Mobile Services In zehn Schritten zur eigenen App

Apps können Unternehmen erhebliche Vorteile bringen: Mehr Einnahmen, schnellere Prozesse oder zusätzliche Werbung. Mit diesen Tipps planen Sie erfolgreich eine App.

Eine App kann den Unternehmenserfolg enorm steigern. - © PureSolution/Fotolia.com

Eine App sollte seinen Nutzern einen echten Mehrwert bieten -  nur dann wird sie genutzt und ist erfolgreich. Zugleich sollte jedes App-Angebot dem Anbieter Vorteile bringen: Mehr Einnahmen, zusätzliche Werbung oder höhere Prozesseffizienz. Die Entscheidung, eine App zu entwickeln, sollte gut durchdacht sein und niemals aus Imagegründen geschehen.

Ein wesentlicher Vorteil von Smartphones und Tablets ist ihr mobiler Einsatz. Die integrierten Ortungsdienste in diesen Geräten ermöglichen es von unterwegs, auftretende Fragestellungen und Probleme zu lösen. Solche Informationsangebote sind nützlich für den Kunden und binden ihn an das Unternehmen. Wenn er sogar aktiv benachrichtigt wird, entsteht ein völlig neuer Kommunikationskanal direkt zum Kunden.

Tablet-PCs und Smartphones können auch zur Abwicklung unternehmensinterner Geschäftsprozesse eingesetzt werden. Apps zur Verwaltung von Terminen und Kontakten sowie die Bearbeitung von E-Mails gehören zur Grundausstattung eines jeden Smartphones. Daneben werden von Herstellern von Standardunternehmenssoftware zunehmend Apps für den mobilen Zugriff angeboten.

Mit diesen 10 Schritten planen und konkretisieren Sie Ihr App-Angebot:

1. Konkrete Vorgaben und Marketingstrategie:

Es sollten möglichst konkrete Vorgaben für das Projekt abgeleitet werden, denn je gewissenhafter der Projektverlauf geplant ist, desto besser lassen sich der Aufwand und die damit einhergehenden Kosten beurteilen.

Eine schlüssige Marketing- und Vertriebsstrategie ist essentiell:

  • Markterschließung: Liegt die Zielsetzung des Projekts vorwiegend in der Gewinnung von Neukunden, gilt es die Barrieren für die Nutzung der App niedrig zu halten. Es geht darum, den Markt so schnell wie möglich zu durchdringen. In diesem Fall sollte die App möglichst kostenfrei angeboten werden.
  • Kundenbindung durch Mehrwert und Zusatz-Services : Liegt die primäre Zielsetzung im Projekt auf dem Angebot eines Mehrwerts zum aktuellen Spektrum an Produkten und Dienstleistungen des Unternehmens, sollte die Vermarktung darauf ausgerichtet sein, diesen Mehrwert zu kommunizieren.
  • Differenzierung durch neue Services: Eine eigene neue App bietet auch die Möglichkeit, einen komplett neuen Service bereitzustellen, der losgelöst von den eigenen Produkten und Dienstleistungen sein kann. Hierdurch ist eine klare Differenzierung vom Wettbewerb möglich. Dabei erstreckt sich die Zielgruppe sowohl über Bestandskunden des Unternehmens als auch über potentielle Neukunden, die der Service interessieren könnte.

2. Zielgruppenanalyse- und definition:

Der Markt für mobile Geräte und Anwendungen ist sehr dynamisch. Ein neues Angebot muss daher möglichst genau auf eine bestimmte Zielgruppe fokussiert werden. Denn wenn ein Nutzer nicht möglichst schnell einen Vorteil in der App für sich erkennt, ist sie ganz schnell wieder gelöscht.

Um genaue Daten für die Konzeption der App zu erheben, sollte das Website-Protokoll ausgewertet werden: Denn das liefert genaue Informationen darüber, von welchen mobilen Endgeräten, wo, wann und wie häufig die Kunden auf einzelne Teilbereiche auf der Seite zugreifen.

Auch sollten bestehende Kommunikationskanäle untersucht und Fragebögen eingesetzt werden. Zudem können auch Telefoninterviews herangezogen werden, um zukünftigen Handlungsbedarf oder Wünsche zu ermitteln. Kleine Unternehmen haben auch die Möglichkeit, ihre Kunden direkt über ihr Nutzungsverhalten zu befragen.

Darüber hinaus sollte die Technikaffinität und Geräteausstattung der Zielgruppe beachtet werden: Eine ausreichend hohe Affinität zu mobiler Technologie ist Voraussetzung dafür, dass eine Zielgruppe überhaupt über eine App erreicht werden kann.

3. Technologieauswahl:

Bei der Auswahl einer geeigneten Technologie für Ihre App sollten sie die technische Ausstattung ihrer Nutzergruppe im Auge behalten.

Im Bereich der mobilen Systeme gibt es unterschiedliche Technologien. Große Anbieter sind das Google-System Android, Apple mit iOS und das Windows Phone 8 von Microsoft.

Meist empfiehlt es sich, zunächst mit der innerhalb der Zielgruppe am meisten genutzten Systemplattform zu beginnen und später die anderen in der Reihenfolge ihres Nutzungsgrads nachzuziehen.

Eine mobile Anwendung kann auf unterschiedliche Weise realisiert werden. Aus technischer Sicht lassen sich Apps grundsätzlich in native Apps, Web Apps und hybride Apps unterscheiden.

4. Analyse der Wettbewerber:

Bieten Konkurrenten bereits eine App an? Sind keine vergleichbaren Apps am Markt verfügbar, sollten Sie handeln. Dabei müssen Sie aber das Fehlen von Apps genauso gründlich analysieren wie ein Überangebot davon. Dabei sollte die "Daumenregel" beachtet werden: Smartphones werden häufig nur mit dem Daumen bedient. Diese Regel gilt nicht für Tablet-PCs.

5. Betrachten des rechtlichen Umfelds:

Bei der Erhebung, Verarbeitung und Speicherung personenbezogener Daten müssen hohe gesetzliche Anforderungen nach dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) erfüllt werden.

Der Nutzer muss vor der Eingabe seiner personenbezogenen Daten in allgemein verständlicher Form darauf hingewiesen werden, auf welche Art, in welchem Umfang und für welchen Zweck seine Daten erhoben und verarbeitet werden. Er muss auch darüber in Kenntnis gesetzt werden, wer genau diese Daten erhebt und verarbeitet und wie er Kontakt mit der datenverarbeitenden Stelle aufnehmen kann.

Für die Nutzung von Apps auf mobilen Endgeräten gelten spezifische Besonderheiten, die auch spezielle Hinweispflichten oder Einwilligungsdialoge auslösen können. So ist zum Beispiel die Erfassung und Speicherung geostationärer Daten des Nutzers im Rahmen von Location Based Services einwilligungspflichtig.

Sollen über die App Waren oder Dienstleistungen angeboten werden, gelten weitere gesetzliche Anforderungen. Das Europäische Verbraucherrecht hat zu einer Vielzahl von verbindlichen Vorgaben geführt, die ab Juni 2014 eine weitere Neuregelung im deutschen Recht nach sich ziehen werden.

6. Aufwandsabschätzung:

Nach der Definition des ungefähren Funktionsumfangs der App ist eine erste, wenn auch noch sehr grobe, Aufwandsabschätzung möglich. Sie kann zu einer frühen Abwägung des Projektrisikos herangezogen werden.

Eine durchschnittliche App erlaubt eine Navigation über mehrere Bildschirmseiten, entsprechende Konfigurationsmöglichkeiten durch den Nutzer, eine gut durchdachte Menüführung und den möglichen Zugriff auf ein aufwendigeres Back-End. Dieser zusätzliche Aufwand bei der Entwicklung der App führt zu einer Erhöhung der Entwicklungskosten auf durchschnittlich circa 23.000 €. Je komplexer eine App wird, desto aufwendiger ist ihre Entwicklung. Soll beispielsweise ein eigens entwickeltes Back-End verwendet, spezielle Geschäftslogiken zur Verfügung gestellt und zusätzliche Komponenten zur Erhöhung der Usability genutzt werden, kann die Umsetzung einer solchen Idee schnell einen Betrag von 100.000 € und mehr erreichen.

7. Auswahl geeigneter Erlösmodelle:

Anbieten einer kostenpflichtigen App : Eine unmittelbar einsichtige Form der Erlösgewinnung ist der Vertrieb einer kostenpflichtigen App. Dabei ist zu beachten, dass sowohl unter iOS als auch Windows Phone Apps ausschließlich über die Plattformen der Firmen Apple beziehungsweise Microsoft vertrieben werden dürfen.

In App-Advertisement und In App-Purchasing: Eine indirekte Form der Erlösgewinnung ist der Vertrieb von Zusatzprodukten beziehungsweise das Schalten von Werbeflächen innerhalb einer App. Die Firmen Google und Apple bieten zur Integration von Werbeflächen in mobile Anwendungen bereits spezielle Dienstleistungen mit dem Namen AddMob beziehungsweise iAdd an.

Gebühren für neue Services: Ein einfacher Weg um jede Art von Gebühren an Dritte auszuschalten, ist die Erhebung von Gebühren für neu angebotene Services, die entweder das bisherige Angebot des Unternehmens erweitern oder eine völlig neue Dienstleistung für den Kunden darstellen. Die mobile Anwendung selbst wird in diesem Fall kostenlos angeboten. Hierdurch wird auch der jeweilige App Store als Mitverdiener ausgeschaltet und die Erträge kommen direkt dem Unternehmen zugute. Die Gebühren für den neuen Service können entweder durch Preisaufschlag auf bestehende Dienstleistungen oder durch Abschluss von Abonnements für die Nutzung des neuen Services erhoben werden.

8. Auswahl des passenden Projektpartners:

Eine wichtige Frage im Rahmen der Projektplanung ist, ob und wenn ja, welche Arbeiten an einen externen Dienstleister vergeben werden sollen. Je weiter die Entwicklung mobiler Applikationen außerhalb des Kerngeschäfts des eigenen Unternehmens liegt, desto mehr Tätigkeiten sollten anfänglich nach außen vergeben werden. Langfristig muss jedoch zunehmend auch eigenes Know-how aufgebaut werden.

9. Ressourcenplanung:

Auch wenn die Realisierung einer App-Idee sinnvollerweise an einen externen Entwickler delegiert wird, so ergeben sich daraus Anforderungen an das eigene Unternehmen, die berücksichtigt werden müssen.

Anschaffung spezieller Geräte: Entsprechend der Entscheidung für welche Systemplattform(en) entwickelt werden soll, empfiehlt es sich jeweils mindestens ein dazu passendes Gerät anzuschaffen um neue Funktionen, intuitive Bedienbarkeit und fehlerfreies Funktionieren der App zeitnah testen zu können.

Technische Integrationsplanung: Zur Bereitstellung der notwendigen App-Schnittstellen innerhalb eines Unternehmens kann möglicherweise ein weiterer Dienstleister (Web-Entwickler, Anbieter von Unternehmenssoftware) neben dem App-Entwickler benötigt werden.

Organisatorische Planung: Bei der Ressourcenplanung müssen auch ausreichende Mitarbeiter-Kapazitäten zur Durchführung aller Aufgaben vorgesehen werden, die im Rahmen der späteren Nutzung der App auszuführen sind. Hierunter fällt der direkte Kundensupport. Es muss festgelegt werden, wie und von wem innerhalb welches Zeitraums auf Kundenanfragen reagiert wird.

10. Festlegung des App-Designs und Werbung:

Ansprechendes Design: Eine App ist in vielen Fällen ein wichtiges Aushängeschild eines Unternehmens. Was früher der Internetauftritt war, ist mittlerweile eine App. Sie kann die Unternehmensidentität ("Corporate Identity") unterstützen.

Wahl eines "sprechenden" Namens: So kann die App leicht im Store gefunden werden kann

Einfache Funktion: Sie sollten sich auf das Wesentliche konzentrieren, um eine intuitive Bedienbarkeit und schnelle Erlernbarkeit zu schaffen.

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meh/BMWi