Schmuck abseits des Mainstreams "In der Branche nennt man mich den Geschichtenerzähler"

Wenn draußen der Münsterplatz tobt, herrscht drinnen stille Konzentration: Goldschmied Alfonso Anzivino formt in seinem Ulmer Atelier außergewöhnliche Schmuckstücke – jedes ein Unikat mit eigener Geschichte. Darauf wurde auch Hollywood aufmerksam.

Alfonso Anzivino in seiner Werkstatt
Direkt am Münsterplatz unter dem Wahrzeichen Ulms arbeitet Alfonso Anzivino und kreiert Schmuckstücke. - © Handwerkskammer Ulm

"Wenn ich arbeite, dann kriege ich von draußen nichts mit", sagt Alfonso Anzivino und blickt aus dem Fenster auf den Ulmer Münsterplatz. Ob die Drittliga-Meisterfeier des SSV Ulm 1846 Fußball, zahlreiche Demonstrationen oder der alltägliche Lärm des Wochenmarkts. Für Anzivino verpuffen diese Geräusche, wenn er in seiner Werkstatt sitzt, modelliert und gestaltet. Der gelernte Gold- und Silberschmied macht Schmuck – selten von der Stange, oft individuell und kreativ.

Erklärungsbedürfte Schmuckstücke

Vor rund zehn Jahren kam Anzivino aus der Schmuckstadt Pforzheim nach Ulm. Ende 2024 entschied er sich dann bewusst für neue Räumlichkeiten ohne klassisches Ladengeschäft. Einblicke in die Arbeit gibt es nur für Kunden oder für interessierte Besucherinnen und Besucher im Zuge der Europäischen Tage des Kunsthandwerks, die Anfang April stattfanden. "Meine Kollektionen erzählen Geschichten. Die muss ich den Menschen erklären", sagt Anzivino.

Teils liegen diese Kollektionen in Tresoren oder werden in Galerien ausgestellt. Für die Europäischen Tage des Kunsthandwerks holte Anzivino alle zurück in sein Atelier. So auch das Collier "Universo". Ein Unikat, das sich dem Thema "The Song of the Stars" widmet. Über 400 Arbeitsstunden steckte er in dieses Stück: "Ich besuchte extra einen Geigenbauer, um mehr über die Violine zu lernen", erzählt Anzivino. Dieses Wissen nutzte er und modellierte einen Violinenkopf im Schmuckstück. Die Planeten des Sonnensystems ordnete er als Noten auf dem Collier an, die wiederum den Anfang von "Vom Himmel hoch, da komm ich her" repräsentieren.

Das Collier "Universo"
Über 400 Stunden Arbeit, tausende Brillanten und 40 Tahiti-Zuchtperlen stecken im Collier "Universo". - © Handwerkskammer Ulm

Geschichten, die bei reinem Betrachten des Colliers unentdeckt bleiben: "Meine Kreationen erzählen immer eine Geschichte." Gerade deshalb lohnen sich für ihn Aktionen wie die "ETAK". Hier kann er die Entstehungsgeschichten und Bedeutungen seiner Unikate genau erklären.

Qualität und Emotionen

In seinen Arbeiten verwendet Anzivino auch seltene Materialien wie Feueremaille und Conch-Perlen und setzt dabei seinen ganz eigenen Stil um. Und dieser bescherte ihm bisher nicht nur zahlreiche Preise, sondern auch Präsenz auf dem roten Teppich Hollywoods, auf dem bereits Schauspielerinnen seinen Schmuck trugen. Während Kundinnen und Kunden für die Unikate durchschnittliche Jahresgehälter zahlen müssen, setzt Anzivino in seinen Kollektionen auf erschwingliche Preise. Hierfür stellt der 49-Jährige zunächst über viele Stunden passende Modelle per Hand her und lässt diese dann bei Produktionspartnern gießen. Qualität und seine Handschrift bekomme der Kunde aber immer: "Mein Schmuck muss Emotionen transportieren. Es geht nicht nur darum, wie etwas aussieht, sondern auch, was es ausdrückt."