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Homebell: Internetportal nimmt Handwerker den Papierkram ab "In fünf Minuten wissen, was die Handwerksarbeit kostet"

Aufträge über Online-Vermittlungsportale zu bekommen, ist für Handwerker nichts Neues mehr. Die Macher der Plattform Homebell versprechen allerdings noch mehr: Sie werden zum Vertragspartner und übernehmen alle Aufgaben rund um die eigentlichen Handwerksarbeiten. Wie funktioniert das in der Praxis? Was kostet es? Und ist sie nötig angesichts der guten Auftragslage im Handwerk?

Portale zur Handwerkersuche übers Internet sind Teil der Digitalisierung und immer mehr Betriebe bekommen einen Teil ihrer Aufträge über diesen Weg vermittelt. Trotz der boomenden Konjunktur im Handwerk nutzen viele gerne diesen vermeintlich sehr einfachen Weg der Kundenakquise. Der wohl größte und bekannteste Anbieter auf diesem Gebiet – das Portal MyHammer – vertritt mittlerweile rund 20.000 Handwerker. Aber auch Baumärkte bieten mittlerweile online eine Handwerkervermittlung an.

Handwerker bezahlen mit eingesparter Arbeitszeit

Schon seit Oktober 2015 ist ein weiterer Anbieter auf diesem Markt aktiv und gewinnt nun immer mehr Zulauf. Die Gründer des Portals Homebell , Sascha Weiler und Felix Swoboda aus Berlin, wollen aber mehr sein als nur ein digitaler Auftragsvermittler. Sie übernehmen neben der Kundenakquise auch das Erstellen von Kostenvoranschlägen, betreuen ganze Bauprojekte mit und bieten den Handwerker auch an, die Kundenbetreuung und Rechnungsstellung für sie zu erledigen – alles online und angeblich ohne Zusatzkosten. Aber wie kann das funktionieren? Sascha Weiler beantwortet im DHZ-Interview die wichtigsten Fragen zu dem, was er Handwerker bieten kann.

Sascha Weiler

DHZ:  Wie ist die Idee für das Handwerkervermittlungsportal entstanden – immerhin gibt es bereits sehr gut etablierte Plattformen? Wie unterscheidet sich Homebell von den anderen Handwerker-Vermittlungsportalen?

Weiler: Die Idee ist ganz einfach aus Eigenbedarf entstanden auf der Suche nach einem Maler. Dabei wurde klar, wie schwer es auch über das Internet ist, eine verbindliche Preisauskunft zu bekommen und einen Handwerker zu finden, der nicht schon über Monate ausgebucht ist. Natürlich brauchen Handwerker jetzt gerade keine reine Auftragsvermittlung, sondern eher jemanden, der ihnen die Arbeit abnimmt, die nicht zu den Kernaufgaben gehört. Die Unterschiede liegen deshalb auch darin, dass wir für die Betriebe quasi die Büroarbeiten rund um den vermittelten Auftrag übernehmen.

"Wir kalkulieren die Preise für jeden Auftrag"

DHZ:  In welcher Rechtsform arbeiten Handwerksbetriebe mit Homebell zusammen bzw. gibt es Vermittlungsprovisionen und wenn ja, wie hoch sind sie?

Weiler: Wir sind Vertragspartner der Handwerker. Es gibt keine Vermittlungsprovision. Zu den Bedingungen der Zusammenarbeit gehört, dass wir die Preise für den Auftrag kalkulieren. Dabei analysieren wir den Markt sehr genau; meist liegen wir im Mittelfeld der Preisspannen. Dadurch, dass wir einen Großteil der administrativen Arbeit, wie Akquise, Rechnungstellung oder Materialbeschaffung abnehmen, sparen die Betriebe Zeit und damit Geld. Im Durchschnitt spart ein Betrieb 12 bis 15 Stunden an Arbeitszeit ein, wenn er sich nicht um die Büroarbeiten kümmern muss. Dieser Zeitgewinn ist es, den wir im Rahmen des Kundenangebots einkalkulieren und der quasi unser Honorar ist. Sowohl Kunde als auch Handwerker erhalten dadurch ein Angebot zu einem marktüblichen Preis. Der Handwerker profitiert dabei davon, dass er mehr Zeit hat und so mehr Aufträge ausführen kann. Der Kunde wiederum hat mit uns einen Dienstleister, der sich um die komplette Auftragsabwicklung, von der Beauftragung des Handwerkers über die Koordination des Termins bis zur finalen Abnahme kümmert. Und die Kunden wissen in rund fünf Minuten, was die Handwerksarbeiten kosten – vor Ort Termine und langwierige Preisfindungsprozesse entfallen, weil wir im Rahmen der Angebotsanfrage durch den Kunden bereits die wichtigsten Eckdaten, wie Quadratmeterzahl, abfragen und so ein passgenaues Angebot entwickeln können.

"Wir sind selbst ein eingetragener Malerbetrieb"

DHZ:  Welche Gewerke vertritt Homebell?

Weiler: Im Mittelpunkt stehen Malerarbeiten, da wir selbst ein eingetragener Malerbetrieb sind und Maler angestellt haben. Bislang konzentrieren wir uns auf Oberflächen, also auf Malerarbeiten, alles, was Bodenbeläge betrifft, Trockenbau und Außenfassaden. Wir wollen in Zukunft aber auch andere Gewerke mit aufnehmen.

DHZ:  Gibt es Pläne für die Zukunft, in welchen Städten Homebell künftig aktiv sein will? Bislang sind es wohl hauptsächlich größere Städte – warum?

Weiler: Anfangs haben wir in Großstädten begonnen, Kunden für Handwerksbetriebe zu suchen. Hier ist der Bedarf derzeit auch am größten. Grundsätzlich kann man Leistungen über Homebell aber mittlerweile bundesweit buchen.

DHZ:  Was sagen Sie zu den Vorwürfen, die vor kurzem von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung laut wurden in Bezug auf angeblich "hinterzogene Sozialversicherungsbeiträge" von Auftragsvermittlungsplattformen ?

Weiler: Unser Geschäftsmodell funktioniert anders und ist von den Vorwürfen nicht betroffen. Die Handwerker bekommen Gutschriften von uns für die geleisteten Arbeiten im Rahmen der übernommenen Aufträge. Die Diskussion, die die DGUV angestoßen hat, ist dennoch grundsätzlich wichtig.

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