

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Ifo-Forscher sieht auch Gewinnsteigerungen hinter Inflation

Eine Analyse des Ifo-Instituts sieht neben den gestiegenen Kosten auch höhere Gewinne der Unternehmen hinter der aktuellen Inflation. "Einige Unternehmen scheinen den Kostenschub als Vorwand dafür zu nehmen, durch eine Erhöhung ihrer Absatzpreise auch ihre Gewinnsituation zu verbessern", erklärte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden am 13. Dezember. Dies dürfte die Inflation verstärkt haben, schreibt er in einem Aufsatz zu dem Thema.

Deutschland habe "nicht nur eine Kosteninflation, sondern ganz offensichtlich auch eine 'Gewinninflation'", schreibt Ragnitz. Allerdings stellt er auch klar, dass die Inflation insgesamt "zu einem ganz erheblichen Teil" tatsächlich auf die gestiegenen Kosten der Unternehmen zurückzuführen sei. Man könne bisher nur vorläufige Aussagen über das tatsächliche Ausmaß des zusätzlichen Faktors treffen.

Besonders am Bau, im Handel, Gastgewerbe, Verkehr und in der Land- und Forstwirtschaft einschließlich Fischerei hätten die Unternehmen "ihre Preise deutlich stärker erhöht als es aufgrund der gestiegenen Vorleistungspreise allein zu erwarten gewesen wäre", sagte Ragnitz.

In der Land- und Forstwirtschaft einschließlich Fischerei lasse sich das durch die dort oft geltenden Weltmarktpreise und die Erwartung steigender Kosten für Dünger und Futter erklären, sagte der Ifo-Experte. Bei Bau und Handel seien die Preissteigerungen aber nicht so leicht zu erklären, da eine Orientierung an Weltmarktpreisen hier ausscheide und die Löhne weniger stark als die Preise gestiegen seien.

Einen Grund für staatliches Eingreifen sieht Ragnitz ausdrücklich nicht. Was dagegen helfe, sei vermehrter Wettbewerb. Und auch die Verbraucher könnten etwas tun, indem sie ihr Kaufverhalten anpassten und zu billigeren Produkten griffen.

Teuerungsraten so hoch wie nie

Teuerungsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern wurden Raten um die zehn Prozent und darüber Anfang der 50er Jahre gemessen. Allerdings hat sich die Berechnungsmethode im Laufe der Zeit geändert. dpa