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Barber-Shops in Deutschland Immer mehr Barbiere verändern die Friseurszene

Immer mehr Barbiere eröffnen in Deutschland eigene Barber-Shops. Doch was genau macht eigentlich ein Barbier? Und inwieweit steht er in Konkurrenz zum klassischen Friseurhandwerk?

Pflegelotion für die Haare, die Übergänge perfekt geschnitten und kein einzelnes Härchen steht mehr auf der Wange – nein, hier geht es nicht um Frauen, hier geht es um Männer. Und zwar um all diejenigen Männer, die dem Hipster-Trend folgen, sich einen Bart wachsen lassen und auf dessen Pflege besonderen Wert legen. Zahlreiche neu eröffnete Barber-Shops nehmen sich der männlichen Kundschaft an. Doch was genau macht eigentlich ein Barbier? Und inwieweit steht er in Konkurrenz zum klassischen Friseurhandwerk?

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Besonders günstige Angebote

Frank Bormann ist Inhaber des "Salon am Stadtbad" in Halle. Wie viele Friseursalons bietet er neben dem klassischen Friseurangebot auch Haarverlängerungen an, Braut- und Hochzeitfrisuren sowie Perücken, Kosmetik und Podologie. Ein Trockenschnitt für Herren kostet bei ihm 12,50 Euro. So weit, so gut – wäre da nicht der Barber-Shop, der vor kurzem auf der anderen Straßenseite eröffnet hat. Dieser bietet einen Trockenschnitt für fünf Euro an.

Laufkundschaft geht verloren

Zum einen bezweifelt Bormann, dass bei diesem besonders günstigen Angebot der Mindestlohn gezahlt wird. Zum anderen merkt er bereits jetzt, dass ihm durch die Neueröffnung Laufkundschaft verloren geht. "Im Moment mache ich mir noch keine Sorgen, da wir ein sehr breites Angebot haben. Bei größeren Einbußen kann es jedoch sein, dass ich eine Mitarbeiterin entlassen muss", sagt Bormann.

Barber-Shops gibt es in ganz Deutschland

Dabei ist der Barber-Shop in Halle nur einer von vielen. Der neue Trend ist inzwischen in ganz Deutschland angekommen. Nach Joachim M. Weckel, Justiziar beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks, unterscheidet sich ein Barber-Shop in seinem berufstechnischen Leistungsprofil kaum vom Herrenfriseur. "Barber-Shops sind in der Regel 'Herrensalons' mit einer besonders maskulin-modischen Ausrichtung. Hier spielen Bärte im Kontext zu Frisuren mit einer sehr markanten Schnittführung eine größere Rolle", sagt Weckel.

Eintragung in die Handwerksrolle notwendig

Da in diesen Geschäften wesentliche Teiltätigkeiten des Friseurhandwerks realisiert werden, stellt die Eröffnung eines Barber-Shops laut Weckel eine selbständige Betätigung im Friseurhandwerk dar und bedarf der Eintragung in die Handwerksrolle. Regelvoraussetzung dafür ist die Meisterqualifikation. Eine gesonderte Ausbildung zum Barbier gibt es in Deutschland nicht.

Althergebrachte Techniken aus dem Heimatland der Barbiere

Betrachtet man die Teilnehmer der German Barber Awards auf der Fachmesse Haare im Oktober 2016, trifft man vor allem auf ausländische Namen. V iele Barbiere haben keine formelle Friseurausbildung in Deutschland abgeschlossen, sondern greifen auf althergebrachte Techniken aus ihrem Heimatland zurück. Dass man sich auch ohne deutschen Meisterbrief selbständig machen kann, erklärt Klaus Niedermeier von der Gründeragentur der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Barber-Shops als Herrenfriseure

So kann die Handwerkskammer beispielsweise nach Paragraph 7, 8 und 9 der Handwerksordnung in Ausnahmefällen eine beschränkte Genehmigung zur selbstständigen Ausübung als "Herrenfriseur", also Barber-Shop, erteilen. Friseurleistungen dürfen in diesem Fall nur begrenzt ausgeübt werden. Je nachdem gehört dazu nur die Bartrasur oder auch Haare waschen, schneiden und föhnen. Frauentypische Leistungen wie Haare färben und der Umgang mit sonstigen Chemikalien könnten beispielsweise ausgeschlossen werden. Für die nötigen Kontrollen soll das Zollamt sorgen, auch wenn die Abgrenzungen manchmal nicht ganz einfach sind.

Bei Verdacht der Schwarzarbeit Handwerkskammer fragen

Ein Staatsangehöriger der Europäischen Union, der einen Nachweis für eine selbstständige Tätigkeit im Ausland hat, kann nach Paragraph 9 ebenfalls eine Ausnahmebewilligung für einen Barber-Shop erhalten. Falls der Kunde oder Konkurrent unsicher ist, welche Leistungen der Barbier praktizieren darf, rät Niedermeier bei den jeweiligen Handwerkskammern nachzufragen. Diese können über die Handwerksrolle Auskunft geben, welche Leistungen der Betrieb ausführen darf und ein Verfahren zur Ermittlung gegen Schwarzarbeit einleiten.

Barbier kann Friseur ergänzen

Wie ein Barbier das Friseurhandwerk sinnvoll ergänzen kann, zeigt ein Beispiel aus Hoyerswerda. Vor zwei Jahren hat der Friseurunternehmer Heiko Schneider den aus dem Libanon geflüchteten Naser Kassem als Barbier eingestellt. Neben dem Damenbereich gibt es im Salon " Haarschneider" einen separaten Raum nur für Herren. Hier ist das Refugium von Naser. Er ist vor allem für seine orientalischen Arbeiten am Bart bekannt . Den Wachs, um beispielsweise Ohren- und Nasenhaare zu zupfen, lässt er sich alle paar Wochen aus dem Libanon schicken.

Naser Kassem hat mit seiner Leistung überzeugt

Schneider ist mit der Arbeit von Naser äußerst zufrieden. "Die klassische Barbier-Tätigkeit, die er hier macht, ist nicht durch eine deutsche Kraft zu ersetzen, denn Naser ist in dem, was er macht, exakter und genauer", sagt Schneider. Kassem ist bereits seit seinem 13. Lebensjahr Barbier. Einen offiziellen Ausbildungsschein hat er nicht. Seinen eigenen Salon im Libanon musste er vor drei Jahren verkaufen, um den Schlepper zu bezahlen.

Flüchtlingshilfe organisierte ein Praktikum

Angekommen in Hoyerswerda organisierte die Initiative "Hoyerswerda hilft mit Herz" für Naser ein dreiwöchiges Praktikum im Salon Haarschneider. Der Inhaber war von seiner Leistung überzeugt. Nachdem geklärt war, dass nicht ein Deutscher oder anderer EU-Ausländer vorrangingen Anspruch auf die Stelle hätte, stellte ihn Schneider auf Vollzeit ein.

Anlaufschwierigkeiten können überwunden werden

Am Anfang gab es zwar einige Anlaufschwierigkeiten, denn Naser konnte nur Arabisch sprechen und kein Englisch. Außerdem musste er sich zuerst an die Pünktlichkeit der Deutschen gewöhnen. Der Libanese lernte jedoch schnell und leistet nach Schneider inzwischen sogar umsatzrelevante Arbeit. Problematisch ist, dass Naser als Flüchtling noch nicht offiziell anerkannt wurde. Er kann also jederzeit abgeschoben werden.

Männer gehen wieder häufiger zum Friseur

Dennoch würde Schneider das "unternehmerische Risiko" jederzeit wieder eingehen. Denn betrachtet man den Friseurmarkt, so stelle man nach Schneider schnell fest, dass die Besuchshäufigkeit bei Frauen abnimmt. Der Mann besuche den Friseursalon jedoch wieder häufiger und gebe dafür mehr Geld aus. "Das Butter-und-Brot Geschäft sind die Frauen. Der Wachstumsbereich des Herrensalons ist inzwischen jedoch so groß, dass wir auf diesen Bereich nicht mehr verzichten möchten", sagt Schneider.

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