Ernährung Immer mehr Firmen nutzen Lebensmittel-Logo Nutri-Score

In der Vergangenheit kritisierten Lebensmittel- und Handwerksverbände den Nutri-Score. Das hat der Nachfrage nach der Ernährungsampel jedoch keinen Abbruch getan: Immer mehr Firmen registrieren sich für die Verwendung des Logos, wie Bundesernährungsministerin Julia Klöckner jetzt mitteilte.

Nutri-Score auf Backpulver der Marke Ja.
Nutri-Score auf Backpulver der Marke "Ja" von Rewe: Immer mehr Unternehmen registrieren sich für die Verwendung der Ernährungsampel. - © Bihlmayerfotografie - stock.adobe.com

Immer mehr Firmen nutzen das Lebensmittel-Logo Nutri-Score als Hilfe für den Kauf gesünderer Produkte im Supermarkt. "Mittlerweile haben sich 214 Unternehmen mit 424 Marken für die Verwendung registriert", sagte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Damit sei eine weitere Wegmarke erreicht, die Kennzeichnung immer präsenter zu machen und Verbrauchern eine bessere Entscheidung für eine ausgewogene Ernährung zu ermöglichen. Die schnelle Verbreitung beweise, dass man auch mit Freiwilligkeit erfolgreich sein könne.

So funktioniert der Nutri-Score

Das in Frankreich entwickelte System bedeutet so viel wie "Nährwert-Punktzahl" und bezieht neben Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Elemente wie Ballaststoffe, Eiweiß oder Anteile an Obst und Gemüse ein. Für die Mengen pro 100 Gramm werden jeweils Punkte vergeben. Heraus kommt ein einziger Gesamtwert, der in einer fünfstufigen Skala abgebildet ist: von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zum roten "E" für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben.

Firmen, die Nutri-Score auf freiwilliger Basis nutzen wollen, müssen sich bei der französischen Gesundheitsagentur als Markeninhaberin registrieren. Mitte Februar waren es 116 deutsche Unternehmen gewesen. Dabei hatten einige Hersteller das Logo auch schon vor der offiziellen Einführung in Deutschland durch eine Verordnung von November 2020 verwendet. Für alle interessierten Firmen hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Hilfestellung zur Einführung des Nutri-Scores bereitgestellt.

Verbände kritisieren Ernährungsampel

Während sich immer mehr Unternehmen für den Nutri-Score entscheiden, hat das Logo vor seiner Einführung nicht alle vollumfänglich überzeugt. Nachbesserungen forderte unter anderem der Lebensmittelverband, dem Verbände und Unternehmen der gesamten Lebensmittelkette aus Landwirtschaft, Handwerk, Industrie, Handel und Gastronomie angehören. Im Dezember 2019 übermittelte der Verband ein 10-Punkte-Papier an das Bundesernährungsministerium. Darin forderte er unter anderem, den Nutri-Score rechtssicher zu machen und Widersprüche zu allgemeinen Ernährungsempfehlungen aufzulösen. So würden etwa Vollkornprodukte im Nutri-Score nicht hinreichend differenziert betrachtet.

Auch der Bäckerverband äußerte im Oktober 2020 Kritik an der Ernährungsampel. Aus Sicht des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks (ZVB) könne durch dieses stark vereinfachte Bewertungsverfahren eine gesunde Ernährung nicht abgebildet werden, denn dabei handle es sich um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Lebensmittel. Abgesehen davon sei das Logo aber von äußerst geringer Relevanz für das Bäckerhandwerk.

Auf enorme Akzeptanz stößt das Lebensmittel-Logo bei den Bürgern. Neun von zehn Verbrauchern in Deutschland finden es gut, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC im November 2020 ergab. dpa/ew