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Diskussion um Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge Nicht unfallversichert? MyHammer verteidigt Geschäftskonzept

Unfallversicherung und Gewerkschaftsbund kritisieren Portale wie MyHammer und Uber, da sie für diejenigen, denen sie Aufträge verschaffen, keine Sozialversicherungsbeiträge leisten. Der Handwerkervermittler MyHammer sieht sich allerdings nicht in einer Arbeitgeberfunktion.

Derzeit sind rund 20.000 Handwerker bei MyHammer registriert und erhalten über die Plattform regelmäßig Aufträge. Das Geschäftsmodell funktioniert nach Aussagen des Unternehmens trotz der guten Konjunktur und obwohl sich Handwerker meist kaum vor Aufträgen retten können. Für die Vermittlungsdienste nimmt MyHammer eine monatliche Gebühr. Zu den Kunden gehören sehr viele Selbstständige, die keine Abgaben an die gesetzlichen Sozialversicherungen leisten. Genau das stört Joachim Breuer, der Hauptgeschäftsführer der DGUV. In einem Beitrag von faz.net hatte er gefordert, dass Unternehmen wie MyHammer oder auch der Fahrdienst-Vermittler Uber eigentlich die Beiträge für ihre Kunden leisten müssten, da sie mit der Auftragsvergabe die Position eines Arbeitgebers übernehmen würden.

Unterstützung bekommt Breuer dabei von Annelie Buntenbach vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Auch sie sieht die betreffenden Plattformen des sogenannten Click- und Crowdworking in einer Arbeitgeberfunktion. Sie dürften sich nicht einfach an ihren Verpflichtungen vorbeidrücken, kritisiert sie und weist auf die vielen Selbstständigen hin, die ihrer Meinung nach in den Schutz der Sozialversicherung gehören.

"Keine Bemessungsgrundlage für Sozialversicherungsbeiträge"

MyHammer wehrt sich jedoch gegen diese Forderung und sieht nicht in einer Funktion, die eine arbeitgeberähnliche Rolle einnimmt. Es existiere keine Bemessungsgrundlage für die Erhebung von Sozialversicherungsbeiträgen, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Plattform stelle einen Service für Handwerker zur Verfügung, den diese gegen die Zahlung eines monatlichen Beitrags als Kunden in Anspruch nehmen. "Auf der Plattform wird zwar der Kontakt zwischen den Auftraggebern und Handwerkern hergestellt, auf die Ausgestaltung der Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Parteien nimmt MyHammer jedoch keinen Einfluss", erklärt Claudia Frese, Vorstandsvorsitzende von MyHammer.

Dass es in den letzten Jahren immer mehr Selbstständige und viele Solo-Selbstständige im deutschen Handwerk gibt – eine wichtige Zielgruppe für MyHammer – sieht Handwerker-Vermittler vor allem in der Novellierung der Handwerksordnung im Jahr 2004 begründet. Damals wurde der Handwerksmarkt insofern liberalisiert, als dass Zulassungsbeschränkungen in einigen Gewerken (z. B. Fliesenleger) abgeschafft und gelockert wurden. "Zudem gelangen seit der EU-Osterweiterung im gleichen Jahr mehr osteuropäische Anbieter auf den deutschen Markt", so Claudia Frese. Damit wäre seit 2004 der Weg in die Selbständigkeit explizit gefördert worden.

Auch wenn das Geschäftsmodell des Handwerker-Vermittlers unter anderem auf dieser Entwicklung basiert, verzeichnet MyHammer nun in Zeiten des bereits seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs einen konstanten Zuwachs. In den letzten drei Jahren konnte MyHammer jeweils ein zweistelliges Wachstum verzeichnen. Das Unternehmen selbst begründet dies mit dem Wandel der Geschäftswelt in Richtung der Digitalisierung. Für viele Betriebe bedeute eine Registrierung bei MyHammer den ersten Schritt in die Online-Welt. Hierbei spiele vor allem die Entwicklung im Bereich der mobilen Endgeräte eine wichtige Rolle. Denn es gibt immer mehr Menschen, die gezielt nach Informationen im Internet suchen und die hier auch gerne Angebote und Leistungsspektren miteinander vergleichen wollen. 

Doch wie genau läuft die Zusammenarbeit zwischen dem Plattformbetreiber und den Handwerksbetrieben ab? Welche Gebühren fallen an? Und welchen rechtlichen Status hat die Kooperation?

Das Geschäftsmodell von MyHammer: Wer kann wie mitmachen?

MyHammer ist eine Plattform, auf der Handwerker ihre Arbeiten rund ums Haus und den Garten anbieten – ein Online-Marktplatz für Handwerker. MyHammer hat ausschließlich Gewerbetreibende als Kunden. Rund 20.000 Handwerker sind derzeit auf der Plattform aktiv. Grundsätzlich können sich hier Handwerker aller Branchen registrieren. Am häufigsten vertreten sind derzeit allerdings Selbstständige und Betriebe aus den Ausbaugewerben.

Erstellt ein Handwerker auf der Plattform ein Profil, prüft MyHammer nach eigenen Angaben die Kontaktdaten sowie die handwerklichen Qualifikationen – wie etwa die Meisterbriefe – und checkt, ob ein Gewerbe angemeldet wurde. " Schwarzarbeit oder andere Formen von Betrug sind so nur schwer möglich", sagt die Vorstandsvorsitzende. So würden nur Betriebe mit den erforderlichen handwerklichen Qualifikationen zugelassen und ein fairer Wettbewerb garantiert.

Online-Präsenz über MyHammer: Was kostet das und welcher rechtliche Status liegt vor?

Handwerker nutzen die Plattform laut MyHammer nach eigenem Ermessen. Auktionen gibt es nicht. Kunden, die dort nach einem Handwerker suchen, treten direkt per Telefon oder E-Mail mit diesem in Kontakt. Der Auftrag und die Kosten für die Leistung werden persönlich und individuell besprochen. MyHammer nimmt nach eigenen Aussagen keinen Einfluss auf die Vertragsbeziehungen oder die Preise der über die Plattform vermittelten Leistungen.

Um bei MyHammer registriert zu werden, entrichten Handwerker einen pauschalen Monatsbeitrag von 59,90 Euro. Das Unternehmen finanziert sich nach eigenen Angaben über diese regelmäßigen Beitragszahlungen und ist in keiner Weise monetär an den vermittelten Aufträgen beteiligt. Das Vermitteln der Aufträge verlaufe unabhängig und provisionsfrei.

Ein Profil erstellen können sowohl Betriebe mit mehreren Mitarbeitern als auch Selbstständige. Im Baubereich tätige Handwerker sind nach Angaben der Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) zu 55 Prozent Solo-Selbständige und nicht verpflichtet, eine Unfallversicherung abzuschließen, während die 45 Prozent Betriebe mit Mitarbeitern unfallversicherungspflichtig sind. "Insofern gibt es ein Interesse der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, für eine Versicherungspflicht aller Betriebe, auch der Soloselbständigen, einzustehen“, sagt Claudia Frese zu aktuellen Kritik von DGUV und DGB.

Baugewerbe will Sozialversicherungspflicht ausweiten

Auch das Baugewerbe selbst sieht es kritisch, dass es immer mehr Soloselbstständige gibt und dass weniger Sozialabgaben in der Branche geleistet werden. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) sieht das Problem allerdings weniger auf der Seite der Auftragsvermittlungsportale wie MyHammer als auf Seiten der Politik bzw. in den hohen Sozialabgaben. In der FAZ hat ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa deshalb von der neuen Bundesregierung gefordert, dass diese dafür sorgen solle, dass die Abgaben nicht über 40 Prozent steigen. Zudem sollte man seiner Ansicht nach darüber nachdenken, ob die Sozialversicherungspflicht nicht auf die Soloselbstständigen ausgeweitet werden sollte.

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